Achim (Komturei, Deutschland)

(s. Tempelachim)

Affiliation

Siehe Donaten.

 

Akkon (Komturei, Palästina)

Die antike Hafen- und Handelsstadt, die auch für die Wirtschaft der Kreuzfahrerstaaten unschätzbare Bedeutung erhalten sollte, wurde im Jahre 1104 in einer gemeinsamen Operation zu Lande und zu Wasser von Genuesen, Pisanern und Truppen Baudoins I. von Jerusalem erobert und blieb bis kurz nach der Schlacht von Hattin 1187 in christlicher Hand. Nach einer über zweijährigen Belagerung wurde sie im Juli 1191 von den vereinten Kräften der Belagerer, unter ihnen König Guido von Jerusalem und Richard 'Löwenherz' von England, wiederum zurückerobert.

Akkon auf einer Heilig-Land-Karte in einer Handschrift des Matthäus Parisiensis. Unten re. der Sitz der Templer, links innerhalb der beiden Mauern der Sitz der Hospitaliter, links des Kamels der "Tour maudite", (Bildquelle/Copyright: London, British Library, MS Royal 14 C VII, f. 4v. Vollständige Ansicht)

Nach dem Fall Jerusalems wurde die Niederlassung in Akkon zum Haupthaus der Templer. Die Burg lag an der Meerseite - erhalten geblieben ist nach Schleifung und Abtragung der Steine durch die Stadtbewohner nichts mehr. Der Komturei kam nicht nur militärische und administrative Bedeutung zu, sondern sie war auch ein wichtiger religiöser Stützpunkt der Bevölkerung der Region. Der Notar Antonius Sicci berichtet bei seiner Aussage während des Prozesses vor der päpstlichen Kommission 1311, daß der Orden in seinem Haus in Akkon eine Reliquie beherbergt hätte - ein Kupferkreuz, angeblich angefertigt aus der Wanne, in der Christus gebadet worden sei - welchem man wundertätige Eigenschaften zuschrieb. Es sei in Prozessionen vom Patriarchen und den Templern durch die Stadt getragen worden und habe seine Macht besondern im Flehen um Regen erwiesen. Wunderheilungen hätten sich auch in der Templerkirche von Akkon zugetragen.

Im Konflikt zwischen den Seerepubliken von Genua, Pisa und Venedig bzw. ihren respektiven Niederlassungen in Akkon Mitte des 13. Jh.s (dem sogenannten 'Krieg von San Saba') um ein befestigtes Haus in Akkon, welches der Abtei von San Saba gehörte, versuchten die Templer zunächst, gemeinsam mit den Hospitalitern, zu vermitteln, allerdings ohne Erfolg. Im Frühjar 1258 kam es zu einem Angriff der genuesischen Flotte und ihrer Verbündeten Philipp von Montfort und den Hospitalitern auf den Hafen und die Stadt Akkon selbst. Die Templer versammelten sich daraufhin bewaffnet im Quartier ihrer Verbündeten, der Pisaner und Venezianer und es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den christlichen Truppen und den beiden Ritterorden.

Der 1994 entdeckte Tunnel von über 300 Metern Länge verband die Pisaner Handelsniederlassung mit den Lagerhäusern der Templerniederlassung. Eine Abzweigung reichte bis zum Hafen. Auf diesem Wege importierten die Templer ihre (aufgrund der diversen Privilegien) abgabenfreien Waren.

Akkon spielte auch die Hauptrolle im letzten Akt des Dramas der Kreuzfahrer im Heiligen Land. Der Ordensmeister der Templer Guillaume de Beaujeu, hatte zunächst noch mit Sultan Kalawun von Ägypten über Lösegeld für die Einwohner Akkons verhandelt - was jene jedoch stolz und selbstzufrieden ablehnten.
Das mamelukische Heer, das sich infolgedessen im Frühjahr 1291 unter der Führung von Sultan Kalawuns Sohn Khalil vor Akkon versammelte, bestand aus 100.000 - 200.000 Soldaten, davon etwa 40.000 Kavalleristen (und damit den Verteidigern in der Stadt um das 20-Fache überlegen) und war entschlossen, die Stadt einzunehmen.

Am 5. April 1291 begann die Belagerung Akkons. Zunächst war die Situation für die Verteidiger noch nicht einmal hoffnungslos. Einige kleinere Ausfälle verliefen siegreich und man erwartete ein Entsatzheer aus Europa. Am 4. Mai erschien auch tatsächlich der König von Zypern mit 40 Schiffen im Hafen der Stadt. Eine letzte Verhandlungsinitiative scheiterte, als ein Katapultgeschoß der Christen genau in dem Augenblick neben dem Zelt Khalils niederging, als König Heinrich von Zypern die Übergabebedingungen aushandeln wollte.
Von da an gab es keinen Zweifel mehr, dass die Belagerung bis zum bitteren Ende fortgesetzt werden würde.
Akkon besaß einen doppelten, türmebewehrten Mauerring, den die Mamelucken mit Unterminierung zu schwächen suchten. Gleichzeitig wurden Belagerungsmaschinen eingesetzt, und schon Mitte Mai brachen die ersten Türme an den schwächsten Stellen in sich zusammen. Bei der Zurückschlagung der eindringenden Angreifer vollbrachten die Mitglieder des Johanniter- und Templerordens Heldentaten.
Am 18. Mail 1291 gelang den Belagerern die Einnahme des strategisch bedeutenden sogenannten "Tour maudit". Bei dem Versuch, den Turm zurückzuerobern, wurde der Ordensmeister der Templer Guillaume de Beaujeu tödlich verwundet, was unter den verbliebenen Verteidigern Chaos und Panik auslöste. Wem es nicht gelungen war, rechtzeitig auf eines der Schiffe zu kommen und damit aus der Stadt zu fliehen, wurde von den eindringenden Soldaten Khalils umgebracht. Wie auch bei der Eroberung von Arsuf und Caesarea in den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts und später auch Antiochia und Tripolis wurden kaum Gefangene gemacht.

Die Festung der Templer, in den sich auch zahlreiche Zivilisten geflüchtet hatten, hielt am längsten stand, während die übrige Stadt schon besetzt und geplündert wurde. Der Heerführer der Mamelucken offerierte eine ‚ehrenvolle Übergabe', welche der Marschall des Ordens, Pierre de Sevry, akzeptierte. Doch kaum waren die ersten Soldaten des Sultans innerhalb der Festung, begannen sie entgegen der Vereinbarung zu plündern und die Frauen zu vergewaltigen - das Ergebnis war, dass die Templer die Abordnung niedermetzelten. Eine weitere Offerte Khalils, mit dem Marschall zu verhandeln, entpuppte sich als Falle: Pierre de Sevry und seine Eskorte wurde hingerichtet. Ebenfalls am 18. Mai fiel der Donjon der Festung infolge von unternommenen Minierarbeiten in sich zusammen und begrub sowohl die Verteidiger als auch eine große Anzahl der mameluckischen Angreifer unter sich.

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Akkon, Plan aus: Marino Sanudo, Secreta fidelium crucis, 14. Jh. (London, British Library MS. Add. 27376, fol. 190r). Zu sehen sind die einzelnen zugeteilten Wachabschnitte, so links die 'custodia Templariorum', oben in der Mitte der 'Tour maudit' (Bildquelle/Copyright: British Library).

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Barber, M., Bate, K. (Hrsg.): The Templars. Selected sources translated and annotated, Manchester 2007, S. 115-117 (englische Übersetzung des lateinischen Textes).
  • Gabrieli, F.: Die Kreuzzüge aus arabischer Sicht, Augsburg 1999, S. 407-414.
  • Michelet, J. (Hrsg.): Le Procès des Templiers, 2 Bde, Paris 1841, Bd. 2, S 642-647 (Original).

 

Albenga (Komturei ?, Italien)

Templerbesitz in der Gegend von Albenga wird erstmalig 1143 in einer Schenkung erwähnt. Die Niederlassung bestand zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht. Die Schenkung und auch eine im darauffolgenden Jahr, wurden von einem Donaten namens Oberto, in den Urkunden als missus de Templo bezeichnet, entgegen genommen. Weitere Schenkungen von Seiten der Bürger von Albenga folgten in den kommenden Jahren, und 1167 wurde die Niederlassung samt Kirche und alle zugehörigen Immobilien durch den amtierenden Provinzmeister dem Donaten Robaldo Marabotto und seiner Frau verpachtet, die zuvor weiteren Landbesitz dem Orden gestiftet hatten. Robaldo verwaltete den gesamten Besitz und nahm in voller Autorisation auch weitere Schenkungen entgegen. Ab 1179 sind ministri (dies kann die Bezeichnung für Komture sein) der Niederlassung erwähnt. 1191 wurde fast der gesamte Besitz in Albenga an den Ortsbischof verkauft, das Haus selbst an ihn verpachtet. Zu diesem Zeitpunkt lebten fünf Brüder in der Niederlassung, darunter ein Priester.

Die Kirche der Komturei stand unter dem Titel des Lokalheiligen S. Calocerus. Einige Forscher identifizieren sie mit der heutigen San Giorgio-Kirche, die jedoch zu einem Benediktinerkloster gehörte.

Komture

1167-1179 Roboaldo Marabotta

1179-1182 ministri Guglielmo di Vignano u. Guido

1186 minister Enrico

 


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bellomo, Elena: The Templar Order in North-West Italy, 2007, S. 229ff.

 

Albigenserkreuzzug

s. Katharer, Beziehungen der Templer zu

Alcalà de Xivert (Burg, Katalonien)

Blick auf die Burganlage (Bildquelle/Copyright: Wikimedia)

Die ursprünglich muslimische Befestigungsanlage wurde 1169 den Templern übergeben, aufgrund von Besitzstreitigkeiten aber wohl erst ab 1233 ausgebaut. Dabei wurde die polygonale Kernburg durch eine zweitürmige Schaufront ergänzt, durch eine Kapelle und weitere Konventbauten, wie Grabungen der letzten Jahre gezeigt haben.

Grundriss der Burganlage (Bildquelle/Copyright: Biller, Templerburgen)

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 117ff.

 

Alessandria (Komturei, Italien)

Die Existenz einer Komturei in Alessandria wird erst durch die Teilnahme ihres Komturs 1268 bei einem Provinzialkapitel bestätigt. Die Niederlassung mit ihrer der Hl. Margarethe geweihten Kirche befand sich im Stadtteil Borgoglio - der im 18. Jh. abgerissen wurde, um Platz für die Zitadelle zu schaffen. Dokumente aus dem 14. und 15. Jh. belegen den Transfer des Ordenshauses und seiner Liegenschaften an die Johanniter. Zur Komturei gehörten wahrscheinlich noch ein Landgut an der Straße nach Asti, und ebenfalls an der Straße, der sogenannte Torre del Tempio. Auch bei Letzterem handelt es sich wahrscheinlich um ein landwirtschaftliches Gebäude. Beide Bauten werden allerdings von mittelalterlichen Dokumenten nicht erwähnt.

Komture (nach Bellomo):

~ 1268-1271 Manfredo


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bellomo, Elena: The Templar Order in North-West Italy, 2007, S. 343f.

 

Almourol (Burg, Portugal)

Li.: Blick auf Almourol (Bildquelle/opyright: H. Walther), Re.: Almourol vor der Restaurierung, Alte Postkarte um 1900

Die Burg auf einer Felseninsel im Tejo wurde ab 1171 errichtet und sicherte damals die Grenze zum maurischen Süden. Die malerische, fast vollständig erhaltene Anlage besteht aus Bergfried mit Oberburg und einer Unterburg, die durch eine Mauer mit halbrunden Türmen geschützt wird. Die Zinnen allerdings sind eine Zutat der Restaurierungen in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als die Burg zum portugiesischen Regierungssitz umfunktioniert werden sollte.

 

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 123ff.

 

Altmühlmünster (Komturei, Deutschland)

In einem Seitental des Altmühltales befindet sich Altmühlmünster. Die "Altmühl" und die dortige Kirche, sprich Münster, waren die Namensgeber für diesen Ort. 1155 gründeten die Landgrafen Heinrich und Otto von Riedenburg, die zugleich auch Burggrafen von Regensburg waren, das "monasterium ad almonam", also ein Kloster an der Altmühl. Dieses stifteten sie 1158 dem Templerorden. Eine Gründungsurkunde ist allerdings nicht überliefert - nur ein Verzeichniseintrag - was innerhalb der Forschung auch zu Zweifeln an der Validität dieser Zuschreibung geführt hat.

Die Niederlassung bestand in dem Zeitraum 1158 bis 1312 und war mit einem Komtur und ca. 5 dienenden Brüdern besetzt. Zu ihr gehörten 316 Tagwerk Wald, die Gutshöfe Laubhof und Blauhof, 24 Tagwerk (1 Tagwerk = ca. 2.500 - 3600 m/2) Wiesen im Tal, das Wasserrecht im Ort und das heutige Gasthaus Gerstner sowie drei Weinberge bei Kehlheim und das Jagdrecht. Die romanische Kirche, ursprünglich vermutlich mit einem planen Chorabschluß versehen, erhielt im 15. Jahrhundert unter den Johannitern einen polygonalen Chor und Seitenkapellen angebaut.

Grundriss der heutigen Pfarrkirche St. Johannes in Altmühlmünster (Bildquelle: Kunstdenkmäler von Bayern, Beilngries II)

Ob die Templer von Altmühlmünster während des Prozesses gegen ihren Orden Verleumdungen und Folterungen ausgesetzt waren bzw. der Inquisition übergeben wurden ist nicht bekannt. Der Volksmund erzählt aber, die Templer von Altmühlmünster seinen mitten in der Nacht von Bewaffneten gefesselt abgeführt worden.
Sicher ist, dass gemäß den Beschlüssen des Konzils von Vienne ( 16. Oktober 1311 - 6. Mai 1312 ) Kaiser Ludwig der Bayer im Jahr 1312 das Kloster dem Johanniterorden übertrug.Bis in die Neuzeit blieb Altmühlmünster eine der bedeutendsten Johanniterkomtureien der Region.

Artikel von: F. Sengstock, bearb. v. A. Napp
    


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Hofmann, F. H. (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Beilngries II, München 1982 S. 19-23 (Literatur- und Quellenhinweise zur Architekturgeschichte der heutigen Pfarrkirche St. Johannes, im Wesentlichen aber zur Nach-Templerzeit)
  • Neckermann, S.: Geschichte der Johanniter-Malteserkomturei Altmühlmünster, Sulzbach 1911-12.
  • Janner, F.: Geschichte der Bischöfe von Regensburg, 3 Bde., Regensburg 1883-86, Bd. II, S. 130.
  • Riedenburg und Umgebung - Ausschnitte aus der Geschichte mit statistischen Erhebungen, hrsg.: Historischer Arbeitskreis im Volksbildungswerk, Riedenburg 1982.
  • Schüpferling, M.: Der Tempelherren-Orden in Deutschland, Bamberg 1915, S. 65f.
  • Wilcke, F.: Die Geschichte des Ordens der Tempelherren, 2 Bde., Halle 1860, Bd. II.

 

Alvensleben, Friedrich von (Provinzmeister, Deutschland)

Der aus einer alten (und heute noch existierenden) Adelsfamilie stammende Friedrich von Alvensleben amtierte um 1300 als Komtur der bedeutenden Niederlassungen in Süpplingenburg und möglicherweise auch Wichmannsdorf, ab etwa 1303 war er bereits Provinzmeister von Deutschland und Slawien. Besonders die Sagen zeigen ihn als engagierten Kämpfer gegen die heidnischen Wenden. Noch 1308, ein Jahr nach Beginn der Prozesse in Frankreich, hatte er diese Würde inne und urkundete bei einem Güterverkauf. Im gleichen Jahr kam es zum Konflikt der Templer mit Erzbischof Burchard III. von Magdeburg, der noch vor dem offiziellen päpstlichen Erlass die Ordensbrüder seines Jurisdiktionsbezirks verhaften ließ - darunter Friedrich von Alvensleben - und ihre Güter einziehen. Templer, die sich in der befestigten Anlage von Beyernaumburg verschanzten, ließ er belagern und geriet so in Streit mit Bischof Albert von Halberstadt, der hier territoriale Rechte geltend machte. Erst im November 1308 konnte ein Vertrag zwischen Bischof, Erzbischof und Templern ausgehandelt werden, der die persönlichen und materiellen Rechte aller Parteien respektierte und auch den Templern ihre Sicherheit garantierte. Am Zustandekommen des Vertrages war Friedrich von Alvensleben maßgeblich beteiligt. Er starb vermutlich vor dem 9. Februar 1313, denn an diesem Tag stiftete seine Schwester, Äbtissin in Halberstadt, ein Jahresgedächtnis zu seinen Ehren. Ob er zuvor noch in den Johanniterorden übergetreten war, wie in der Sage vom "Knödelland" zu lesen ist, kann nicht nachgewiesen werden. Die Familie von Alvensleben hatte jedoch auch enge Beziehungen zum Johanniterorden.

Wie hoch Friedrichs Ansehen bereits zu seinen Lebzeiten war, zeigt die Entwicklung diverser Legenden um seine Person. Die Johanniter reklamierten ihn als hochrangiges Mitglied. Einige Sagen aus der Neumark, die Ende des 19. Jhs. erstmals schriftlich fixiert wurden, erwähnen Friedrich von Alvensleben als tapferen Ordensritter, der zu bestimmten magischen Zeiten (Johannisnacht), aus dem Grabe aufersteht und seine Templer ins Heilige Land führt, oder im Kampf gegen die heidnischen Wenden sogar Ungeheuer bändigt, gleichzeitig aber christliche und ritterliche Milde walten lässt.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Alvensleben, R. von: "Friedrich von Alvensleben: letzter Präzeptor von Slawien und Alemannien", Erfurt 2008
  • Handtmann, E.: Neue Sagen aus der Mark Brandenburg, Berlin 1883
  • Mülverstedt, G. A. von: "Codex diplomaticus Alvenslebianus – Urkunden-Sammlung zur Geschichte des Geschlechts von Alvensleben und seiner Besitzungen", 4 Bde, Magdeburg 1879 – 1901.
  • Wohlbrück, S. W.: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Gütern, 3 Bde., Berlin 1819 - 1829.
  • Webseite der Familie von Alvensleben mit Wiedergabe der Sagen

 

Anfänge

Während die frühen Christen bis zur Konversion Kaiser Konstantins und der schließlich darauf folgenden Erklärung des Christentums zur (alleinigen) Staatsreligion des Römischen Reiches pazifistisch eingestellt waren und das das Tragen von Waffen ablehnten, änderte sich dies eben mit dem Entstehen des christlichen Imperiums. Nunmehr galt es für die Christen, ihre christliche Kultur und ihr christliches Reich unter dem von Gott eingesetzten Kaiser gegen die ungläubigen oder häretischen Barbaren zu verteidigen - der Keim der Idee des miles Christi. Anfang des 5. Jahrhunderts formulierte Kirchenvater Augustinus seine Idee des Gerechten Krieges: er musste von einer legitimen Macht befohlen sein und der Wiederherstellung der gerechten Ordnung und des Friedens dienen, und seine Teilnehmer durften nicht aus Motiven der Gewinnsucht oder des Hasses handeln. Im Zuge der Gottesfriedensbewegung setzte eine Sakralisierung des gerechten Krieges ein (Waffenweihe, Segnung der Kämpfer), die im Heiligen Krieg des Ersten Kreuzzuges mündete: den Kämpfern wurden nunmehr spirituelle Segnungen für die Teilnahme versprochen; die Gefallenen galten als Märtyrer.

Die Anfänge des Templerordens liegen in der Gottesfriedensbewegung; die genauen Umstände werden von den Chronisten jedoch unterschiedlich wiedergegeben. Wilhelm von Tyrus, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts schrieb, berichtet, daß im Jahre 1118 sich einige Ritter zusammenfanden und in die Hände des Patriarchen von Jerusalem die Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams und der Armut ablegten -- wie es auch Regularchanoniker taten. Unter ihnen sollen sich Hugues de Payens und Geoffroi de Saint-Omer befunden haben. König Baudoin II. von Jerusalem habe ihnen einen Teil seines Palais' überlassen, welches sich nahe dem "Tempel Salomos" befand. Der Patriarch habe der neuen Gemeinschaft ihre Zielsetzung gegeben: Verteidigung der Pilger und Bewachung der Wege und Heiligen Stätten. In seiner Vorliebe für heilige Zahlen fügte Wilhelm von Tyrus hinzu, sie seien während neun Jahren lediglich neun Mitglieder geblieben -- doch das scheint unwahrscheinlich. Möglicherweise verbreiteten aber die Templer selbst diese Zahlenmystik, denn 1311 während des Prozesses sagt der Notar Antonius Sicci vor der päpstlichen Kommission gegen den Orden aus, er habe während seiner Zeit im Dienst der Templer von jenen selbst die Gründungsgeschichte gehört, wonach 9 Jahre lang die ersten beiden Brüder allein geblieben seien und sich ihnen dann 9 weitere hinzu gesellt hätten - eine etwas andere Version als die Wilhelms von Tyrus also, aber wieder die Zahl neun!

Der Chronist Simon aus der Abtei St. Bertin von Stadt Saint-Omer, schrieb um 1136 in seinen 'Annalen', daß die Gründer des Ordens auf den Rat der Fürsten des Kreuzfahrerheeres sich 'Gottes Tempel' und einer monastischen Lebensform und der Verteidigung der Heiligen Stätten verschrieben hätten. Die Chronique d'Ernoul, redigiert Ende des 12. Jahrhunderts, erzählt, wie jene, die man später 'Templer' nennen sollte, bereits seit der Eroberung Jerusalems 1099 Gefährten gesucht und bereits eine große Zahl gefunden hätten. Zunächst hätten diese Männer sich dem Prior der Heilig-Grab-Kanoniker unterstellt , und somit eine Art Bruderschaft gebildet, wie sie auch in Europa an vielen Kirchen und Klöstern durchaus üblich war. Später hätten sie jedoch den Rat des Königs von Jerusalem gesucht, als sie sich entschieden, 'zur Hilfe für das Land' doch die Waffen zu ergreifen und einen Meister zu wählen. Nach einer Beratung mit den geistlichen und weltlichen Fürsten seines Reiches habe König Balduin II. der kleinen Gemeinschaft dann 'Landbesitz und Burgen' gegeben und überdies erreicht, daß die Brüder von ihrer Unterstellung unter die Heilig-Grab-Kanoniker befreit wurden. Die Chronique d'Ernoul erwähnt weder Hugues de Payens noch einen anderen der von Wilhelm von Tyrus genannten Ordensgründer. Im Gegensatz dazu berichtet die Chronik von Michael dem Syrer, ebenfalls Ende des 12. Jahrhunderts abgefasst, wie Hugues de Payens im Jahre 1118 mit dreissig Gefährten nach Jerusalem gekommen sei, um dem König drei Jahre lang als Ritter zu dienen und sodann Mönch zu werden. Auf Bitten des Königs seien sie aber anschließend doch im Militärdienst verblieben, um die Pilger und Heiligen Stätten weiterhin zu schützen, und der König habe ihnen das "Haus des Salomo" als Wohnstätte gegeben. Der Engländer Walter Map schließlich, der seinen Bericht in den 80er oder 90er Jahren des 12. Jahrhunderts verfasst, meint, daß Hugues de Payens aus Burgund sich zunächst allein dem Schutz der Pilger an einer gefährlich gelegenen Pferdetränke gewidmet habe. Als die sarazenischen Überfälle an jenem Ort immer zahlreicher geworden seien, habe er sich Gefährten gesucht, die ihn bei der Aufgabe unterstützen sollten. Von den Kanonikern des Tempels hätten er und seine Gefährten eine Wohnstatt erhalten.

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Hugues de Payens und ein Gefährte vor König Baudoin II. Miniatur aus einer Handschrift der "Historia rerum in partibus transmarinis gestarum" des Wilhelm von Tyrus, 13. Jh. Paris, Bib. Nat., MS fr. 9081, fol. 132 (Bildquelle/Copyright: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France)

Man kann annehmen, daß die Wurzeln des Templerordens in einer Bruderschaft liegen, die den Kanonikern des Heiligen Grabes angegliedert war. Bruderschaften dieser Art waren in der Geschichte der Kirche nichts unbedingt neues. Sie standen in der Tradition der öffentlichen Buße, und ihre Mitglieder drückten durch ihr äußeres Erscheinungsbild aus, daß sie 'in der Welt' Buße taten, ohne durch eine Kirchenstrafe dazu verpflichtet worden zu sein. Dieser Bruderschaft von 'Kanonikalkonversen' am Heiligen Grab schlossen sich Hugues de Payens und Geoffroi de Saint Omer um 1118 an. Zumindest diese beiden Männer beschlossen, sich dem Dienst an den Pilgern zu widmen. Möglicherweise 1120 während des Konzils von Nablus wurde die kleine Gemeinschaft von ihren Verpflichtungen gegenüber dem Prior des Heiligen Grabes befreit, und -- wie Wilhelm von Tyrus berichtet -- leisteten die Männer ihre Gelübde vor dem Patriarchen von Jerusalem. Damit waren sie dessen Gerichtsbarkeit unterstellt. Die Ritter erhielten Schenkungen vom König und dem Patriarchen und bezogen einen Teil des alten Königspalastes, der den Namen 'Salomos Tempel' trug und zu dem die Kirche 'Heilige Maria vom Tempel' -- heute die Al Aksa-Moschee -- gehörte.Doch in der jungen Gemeinschaft gab es Probleme mit einer zugleich monastischen und kriegerischen Berufung, denn der Krieg, auch wenn er gegen die Feinde Christi erlaubt und verdienstvoll war, blieb für Ordensleute dennoch untersagt. König Baudoin II. regte Hugues de Payens an, sich mit Bernhard von Clairvaux in Verbindung zu setzen. Vielleicht hatte sogar der König selbst an Bernhard geschrieben und sich für die Templer eingesetzt. Auf jeden Fall reiste Hugues de Payens in Begleitung einiger Gefährten in den Westen. Er und der Abt von Clairvaux trafen sich einige Male. Vielleicht 1128 antwortete Bernhard in seinem Werk De laude novae militiae auf die drängenden Fragen der neuen Ordensgemeinschaft. 1128 wandte sich Hugues de Payens an den Papst, um die offizielle Bestätigung seiner Gemeinschaft zu erlangen. Die Angelegenheit wurde dem französischen Kardinal Matthäus von Albano übertragen, päpstlicher Legat in Frankreich und Vorsitzender eines geplanten Provinzialkonzils. Im Januar 1129 versammelte sich diese Synode in Troyes in der Champagne. Bernhard von Clairvaux befand sich unter den Konzilsvätern. Mit der Approbation ihrer vorgelegten Regel durch den Kardinal und das Konzil wurden die Templer ein anerkannter Orden.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Barber, M.: The origins of the Temple, in: Studia Monastica 12 (1970), 219-240.
  • Demurger, A.: Qu'est-ce que l'Ordre du Temple?, in: Templiers. De Jérusalem aux commanderies de Champagne (Ausstellungskatalog), Paris 2012, S. 19-25.
  • Flori, J.: Les racines lointaines de l'Ordre du Temple. L'èglise et la guerre, du pacifisme à la croisade, in: Templiers. De Jérusalem aux commanderies de Champagne (Ausstellungskatalog), Paris 2012, S. 29-33.
  • Hiestand, R.: Kardinalbischof Matthäus von Albano, das Konzil von Troyes und die Entstehung des Templerordens, in: Zeitschrift für Kirchengeschichte 99 (1988), 295-325.
  • Leclercq, J.: Un document sur les débuts des Templiers, in: Revue d'histoire ecclesiastique 52 (1957).
  • Melville, M.: Les débuts de l'ordre du Temple, in: Die geistlichen Ritterorden Europas, hrg. Fleckenstein, J. v., Berlin 1980.
  • Schnürer, G.: Zur ersten Organisation der Templer, in: Historisches Jahrbuch 32 (1911), 298-316 u. 511-146.
  • Sclafert, C.: Lettre inédite de Hugues de St.Victor aux chevaliers du Temple, in: Revue d'ascetisme et de mystique 34 (1958), 292-296.
  • Tommasi, F.: Pauperes commilitones Christi, Aspetti e problemi delle origini gerosolimitane, in: Militia Christi i Crociata nei secoli XI-XIII, 443-473.

 

 

Anklagepunkte

Der Arrestationsbefehl für die Templer, erlassen durch den französischen König Philipp IV. im September 1307, enthielt die ersten Anklagepunkte: während ihrer Professzeremonie sollen die Ordensbrüder dreimal Christus verleugnen, dreimal auf ein Kruzifix spucken, sich einen dreifachen Kuß erteilen auf "das Ende des Rückgrates", den Nabel und den Mund, sich mit ihrem Gelübde zur Homosexualität verpflichten und überdies hätten sie "Gott verlassen und Dämonen angebetet". Dies sind die Anschuldigungen, die das gesamte Mittelalter hindurch in literarischen und historischen Werken gegen die Moslems erhoben werden. Jene, so wurde behauptet, zwängen ihre christlichen Gefangenen, ihren Glauben zu verleugnen und auf das Kreuz zu spucken und praktizierten dies auch selbst. Diese Anschuldigungen gegen die Moslems in der Zeit der Kreuzzüge mögen zum Teil der historischen Wahrheit entsprechen -- die Anklage der Götzenverehrung ist jedoch rein legendär. Aber in zahlreichen Chansons de geste und hagiographischen Werken findet man "mohammedanische Götzen", zum Beispiel auch einen "Baphomet"! Das heißt, im Grunde beschuldigte König Philipp die Templer, Mohammedaner der Legende geworden zu sein. Man findet ausserdem Parallelen zwischen den gegen die Templer erhobenen Anklagepunkte und denen gegen Papst Bonifaz VIII., die ebenfalls auf Geheiß Philipps fabriziert wurden. Die Beschuldigung der unsittlichen Küsse stammt vermutlich aus dem Volksglauben, wo Erzählungen über Analküsse als Zeichen des Lehnseides an den Teufel im Umlauf waren. Aber vielleicht ist dieser Punkt auch eine einfache Verkehrung allgemeiner liturgischer Praktiken, die den Mundkuß und einen Kuß auf die Brust als Zeichen des Friedens kannten.

Arrestatationsbefehl des Königs (Zum Vergrößern bitte anklicken), Paris, Archives Nationales J 413, Nr. 22 (Bildquelle/Copyright: Paris, Archives Nationales)

Diese ersten Anklageartikel bildeten die Verhörgrundlage in den ersten beiden Verfahren des Prozesses. Philipp IV. hatte seinen Gendarmen befohlen, besonders auf dem Geständnis der Verleugnung Christi zu insistieren -- wenn nötig, mit Hilfe der Folter. Die Geständnisse der Templer aus diesen beiden Verfahren, zunächst vor den Beamten des Königs, dann vor der Inquisition, dienten als Grundlage für die Ausformulierung einer Liste von 88 Anklagepunkten, die 1308 für die Diözesankommissionen des dritten Verfahrens redigiert wurde. In dieser Liste findet man nun verschiedene Varianten für die Verleugnung, die Profanation des Kreuzes und, vor allem, die verschiedensten Beschreibungen des angeblichen Idols: dieses sei ein schwarzer Kopf; ein weisser Kopf; dann wieder ein Götze mit drei Gesichtern, einer mit vier Füßen, eine goldene Statuette.... Die Zeugen greifen bei ihrer Aussage offensichtlich auf Beschreibungen von Idolen zurück, die sie aus der Hagiographie, aus biblischen Erzählungen oder aus dem ikonographischen Programm von Kirchen kannten. So taucht ein dreiköpfiger Antichrist zum Beispiel in der französischen Bible Moralisée auf. Beschreibungen und Abbildungen von Idolen fnden sich auch in den mittelalterlichen Papstprophetien, die dem Mönch Joachim von Fiore zugeschrieben wurden: in diesem Fall handelt es sich um einen Kopf oder Büste eines bärtigen Mannes. Andere Beschreibungen orientieren sich an den zu dieser Zeit nicht seltenen Schädelreliquiaren. Die zweite Liste der Anklagepunkte enthält aber auch viele neue Beschuldigungen theologischer Art gegen die Templer, die den bischöflichen Kommissaren dabei helfen sollten, die angebliche Häresie der Ordensbrüder einzuordnen. Man findet hier zum Beispiel Fragen über den Glauben und die Sakramente der Kirche, insbesondere die Eucharistie. Fast in allen Fällen bekräftigen sowohl die externen Zeugen als auch die Templer selbst ihren Glauben an die Eucharistie, auch wenn sie im vorangehenden Zeugnis aussagen, sie hätten Christus verleugnet. Aber dieses Paradoxon wurde von den Kommissaren nicht weiter verfolgt. Erstmalig taucht in dieser zweiten Liste von Anklagepunkten auch der Vorwurf der Anbetung einer Katze auf, ein Element, das aus der deutschen anti-häretischen Tradition stammt.

Die 88 Artikel wurden in die Liste der päpstlichen Kommission des vierten Verfahrens übernommen und auf 127 Artikel mit weiteren "technischen" Fragen zu Art und Umfang der angenommenen Häresie erweitert.

Liste der 127 Anklagepunkte (Bildquelle/Copyrigth: Paris, BNF, Bulles des Papes, Procès des Templiers, Nr. 697. gallica.bnf.fr)

Andere Anklagepunkte gegen die Templer gibt der Historiker Dupuy im 17. Jahrhundert. Er gibt an, sie in einer Chronik von Saint-Denis gefunden zu haben, doch das Datum ihrer Komposition ist unbekannt. In diesen Artikeln finden sich folgende Vorwürfe: 1. Nachdem die Templer ihr Habit erhalten haben, verleugnen sie Gott und spucken auf das Kreuz, 2. sie beten ein Götzenbild an, 3. sie verrieten König Louis IX. (den späteren Heiligen) während des Kreuzzuges und lieferten die Stadt Akko dem Feind aus, 4. sie machten gemeinsame Sache mit den moslemischen Herrschern und verkauften die Christen, 5. sie hatten homosexuelle Beziehungen untereinander, 6. sie hatten sexuelle Beziehungen zu Frauen und rösteten die aus diesen Verbindungen stammenden Kinder über dem Feuer, um mit dem dabei gewonnenen Fett ihre Götzen zu salben, 7. sie banden ihre Gürtel um jene Götzen um sie zu weihen, 8. es war den Brüdern verboten, ein Haus zu betreten, in dem eine Entbindung stattfand und es war ihnen verboten, Kinder zu taufen. Die Artikel 1, 2, 5 und 7 der Liste von Dupuy entsprechen den aus dem Prozess bekannten Vorwürfen. Artikel 8 ähnelt einer Vorschrift aus der Ordensregel, die Patenschaften betrifft. Artikel 3 und 4 wiederholen alte Kritiken an der Ordenspolitik. Aber Artikel 6 ist in Zusammenhang mit den Templern vollkommen neu. Nichtsdestoweniger handelt es sich um einen alten legendären Vorwurf gegen häretische Gruppen aller Art. Er findet sich beispielsweise bereits in einer Erzählung des Jahres 1022 über angebliche Häretiker in Orleans. Und schon gegen die Christen im Alten Rom führte man den Vorwurf des rituellen Kindsmordes auf, ebenso wie später gegen die Juden in Mitteleuropa.

 

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Hergemöller, B.-U.: Vox de Templo. Die Verketzerung der Tempelherren, in: Hergemöller, B.-U.: Krötenkuss und Schwarzer Kater. Ketzerei, Götzendienst und Unzucht in der inquisitorischen Phantasie des 13. Jh.s, Warendorf 1996, 353-405.
  • Krüger, A.: Das Baphomet-Idol. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden, in: Historisches Jahrbuch 119 (1999), 120-133.
  • Lizerand, G.: L’affaire des Templiers, Paris 1923, Réedition Boulougne 1999, 41-48 (Übersetzung der Anklageartikel des Königs).
  • Mélanges historiques, ed. Port, C., Paris 1877, II, 441-445 (Artikel der Provinzialkommissionen)
  • Michelet, J.: Le procès des Templiers, Paris 1841, I, 89-96 (Artikel der päpstlichen Kommission).

 

Apulien

S. Italien-Süd

 

Aragon

s. Spanien

 

Architektur

Nicht alle Kirchen, die sich im Besitz der Templer befanden, wurden unter ihrer Leitung gebaut. Oft waren diese Kirchen bereits Teil der Schenkungen, die an den Orden ging. Der Großteil der Templerkirchen im ureignen Wortsinn sind auf einem rechteckigen einschiffigen Grundriss errichtet und haben einen flachen Chor (Gardeny, Mas-Deu, Perpignan in Katalonien, South-Witham in England etc.) oder einen apsidialen bzw. polygonalen Chor (Barcelona in Katalonien, Mücheln in Deutschland). Kirchen auf kreisförmigen oder polygonalen Grundriss sind eine Ausnahme! Trotzdem sind gerade sie es, die immer aufs Neue die Forscher und Esoterik-Begeisterten inspirieren. Der berühmte französische Architekt Viollet-le-Duc erklärte im 19. Jahrhundert quasi dogmatisch, daß es "in jeder Templerkomturei eine Rundkirche gibt". Selbstverständlich schrieb man daraufhin überall Zentralkirchen den Templern zu, oft ohne jegliches historische Fundament. So zum Beispiel die oktogonale Kirche von Montmorillon, die in Wahrheit eine Kapelle der Johanniter war oder die Rundkirche von Petronell in Österreich, die die Gründung einer lokalen Dynastie war. Die oktogonale Kapelle von Laon wurde demhingegen sicher unter den Templern errichtet -- doch ist sie nur eine Kopie der alten Friedhofskapelle St. Marie Madeleine, die sich ebenfalls in Laon befindent! Ebenfalls keine Templerkirche ist die berühmte Eunate auf dem Jakobsweg in Nordspanien: bei ihr handelt es sich um die Stiftung einer adligen Dame für ein Pilgerhospiz; die Urkunde, in der die Templer nicht erwähnt werden, existiert noch heute.

Uneinigkeit herrschte auch über das Modell, welches den Templern für ihre Zentralkirchen gedient haben soll. Man sah in ihnen Kopien des Heiligen Grabes von Jerusalem (Rundkirche mit drei Apsiden und Ambulatorium, bestehend aus 8 Säulen und 8 Pfeilern; in ihrem Zentrum die zunächst oktogonale, später runde Ädikula mit einem rechteckigen Zentrum) oder des Felsendomes, der zur Zeit der Kreuzfahrer den Namen "Templum Domini" trug (4 Pfeiler und 12 Säulen tragen eine Kuppel; ein oktogonaler Umgang führt um den heiligen Fels). Die europäischen Kirchen, die das Heilige Grab nachahmten waren keine exakten Kopien, aber fast immer findet man in ihnen die Zahlen 8 und 16, Sinnbild für die Ädikula, die Säulen und Pfeiler des Ambulatoriums. Dies ist beispielsweise der Fall bei Sankt Michael in Fulda, einer Heilig-Grab-Kirche des 9. Jahrhunderts, und in der Abteikirche von Charroux aus dem 11. Jahrhundert. Eine Imitation des Heiligen Grabes auf dieser Basis ist die Kirche der Templer in Tomar, Portugal. Die Kirche wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Der Innenraum offenbart ein Oktogon, umgeben von einem Ambulatorium mit 16 Seiten.

Eine Seltenheit sind die Heilig-Grab-Kirchen, die die Zahl 12 in ihren Grundriß aufnehmen: S. Stefano in Bologna aus dem 13. und 14. Jahrhundert zum Beispiel. Die Kirche in Segovia, die dem Heiligen Kreuz geweiht ist (und fälschlicherweise auch oft als Templerkirche bezeichnet wird), besteht aus zwei Etagen mit Ambulatorium auf zwölfseitigem Grundriß. Sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als Kopie des Heiligen Grabes von Jerusalem erbaut, wie es ein Papstbrief ausdrücklich sagt -- trotz der offensichtlichen architektonischen Unterschiede.

Die älteste Zentralkirche der Templer ist der "Old Temple" von London, errichtet um 1135: eine Rotunde unter dem Patrozinium der Heiligen Maria. Der Konstruktionsplan wurde um 1160 beim Bau des "New Temple" in London wieder aufgenommen. Der "New Temple" war zunächst eine Rotunde mit zwölf Seiten und einer sechsfachen Säulenstellung im Innenraum.1240 wurde jedoch ein rechteckiger Chorraum angefügt -- offenbar genügte ein Zentralbau den religiösen Erfordernissen nur bedingt. Auch der "New Temple" stand unter dem Patrozinium der Heiligen Maria, Patronin des Ordens. Andere Templerkirchen in England folgten dem Vorbild der Hauptkirche in London: Bristol, nach 1150; Aslackby, um 1164; Garway, um 1180 -- die Anzahl der Stützen ist in diesen drei Kirchen aufgrund von Zerstörungen oder Umbauten leider nicht mehr zu rekonstruieren --; Temple Bruer, um 1186: eine Rotunde mit 8 Säulen -- die Zahl ist eine Inspiration der Johanniterkirche von Clerkenwell!--; und schliesslich Dover, um 1185, mit 6 Säulen. Der Plan einer Rotunde mit 6 Säulen wurde selbst von den Johannitern in ihrer Kirche von Little Marplestead übernommen. Aber die berühmteste Nachfolgerin des Londoner "New Temple" war die Templerkirche von Paris, erbaut um 1160. Der "Temple" von Paris reproduziert den Grundriss der Londoner Kirche bis ins Detail: eine zwölfseitige Rotunde mit 6 Pfeilern im Innenraum. Anfang des 13. Jahrhunderts fügte man einen rechteckigen Chorraum an, und Ende des 13. Jahrhunderts erweiterte man diesen Chor noch mit einer Apside. Ein polygonaler Bau war möglicherweise auch die Kirche der Komturei von Perpignan - es existiert hier nur eine Zeichnung aus dem 17. Jahrhundert. Der letzte zentrale Kirchenbau der Templer wurde im Heiligen Land errichtet, in der Festung des Château Pélerin zu Anfang des 13. Jahrhunderts. Die heute zerstörte Kapelle hatte einen polygonalen Grundriss, wahrscheinlich mit zwölf Seiten. Sie war nur ein Anbau an der rechteckigen Konventskirche der Festung.

In den Grenzgebieten christlicher Herrschaft, wie dem Heiligen Land, den spanischen Königreichen und Portugal, wurden unter der Ägide der Templer auch Burgen gebaut, bzw. bestehende Befestigungen weiter ausgebaut. In dieser Militärarchitektur nahmen sie Entwicklungen sowohl des Burgenbaus aus Europa als auch Palästina auf.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Generell:
    • Lambert, E.: L'architecture des Templiers, Paris 1955.
  • England:
    • Eyre-Morgan, G.: Temple Newsam preceptory excavations 1989-1991, dans: Medieval Yorkshire 21(1992), 11-14.
    • Gervers, M.: Rotundae Anglicanae, dans: Actes du XXIIe Congrés internantional d'Histoire de l'Art, Budapest 1972, 359-376.
    • Hope, St. J.: The Round church of the Knights Templars at Temple Bruer, dans: Lincolnshire Archaeologia 61 (1908), 177-198.
    • Minos, P. J. D.: The Knights Templars chapel at Garway, dans: The Reliquary and Illustrated Archeologist 1899, 193-198.
    • Ritoók, P.: The architecture of the Knights Templars in England, dans: The Military Orders I, ed. Barber, M., Cambrigde 1994, 167-178.
  • Spanien:
    • Castán Lanaspa, J.: Arquitectura templaria castellana-leonesa, Universidad de Valladolid 1993.
    • Fuguet Sans, J.: L’arquitectura dels Templers catalans, dans: L’Avenc 161 (1992), 62-67.
    • Fuguet Sans, J.: L’arquitectura de les capelles templeres à la Catalunya Nova, dans: Aplec de Treballs 9 (1989), 5-51.
    • Fuguet Sans, J.: L'arquitectura dels Templers a la Catalunya Nord, dans: Les Templiers en pays catalan, Perpignan 1998, 161-213.
    • Fuguet Sans, J.: Templers, trobadors i càtars: Les pintures de Sant Martí de Puig-Reig, dans: L'Avenc 148 (1991), 8-15.
  • Osteuropa:
    • Radecki, Z.: Poczatki architektury na Pomorzu Zachodnim, in: Sztuka pobrzeza Baltyku, Warszawa 1978, 102s.
  • Frankreich:
    • Gras, P.: L’ancienne église du Temple de Châlon, dans: Mémoires de la societé d’histoire et d’archéo-
      logie de Châlon-sur-Saône 32 (1947), 32-40.
    • Lambert, E.: L’église des Templiers à Laon, dans: Revue archéologique Serie V, 24 (1926), 224-233.
    • Simonin, P.: Quatre chapelles du Temple en Lorraine (Libdeau, Xugney, Marbotte, Norroy), dans: Pays lorrain 73,1 81992), 15-26.
    • Thibout, M.: A propos des peintures murales de la chapelle Sainte-Catherine de Montbellet, dans: Bulletin Monumental 108 (1950), 85-89.
    • Voltz, E.: La chapelle Templière de Metz, dans: Congrès archéologique de France 149 (1995), 517-524.
  • Italien, Mittelmeerraum:
    • Cadei, A.: Architettura sacra templare, dans: Monaci in armi. L'architettura sacra dei Templari attraverso il Mediterraneo, Florence 1995, 15-173.
  • Hl. Land:
    • Pringle, D.: Templar castles on the road to the Jordan, dans: The Military Orders, 148-166.

 

Archive der Templer (Zentralarchiv)

Der Verbleib des zum Zeitpunkt des Prozesses auf Zyprn befindlichen Zentralarchiv des Ordens ist in der Forschung umstritten. Am wahrscheinlichsten ist - wozu jüngste Forschungen tendieren - sein Verbleib in Zypern selbst, wo es im 16. Jahrhundert bei der türkischen Eroberung der Insel vernichtet wurde. Einige Provinzialarchive haben jedoch in den europäischen Archiven überlebt. Einzelne Niederlassungen betreffende Urkunden haben sich aber auch in den Archiven von Geschäftspartnern bzw. juristischen Gegnern des Ordens erhalten, wurden über Archive der Landesherrn oder der Rechtsnachfolger – die Johanniter – tradiert. Gerade durch die Güterübertragung an die Johanniter wissen wir von zahlreichen ehemaligen Templerniederlassungen. Die Quellenlage zu den Templern ist daher nicht so schlecht, wie manche sensationslüsterne Autoren Glauben machen wollen, die von einer zielstrebigen Vernichtung der Templerarchive sprechen.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Barber, Malcolm. Die Templer. Geschichte und Mythos. Berlin 2015, 275-277.
  • Bramato, Fulvio: Il mito degli archivi templari perduti e la teoria esoterica dell' inutilità die documenti. In: Giordano, Giuseppe/Guzzo, Cristian (Hg.). Pavalon. Laboratorio di studi templari per le Provincie meridionali. Atti secondo convegno nazionale sul tema: Terra d'Otranto: Templari fra Occidente e Terra Santa. Manduria 2002, S. 31-39.
  • Carraz, Damien: L'Ordre du Temple dans la basse vallée du Rhône, 2005.
  • Sarobe, Ramon: Els Templers, de la realitat al mite, in: Ausstellungskatalog Templers. Guerra i religiò a l'Europa de les croades, Museu d'Historia de Catalunya, 2017, S. 35.

 

Arcis, Henri d' (Templer, Poet)

Henri d'Arcis war Ordensbruder in der englischen Niederlassung von Temple Bruer im 13. Jhd. Er nennt sich als Autor einer französischen Fassung der "Vitae Patrum", einer im Mittelalter weit verbreiteten Sammlung von Lebensbeschreibungen und monastischen Tugenden der Väter des Mönchtums. Fast jedes Kloster besaß eine Abschrift, nachdem bereits Benedikt von Nursia in seiner Ordensregel die Lesung aus den "Vitae Patrum" anempfohlen hatte.

"Zur Ehre des Herrn des Allmächtigen, Maria seiner lieben Mutter, und allen Heiligen", Anfang der französischen "Vitae Patrum von Henri d'Arcis, der in Zeilen 6-8 als Mitglied der Niederlassung von Temple Bruer vorgestellt wird (Bildquelle/Copyright: Paris, BNF, MS fr. 24862, fol. 64r. gallica.bnf.fr)

Quelle
Paris, Bibl. Nationale de France, MS fr. 24862, ab fol. 64r

 

 

Arima (=Al-Arima, Syrien)

Die Burg lag 15 km südwestlich von Chastel Blanc an der Küste. Die Ruinen wurden noch nicht ausgegraben und archäologisch untersucht. Es scheint sich aber um ein rechteckiges Kastell mit Rechtecktürmen gehandelt zu haben, das durch zwei Vorburgen ergänzt war.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 72.

 

Armand de Perigord

Siehe Périgord, Armand de

 

Assassinen

Sowohl Walter Map als auch Wilhelm von Tyrus erwähnen einen Zwischenfall, der sich1173 im Königreich Jerusalem ereignete: König Amalric von Jerusalem hatte offenbar Vorbereitungen für eine Allianz mit dem Oberhaupt der moslemischen Sekte der Assassinen getroffen. Wilhelm von Tyrus gibt an, die Assassinen hätten versprochen, den christlichen Glauben anzunehmen. Nach Walter Map hatte das Oberhaupt der Sekte sich nach Lesen eines vom Patriarchen von Jerusalem übersandten Evangeliums zu diesem Schritt entschlossen. Beide Chronisten berichten, dass der Abgesandte der Assassinen auf der Rückreise in sein Territorium in einen Hinterhalt der Templer geriet und dabei ums Leben kam. Wilhelm von Tyrus nennt den Templer Gautier de Mesnil als Mörder des Gesandten. Nachdem der damalige Ordensmeister Odo de Saint-Amand die Übergabe des Schuldigen verweigerte, ließ König Amalric den Schuldigen entführen und in Tyrus einkerkern. Beide Chronisten werfen den Templern vor, aus Habgier und ohne Rücksicht auf den christlichen Glauben gehandelt zu haben, da ein etwaiger Frieden sie der bis dato geübten Tributzahlungen der Assassinen beraubt hätte und auf lange Sicht sogar ihre Präsenz im Heiligen Land in Frage gestellt hätte.

Die Beweggründe der Assassinen, sich um eine Allianz zu bemühen, wie die Hintergründe des von den Templern geführten Überfalls sind in der Forschung bis heute unklar. Ein geplanter Übertritt der Assassinen zum Christentum scheint unwahrscheinlich. Möglicherweise wollten sie sich in kommenden Konflikten aber ihre Neutralität sichern. Die Templer wiederum waren vielleicht um die Glaubwürdigkeit ihrer Organisation besorgt, falls in Europa ihre Untätigkeit bei derartigen Paktierungen mit "Ungläubigen" bekannt würde.

Nach Amalrics Tod 1174 wurden jedenfalls von seinen Nachfolgern keine neuen Verhandlungsvorstöße gewagt.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur:
Barber, M.: Die Templer. Geschichte und Mythos, Berlin 2015, S. 116-118.

 

Asti (Komturei, Italien)

Das Ordenshaus von Asti bestand zweifellos bereits für einige Zeit, als 1203 hier ein Provinzkapitel abgehalten wurde - das Datum der ersten Erwähnung der Komturei. Die Niederlassung hatte eine bedeutende Stellung innerhalb des Ordens in Nordwestitalien inne. Die Beziehungen zur städtischen Regierung von Asti waren sehr eng. Hierzu trug auch die Person Rolando Bergogninos bei, Mitglied der städtischen Oligarchie, Inhaber einiger bedeutender Positionen in der kommunalen Regierung und schließlich Templerkomtur. Die Zusammenarbeit ging offenbar soweit, dass die Templer von Asti den Verkauf ihrer Immobilie in Gorra an die Stadt Chieri - eine Verbündete Astis - favorisierten, entgegen der Interessen des Ordens. Auch im Streit der Templer von Asti mit dem Bischof von Albenga 1224 stellte sich ein bedeutender Vertreter der Stadt auf die Seite des Ordens. Auch für die Stadt wichtige Verträge wurden im Templerhaus besiegelt. 1251 wollte der Orden eine Niederlassung in Murello der Stadt übereignen, wurde aber durch päpstlichen Befehl daran gehindert.

Die Komturei befand sich im Distrikt La Vittoria, außerhalb der Porta Arco, an der Straße Richtung Lombardei. Die Kirche war der Hl. Maria geweiht. Die Niederlassung und ihre zugehörigen Besitzungen gingen nach 1312 an die Johanniter.

Komture (nach Bellomo):

~1244 Bianco da Pigazzano
~1268-1271 Alberto di Canelli
~1285 Federico de Bargiis


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bellomo, Elena: The Templar Order in North-West Italy, 2007, S. 299ff.

 

Athlit

Siehe Château de Pélerin

 

Augsburg (Komturei?, Deutschland)

Der Name der Stadt geht auf die römische Siedlung Augusta Vindelicorum zurück, die 15 v. Christus unter dem römischen Kaiser Augustus gegründet wurde. Damit gehört Augsburg mit zu den ältesten Städten Deutschlands. Der Templerorden ließ sich wahrscheinlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Augsburg nieder, wo sie bei der Hl.-Grab-Straße ein Kloster und eine Kirche errichteten. Das Ordenshaus war offenbar sehr vermögend und besaß eine eigene Bibliothek. Im Stadtarchiv Augsburg konnten bisher keine Archivalien zur Komturei des Templerordens in Augsburg ermittelt werden. Da 1313 der Besitz der Augsburger Templer (Kirche und Kloster zwischen Vorderem Lech und Predigerberg gelegen) an die Dominikaner überging, wäre es aber möglich, dass in den Unterlagen zu den Dominikanern in Augsburg Informationen enthalten sind. Im östlichen Schwaben scheint Augsburg die einzige Niederlassung der Templer gewesen zu sein. Bekanntlich wurde 1312 die Aufhebung der Ordensgemeinschaft auf dem Konzil von Vienne beschlossen, so erfolgte auch die Auflösung der Augsburger Niederlassung, der Besitz ging durch Bischof Spät von Faimingen an die Dominikaner über. Die Übernahme des Besitzes der Templer durch die Dominikaner ist eine Augsburger Besonderheit. Es liegt auch die Vermutung nahe, dass die Dominikaner von den Tempelherren eingeführt und mit der Besorgung des Gottesdienstes und der Seelsorge beauftragt worden sind, da ihr erstes Kloster sich an die Kirche und Wohnung der Tempelherren anschloss. Die letzte Erinnerung an die Zeit der Tempelherren hielt noch im Jahr 1759 ein unter der steinernen Treppe im Kreuzgang angebrachter Grabstein fest, der die eingemeißelte Aufschrift "F. Fridericus Zipelins" trug und einen mit Mantel und zwei Schwertern bekleidete Rittergestalt zeigte. Dies bestätigt den Vorbesitz des Templerordens und deren im Kreuzgang unter der steinernen Treppe gelegene Grabstätte.

Artikel von: F. Sengstock

 


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Layer, A.:"Der Templerorden in Schwaben", in "Schwäbische Blätter für Heimatpflege und Volksbildung 21/1970" , Seite 70 f.
  • "Geschichte des Dominikanerklosters St. Magdalena in Augsburg", Vechta 1936, in "Quellen und Forschungen zur Geschichte des
    Dominikanerordens in Deutschland" 33. Heft von P. Dr. Polykarp.
  • Schüpferling, M.: Der Tempelherren-Orden in Deutschland, Bamberg 1916.
  • Siemer, M. O. P.: "Geschichte Schwabens bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts", in: "Handbuch der Bayerischen Geschichte - 3. Band 2. Teilband,
    München 2001.

 

Aurschinewes (=Uhříněves, Komturei, Tschechien)

Aurinowes (Aurzimowes, Aurschinewes) ist die deutsche Bezeichnung für einen heutigen Prager Stadtteil. Wann die Templerkomturei hier entstand, ist nicht feststellbar. Das erste Mal urkundlich erwähnt wird die Niederlassung in einer Schenkungsurkunde 1292, mit der Gräfin Maria von Hardek, verwitwete Frau von Neuhaus, und deren Sohn Ulrich das Patronatsrecht der Kirche zu Stodolek bei Prag den Templern zu Aurinowes schenken. Die Gabe wird durch den Erzbischof von Prag ratifiziert.

Über das weitere Schicksal dieser Kommende und ihrer Güter ist nichts bekannt. Jedoch kann man wohl von einem Übergang an die Johanniter ausgehen. Dies kann aus der allgemeinen Verfügung des Papstes Johannes XXII. geschlussfolgert werden. Gemäß seiner Bulle vom 21.07.1317 beauftragt er den Johannitermeister von Böhmen, Polen, Östereich und Mähren für zehn Jahre den in seiner Ordensprovinz weilenden ehemaligen Templern gewisse Einkünfte zur Verfügung zu stellen.

Komture von Aurinowes:

~1295 Ekko (Anton, Anhang II), gleichzeitig Komtur von Scheikwitz

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Anton, Karl Gottlob: "Versuch einer Geschichte des Tempelherrnordens", Leipzig 1781.
  • Emler, Joseph: "Regesta diplomatica nec non epistolaria Bohemiae et Moraviae" Prag 1882 - 1892.
  • Melichar, Jaroslav, alias Böhmischer Templer: Templáří v zemích českých králů - ČECHY (Die Templer in den Ländern der tschechischen Könige), Verlag MH Beroun, 2009
  • Pelzel, Franz Martin: "Beiträge zur Geschichte der Tempelherren in Böhmen und Mähren" Prag 1798.
  • Schüpferling, M.: "Der Tempelherren- Orden in Deutschland", Bamberg 1915.

 

Avalleur (Komturei, Frankreich)

Diese Niederlassung befand sich in der Champagne, in der heutigen Gemeinde von Bar-sur-Seine. Sie ist seit 1172 sicher bezeugt - in diesem Jahr werden den Ordensbrüdern von Avalleur Ländereien in Polisot übereignet. M öglicherweise waren aber bereits 1167 Templer vor Ort. Es handelte sich um eine typische ländliche Komturei, deren Mitglieder (wohl nicht mehr als 5 Templer) und Dienstleute sich mit der Bewirtschaftung der Felder, dem Weinberg, sowie der Viehzucht beschäftigten. Zum Zeitpunkt des Prozesses gab es keine Ritterbrüder mehr in Avalleur. Die Kapelle wurde durch einen Weltpriester bedient.

Ab der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde eine Dependance in Buxières errichtet, wo sich ebenfalls eine Kapelle befand. Die Einkünfte dieses Besitzes sollten der Absicht des ursprünglichen Schenkers gemäß zu gleichen Teilen an die Templer und die Abtei von Mores gehen - was zu einer Quelle beständiger Konflikte wurde. Anfang des 14. Jahrhunderts lagen die Besitzungen in einem 25 - 30 km verstreuten Radius um die Komturei. Dazu gehörten Mühlen, Weiden für die Zucht von Schafen und Waldgebiete für die Zucht von Schweinen. Aus den Gemeinden von Arrelles, Lingey, Villiers-Merderel und Buxières ging überdies der Zehnte an die Templer. Noch im Jahr 1300 erfolgte die Schenkung der Gerichtsbarkeit und der Einkünfte von Serre-lès-Montceaux, Saint-Parres, Courgelains sowie der Vogtei von Isle.

Nach der Aufhebung des Ordens verfielen die Bauten. Heute noch sichtbar ist die der Hl. Maria Magdalena geweihte einschiffige Kapelle mit plattem Chorchluss aus dem 13. Jh., sowie ein unterirdisches Gewölbe und eine Zisterne. Die übrigen Gebäude stammen aus der Johanniterzeit.

Kapelle von Avalleur (Bildquelle/Copyright: Christophe Finot, Wikimedia Commons)

 

Komture:

~1307: Humbert

 
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Website

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Alanièce, V., Gilet, F.: Les Templiers et leur commanderies. L'exemple d'Avalleur en Champagne, Langres 1995.
  • Baudin, Arnaud, Brunel, Ghislain, Dohrmann, Nicolas (Hrsg.): Templiers. De Jérusalem aux commanderies de Champagne (Katalog), Troyes-Paris 2012, S. 112-127 u. S. 272f.
  • Leroy, Thierry: Hugues de Payns, chevalier Champenois, Fondateur de l'Ordre des Templiers, Troyes 2001.