Sable, Robert de (M)

Robert de Sablé stammte aus dem Anjou und tat sich mit zahlreichen Schenkungen und Stiftungen hervor, unter anderem gründete er das Prämonstratenserkloster Le Bois-Renou. Er war Admiral des englischen Königs Richard Löwenherz und kam mit ihm ins Heilige Land auf dem III. Kreuzzug. 1191 trat er in den Templerorden ein und wurde noch im selben Jahr zum Meister gewählt. Er kaufte Zypern von König Richard, doch die Templer scheiterten an der Inbesitznahme der Insel und waren gezwungen, sie wieder zu verlassen. Robert de Sablé bemühte sich unter anderem, die Genuesen und Pisaner zu versöhnen, die ihren Krieg auch in den Orient getragen hatten. Er starb 1193.

 

Safed (=Zefat, Burg + Komturei, Israel)

Die Ruinen der Burg Safed befinden sich in Galiläa, auf einem Bergrücken in napp 900 m Höhe. Die Burg wurde ab 1102 von Kreuzfahrern errichtet, und 1168 durch den damaligen König von Jerusalem Amaury und den Templern durch Kauf erworben. 1188, nach der Schlacht von Hattin, fiel der Platz an Saladin und wurde zerstört, aber gemäß einer Übereinkunft mit dem dem Herrscher von Damaskus 1240 an den Orden retouriert. Ab 1240 erneuerten französische Templer unter Einsatz muslimischer Kriegsgefangener die Burg, unter finanzieller und ideologischer Hilfe durch Bischof Benoît d'Alignane von Marseille, der die Ruinen auf einer Pilgerfahrt besucht und sich von der strategischen Bedeutung der Burg überzeugt hatte.

Die anonyme Schilderung "De constructione castri Saphet", geschrieben in den 60er Jahren des 13. Jahrhunderts von einem Gefolgsmann besagten Bischofs berichtet, daß zunächst der auf Kreuzzug befindliche Graf der Champagne und König von Navarra Theobald IV. und weitere Adlige den Templern eine große Summe Geldes sowie personelle Ressourcen zum Wiederaufbau der Befestigungen versprochen hatten, diese Zusagen jedoch nicht einlösten. "De constructione" enthält eine detaillierte Beschreibung der Bauaktivitäten und der fertigen Konstruktion, die in Friedenszeiten auf 1700 Leute, in Kriegszeiten auf 2200 beherbergen sollte. Davon waren 50 Ritterbrüder der Templer, 30 Servienten, 50 Turkopolen, 300 Armbrustschützen vorgesehen. Safed lag in einem fruchtbaren Landstrich, und zur Burg gehörten über 250 kleinere Siedlungen des Umlandes, Weiden, 12 Wassermühlen und einige Windmühlen im Inneren des befestigten Areals. Das Festungsareal hat eineLänge von 300 m und ist bis zu 170 m breit. Am höchsten Punkt des Geländes, im Südosten, stand der Wehrturm mit über 30 m Durchmesser und 12 m starken Mauern. In ihm befand sich auch die Zisterne.

Die Templer hielten die Burg im Besitz bis zur Belagerung von 1265 durch Sultan Baibars. Jener versprach den Templern freien Abzug, hielt sein Wort aber letztlich nicht: die gesamte Besatzung wurde umgebracht, sobald sie das befestigte Areal verließ. Laut dem "Maius Chronicon Lemovicense" starben dabei 3000 Unbewaffnete und 150 Angehörige des Templerordens.

Die Reste der Burg wurden durch ein Erdbeben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis auf wenige unterirdisch gelegene Räume zerstört. Alte Beschreibungen sowie archäologische Grabungen erlauben aber eine virtuelle Rekonstruktion der Anlage.

Die Ruinen der Burg von Safed heute (Bildquelle/Copyright: Wikimedia Commons)

Frale (2009) behauptete in ihrem Buch über die Templer und das Grabtuch von Turin, dass eine arabische Quelle aus dem 13. Jahrhundert von einem templerischen Idol, einem "Basrelief eines bärtigen Mannes im Kapitelsaal der Festung von Safed" berichte - was infolge als Abbild des Grabtuches Christi gedeutet wurde. Die moderne Edition des besagten muslemischen Chronisten Al-Nuweyri, der die Rückeroberung Safeds durch Sultan Baibars schilderte, zeigt aber zweifelsfrei auf, dass es sich bei dem von den Muslimen angeprangerten 'Idol' um eine Statue des Heiligen Georgs handelte. Für einen streng gläubigen Muslim waren alle Elemente und Gegenstände des christlichen Kultes Zeichen der Idolatrie, da der Islam bekanntlich keine Abbilder gestattete. Und der Text spricht eindeutig von "Aba Jurj" - eben dem Hl. Georg.

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Kessler, H. W., Kessler, K.: Ritter im Heiligen Land. Kreuzfahrerstätten in Israel, Mainz, 2013.
  • Nicolotti, A.: I Templari e la Sindone, storia di un falso, Rom 2011, S. 72ff.

 

 

Safitha (=Castel-Blanc, Komturei, Syrien)

s. Chastel Blanc

 

Sagen

Es gibt in Europa zahlreiche Orte, an denen Sagen mit Templern lokalisiert werden können. Häufig wiederkehrende Motive sind die Gefangennahme und der Tod von Templern im Rahmen des Prozesses (wobei es sowohl die Variante von "unschuldigem Opfer" als auch von "verdientem Ende" gibt), geisterhaften Erscheinungen, verborgene Schätze und Teufelsbündnisse. Manche Sagen bestehen nur in der Zuschreibung bestimmter Gebäude an den Templerorden, oft wegen der Anwesenheit bestimmten Bauschmucks wie "Köpfe" oder "Kreuze". Es sind auch Wandermotive auszumachen. Einige Beispiele:

Teufelsbündnisse: Der Erbauer des Schlosses Malbrouch/Meinsberg (Lothringen), Arnold von Sierck, soll ein Templer gewesen sein, der dem Teufel seine Seele für Reichtum und Hilfe beim Bau verpfändete. Allerdings lebte der Bauher rund 100 Jahre nach dem Ende des Ordens. In Wehrendorf (NRW) sollen sich die Templer jährlich zusammen gefunden und dem Teufel geopfert haben.

Sagen über das Ende der Templer: In Bestenheid (Baden-Württemberg) sollen geflüchtete Templer ein Ordenshaus errichtet und dort noch nach Ende des Ordens gelebt haben. In Heinde (Niedersachsen) soll ein Templer aus dem dortigen Ordenshaus geflüchtet sein und später im Paulinerkloster in Hildesheim gelebt haben. Auf der Burg Lahneck (Rheinland) sollen sich zwölf Templer vor den Truppen des Mainzer Erzbischofs verschanzt haben, im Endkampf umgekommen sein. Alle zwölf lägen im Burghof der Ruine begraben. In Eibenstein (Österreich) soll ein Templer versucht haben, seine Feinde zu täuschen, indem er die Hufeisen verkehrt herum aufschlug. In Mödling (Österreich) soll der Burgherr Eckard Bruno die Templer in der Krypta der Marienkirche gefoltert und schließlich getötet haben. In Aachen soll das dortige Templerhaus in der Erde versunken sein, nachdem die Brüder ermordet worden waren. Einmal im Jahr tauchen sie aus dem nahen See als Geister auf und fordern Rache, ziehen aber zuweilen auch junge Mädchen in den See.

Eine alte Ansichtskartekarte und ein Gemälde von Emil Krupa-Krupinski, ebenfalls auf einer Ansichtskarte, von 1899 illustrieren die Sage von Lahnecks letztem Templer

Schätze: In Deiningen (Bayern) sollen Templer Schätze versteckt haben und den "Pyramidenturm" auch als Geister heimsuchen.

Auch um einzelne Ordensmitglieder ranken sich Legenden und Sagen: die bekannteste dürfte Jacques de Molays Verfluchung des französischen Königshauses sein, die bereits mittelalterliche Ursprünge hat. Der deutsche Provinzmeister Friedrich von Alvensleben wird in Legenden als frommer Kämpfer gegen die Ungläubigen geschildert.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Grässe, J. G. Th.: Sagenbuch des Preußischen Staates, Bd. II, Nr. 65.
  • Lohmeyer, K.: Die Sagen der Saar, 1964, S. 382.
  • Calliano, C.: Österreichischer Sagenschatz, Bd. II, S. 42, 98, 122f.
  • Pröhle, H.: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Für die Jugend. Berlin: Tonger und Greven 1886. Die Tempelherren auf der Burg Lahneck

 

 

Saint-Amand, Odo de (M)

Odo de Saint Amand war Vasall des Königs von Jerusalem, ab 1156 sein Marschall und ab 1160 Vizegraf von Jerusalem und Vertrauensmann des Königs. Er trat zwischen 1167 und 1171 dem Templerorden bei. 1171 wurde er zum Meister gewählt. Mit Odo de Saint Amand begann die Zeit der politischen Unabhängigkeit des Ordens gegenüber dem König von Jerusalem; dies zeigen die Differenzen des Meisters mit König Amaury I. 1177 nahm Saint Amand mit 80 Rittern am Feldzug Baudoins IV. gegen Saladin teil. Nach einem Augenzeugen war es sein Mut, der den Sieg der Christen bei Montgisard entschied. Während seiner Amtszeit wurde die Burg von Le Chastelez erbaut. Odo de Saint Amand wurde von Saladin während der Schlacht von Maj Ayun 1179 gefangengenommen. Er starb im selben Jahr in Gefangenschaft. Seine Handlungen zeigenihn als einen Mann mit administrativer und militärischer Erfahrung, an der Seite des Königs von Jerusalem, aber auch bewußt der Würde seines Ranges. Das Urteil Wilhelms von Tyrus über ihn ist nicht objektiv.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bulst-Thiele, M. L.: Sacrae Domus Militiae Templi Hierosolymitani Magistri, Göttingen 1974, S. 87-98.


Saint-Etienne de Renneville (Komturei, Frankreich)

Die Niederlassung befindet sich in der heutigen Gemeinde Saint-Colombe-la-Commanderie im Département Eure. Es war eine der beduetendsten Komtureien der Templer der Region. Dependancen befanden sich unter anderen in Puthenay, Pont-de-l'Arche, Evreux und Neubourg. Auch einige Kirchenpatronate gehörten zu Saint-Etienne de Renneville. Die Häuser von Brettemare und Beaulieu, zu Johanniterzeit Unter-Komtureien, waren zu Templerzeit vielleicht selbständige Niederlassungen.

Der Grundstock der Niederlassung gelangte mit einer Schenkung Richard d'Harcourts, Herr von Renneville, Mitte des 12 Jh.s in die Hände des Ordens. Im Jahre 1200 bestätigt Robert d'Harcourt die Schenkung seines Onkels und übereignet ihnen zusätzlich die Kirche von Tilleul-Lambert mit ihrem zugehörigen Landbesitz, sowie das Lehen von Puthenay. Neben der Familie Harcourt, zeichneten sich die Harenc durch große Wohltätigkeit aus. Bis in die zweite Hälfte des 13. Jh.s folgten weitere Schenkungen; die Domäne wurde aber, vor allem ab der zweiten Hälfte des 13. Jh.s, auch durch Ankauf und Gütertausch vergrößert und bereinigt. Die noch erhaltenen Urkunden weisen den Höhepunkt der Schenkungen in die Jahrzehnte von 1210 bis 1240. Zu Beginn des 14. Jh.s besaß die Komturei, inklusive der Dependancen, Land von ungefähr 520 ha.

Zum Zeitpunkt der Verhaftung der Templer 1307 waren außer dem Komtur vier weitere Ordensbrüder in diesem Haus. Auch Saint-Etienne de Renneville gelangte nach Auflösung des Templerordens in den Besitz der Johanniter.

Das Versprechen, den Templern eine dem Hl. Stephan geweihte Kapelle zu errichten, gehörte bereits zur ersten Schenkung Richard d'Harcourts. Im Laufe des 13. Jh.s wurde diese ursprüngliche Kapelle erweitert oder neu errichtet: archäologische Funde zeigen ein großes Langhaus mit sechs oder gar sieben Jochen und halbrunder Apsis. Auf den Fenstern der gotischen Kirche befanden sich diverse Templerdarstellungen, die noch 1726 im Mercure de France vermerkt wurden. Während der Revolution wurde die Kapelle komplett zerstört.

Lage der Kapellen der Komturei, sichtbar im nahen Ackerboden. Der erste Bau befand sich im östlichen Bereich, war nur etwa halb so lang und hatte offenbar einen flachen Chorschluß. Der zweite Bau wurde direkt auf dem Standort der ersten Kapelle errichtet. Der runde Grundriss rechts im Bild gehört zu einem Taubenschlag. (Bildquelle/Copyright: Miguet, Templiers et Hospitaliers, S. 315)

Neben der Kapelle besaß die Komturei noch ein großes doppelstöckiges Konventsgebäude, im 18. Jh. genannt 'Le Vieul Harcourt' - wa wahrscheinlich macht, das es aus Templerzeit stammt und sogar Teil der urpsrünglichen Schenkung war. Erstmalig erwähnt im 15. Jh., war es schon Mitte des 18. Jh.s nicht mehr existent. Die gesamte Niederlassung war ummauert. Die heute noch erhaltene Scheune stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Komture:

um 1307: Guillaume Bouchel, Servient


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Miguet, M.: Templiers et Hospitaliers en Normandie, 1995, S. 289-333.

 

 

Sainte Eulalie (Komturei, Frankreich)

Raimond, Abt des Klosters Saint-Guilhelm-le-Désert, übertrug den Templern 1151 die Kirche von Sainte Eulalie gegen eine jährliche Rente von 80 Sols Melgorien und 6 Käse. Weitere Schenkungen von lokalen weltlichen Adligen, aber auch von Äbten und Bischöfen der näheren Umgebung, folgten in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. 1159 schenkte Raymond Berengar, König von Aragon und Graf von Barcelona, dem Orden die Stadt Sainte Eulalie und all seine weiteren Besitztümer und Rechte im Larzac. Dies gab den Templern die Möglichkeit, im Gebiet eigene Ortschaften und Befestigungen zu errichten. In den nächsten Jahrzehnten erweiterte der Orden die eigenen Besitztümer durch Tausch, Schenkungen, aber auch erzwungene Verkäufe und verdrängte so die verbliebenen alten Grundeigentümer im Larzac. Schließlich waren sie die Hauptgrundeigentümer auf dem Plateau. Natürlich generierte diese Politik Feindschaften bei den Nachbarn; es kam zu zahlreichen Zwistigkeiten und Überfällen auf Ordensgüter. Die Brüder von Sainte Eulalie waren während des Prozesses im königlichen Schloss von Najac eingekerkert.

Sainte Eulalie war ein Zentrum der Land- und Viehwirtschaft, besonders der Schaf- und Ziegenhaltung. Bei der Bestandsaufnahme der Güter der Komturei nach der Verhaftung der Ordensbrüder 1308, zählten die Beamten 35 Pferde und Esel, 22 Arbeitsochsen, und gemeinsam mit er Nachbarniederlassung La Cavalerie 120 Rinder, 24 Schweine, 180 Ziegen und 1725 Schafe. Demgegenüber wurden an Waffen nur 5 Armbrüste und 10 Helme registriert! Auch eine Mühle, Weinkeller und natürlich eine Scheune gehörten zur Komturei.

Bald nach Übernahme der Kirche von Saint Eulalie begannen die Templer mit deren Rekonstruktion sowie mit dem Bau einer befestigten Niederlassung. Eine Burganlage ist ab 1187 ewähnt. Heute präsentiert sich die Burg von Sainte Eulalie als fast geschlossenes Mauerviereck mit 20 Meter hohen Türmen, doch stammen diese eindrucksvollen Befestigungen aus der Zeit der Johanniter, dem 15. Jahrhundert. Ein einziger Gebäudeteil, der sich heute zum Dorfplatz hin öffnet, stammt noch aus Templerzeit. Auch hier wurde die Fassade aber nachträglich abgeändert, besonders im 18. und 19. Jahrhundert.

Die Kirche besteht aus einem einzigen Schiff, unterteilt in vier Joche. Das Gewölbe wird von Doppelrippen gehalten, die auf mit floralen Motiven geschmückten, einfachen Kapitellen ruhen. Die Apsis ist halbrund und ebenfalls gewölbt. 1648 wurde unter dem damaligen Johanniterkomtur Jean de Bernouy-Villeneuve in die Bausubstanz eingegriffen und die alte Orientierung der Kirche verändert. Um eine Zutrittsmöglichkeit vom Dorfplatz her zu schaffen, wurde die Apsis durchbrochen und mit einem barocken Eingang versehen.

Li.: Die Kirche, Eingang in der Apsis und oberer Teil des Glockenturms aus späterer Zeit (Bildquelle/Copyright: Daniel Vilafruela, Wikimedia Commons)

Oben: Ein Teil der Templerburg (Bildquelle/Copyright: Jacques Mossot, Wikimedia Commons)

 


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Miquel, Jacques: Cites templieres du Larzac, 1989.

 

Sainte Vaubourg (Komturei, Frankreich)

Die Niederlassung geht auf eine Schenkung zurück, die Heinrich II., König von England, in seiner Eigenschaft als Herzog der Normandie zwischen 1173 und 1178 tätigte. Damals befand sich in Sainte-Vaubourg bereits eine Burg, die Heinrich II. Vorfahren als Aufenthaltsort während der Jagd im zugehörigen 'parc' diente. Dieser Park umfasste sowohl Wald, als auch Weideflächen sowie einen Wasserlauf. Das Areal war allerdings durch die Seine, den königlichen Wald von Roumare, sowie die Rechte naher älterer monastischer Niederlassungen begrenzt. Zur Besitzerweiterung standen den Templern daher nur Gebiet im Süden der Seine frei.

Dependancen wurden mit Hilfe von Schenkungen und Käufen in Bosnormand (Anfang des 13. Jh.s) und Cesseville (ab der zweiten Hälfte des 13. Jh.s) errichtet. Ziel aller Transaktionen war wie stets die Erlangung eines möglichst homogenen Landbesitzes, der leichter zu bewirtschaften war. In Bosnormand endet diese Periode erst 1273, aber nur, um sich in Cesseville fortzusetzen, einem Platz, in dem auch die Nachbarkomturei Sainte-Etienne de Renneville Besitz hatte. Weitere zahlreiche Liegenschaften besaß Sainte Vaubourg im Gebiet von Caux (s. Liste der Besitzungen in der Normandie). Sehr wahrscheinlich waren Dienstleute der Templer auch in der Ziegelherstellung tätig, die sich im 13. Jh. hier ausbreitete.

Überliefert ist das Datum der Weihe des zweiten Kapellenbaus von Sainte Vaubourg: 1264. Auf einem der Glasfenster, die jetzt in der Kapelle von Villedieu-lès-Maurepas eingesetzt sind, ist Robert Payart abgebildet, Provinzmeister der Normandie um 1260. Die Ruine der allerdings im 15. Jh. veränderten Kapelle (sie wurde wohl während der Revolution zerstört) ist heute noch vorhanden, sowie von der mittelalterlichen Bausubstanz weiterhin ein eingewölbter Keller und die Scheune mit ihrem Dachstuhl aus dem 13. Jh.

Sainte Vaubourg, Weinkeller (Bildquelle/Copyright: Miguet, Templiers et Hospitaliers en Normandie) und Scheune

Erst 1319, nach einem langwierigen Streit und Rekurs auf den König, gelangten die Johanniter in den Besitz der Komturei und ihrer Liegenschaften.

Komture:

um 1307: Philippe Agate, Servient


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Lascaux, M.: Les Templiers en Normandie, Rennes 1983.
  • Miguet, M.: Templiers et Hospitaliers en Normandie, Paris 1995, S. 401-431.

 

San Bevignate (Komturei, Perugia, Italien)

San Bevignate - Aussenansicht (Bildquelle/Copyright: Fabio Tiberi, Wikimedia Commons)

Bereits seit den 30er Jahren des 12. Jahrhunderts waren die Templer in der Diözese von Perugia vertreten. In der Nähe von Perugia besaß der Orden eine Niederlassung in San Giustino d'Arna (ein ihnen von Papst Gregor IX. übertragenes ehemaliges Benediktinerkloster) und in San Girolamo, letztere seit spätestens 1243. Beide Häuser bildeten die Komturei von Perugia, die sich in eine ganze Fülle religiöser Gemeinschaften in und um Perugia einreihte. Die Beziehungen der Komturei zur Stadt waren im großen und ganzen gut. Die Stadtregierung wandte sich auch bezüglich der Kanonisation des verehrten aber recht obskuren Lokalheiligen Bevignatus an die Templer - Komtur Bonvicino wurde 1260 mit der Angelegenheit betraut. Weniger freundlich waren die Beziehungen der Templer zu den Benediktinern, die sich um Wiedererlangung von San Giustino bemühten.

Die Kirche von San Bevignate wurde um 1256 auf oder in der Nähe (archäologisch nicht geklärt) der San Girolamo-Kirche errichtet, wie die Akten einer Stadtratsitzung vom 18. Mai dieses Jahres erkennen lassen. Zwischen 1262 und 1266 war der Bau vermutlich fertig gestellt.

Die Länge der Kirche beträgt ca. 30 Meter, die Breite etwas mehr als 11. Seitenaltäre gab es offenbar nicht, nur den Hauptaltar, bei dem es sich noch um das originale Stück zu handeln scheint. Berühmtheit erlangte San Bevignate vor allem durch seine Fresken, die gängige religiöse Themen behandeln, aber auch von der Verwurzelung der Templer in ihrem Umfeld und den Beziehungen zur Stadt berichten, sowie vom militärischen Einsatz der Ordensbrüder: Die Kirche war nicht nur Kapelle des Ordenshauses, sondern auch Pfarrkirche, und somit ausgestattet mit einem gewissen politisch-didaktischen Programm, auch zur Werbung für den Orden. Die Ausführung der Fresken verrät Einfluß lokaler Traditionen, weißt aber in der Herstellung und einiger ikonographischer Gestaltung durchaus Autonomie auf. Vermutlich haben drei verschiedene Künstler hier gearbeitet. An der linken Wand befindet sich eine große Darstellung des Jüngsten Gerichts mit einem thronenden Christus im Zentrum. Im unteren Teil der Gerichtsdarstellung findet sich eine Flagellantenprozession - zur Zeit der Fertigstellung des Freskos von höchster Aktualität in Perugia und eine Demonstration antighibellinischer und rechtgläubiger Haltung, die aber auch an die Endzeitstimmung der Anhänger Joachims von Fiore erinnert. In der Apsis ist eine Kreuzigung dargestellt, die byzantinische Einflüsse aufweist.

Blick in den Altarraum mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts rechts an der Wand (Bildquelle/Copyright: Cristianopelagracci, Wikimedia Commons)

Nach der Aufhebung des Templerordens 1312 kam San Bevignate an die Johanniter, die bis ins 15. Jh. hier eine Gemeinschaft unterhielten. Die Kirche wurde 1948 einer gründlichen Restaurierung unterzogen, und in den letzten Jahren einer weiteren.

 

Virtueller Besuch der Kirche

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Casagrande, G.: San Bevignate: una chiesa per la città, in: Milites Templi, Perugia 2008, S. 191-205.
  • Ricci, E.: La Chiesa di San Bevignate fuori Porta Sole, in: La Chiesa di San Prospero e i pittori del Duecento in Perugia, Perugia 1929, S. 31-48.
  • Tommasi, F.: L'Ordine dei Templari a Perugia, in: "Bolletino della Deputazione di storia patria per l'Umbria, LXXVIII (1981), S. 5-79.
  • Scarpellini, P.: La chiesa di San Bevignate, i Templari e la pittura perugina del Duecento, in: Templari e Ospitalieri in Italia. La chiesa di San Bevignate a Perugia, hrsg. v. Roncetti, M, Scarpellini, P, Tommasi, F., Mailand 1987, S. 93-158.

 

 

Sancey (Komturei, Frankreich)

Die Komturei verdankt einen großen Teil ihres Zuwachses einer Schenkung von Blanche de Champagne im Jahre 1205, die Niederlassung bestand aber bereits einige Jahrzehnte zuvor. Zu ihrem Besitz gehörten neben Land und Wald auch die einträglichen Mühlen von Sancey.


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur

Leroy, Thierry: Hugues de Payns, chevalier Champenois, Fondateur de l'Ordre des Templiers, Troyes 2001.

 

Schatz

Die Frage, wie reich (an Geld; der Schatz "esoterischer Geheimnisse" wird an dieser Stelle nicht untersucht) die Templer zum Zeitpunkt des Prozesses waren und ob und vor allem wohin dieser Reichtum in Sicherheit gebracht worden sein könnte, beschäftigt Schatzsucher und Populärwissenschaftler seit vielen Jahrzehnten.

Piquet (1939) schätzte das jährliche Einkommen des Ordens aus seinen Gütern auf mehr als 200.000 Livres. Hinzu kamen Gewinne aus zollfreiem Im- und Export von Gütern, beispielsweise zwischen europäischen Staaten und dem Nahen Osten, oder zwischen England und Frankreich. Im Vergleich zu dieser enorm scheinenden Summe kostete allein die Instandsetzung der Burg Safed um 1240 über eine Million Goldbesanten! Schätzungen zufolge verschlang die Aufrechterhaltung und Besetzung der Burg pro Jahr ungefähr weitere 40.000 Besanten. Finanzielle Schwierigkeiten der Templer sind zu zahlreichen Gelegenheiten dokumentiert. 1253 ersuchten sie zum Beispiel um päpstliche Erlaubnis, Teile ihrer provenzalischen Güter verkaufen zu dürfen, um Schulden begleichen zu können; und in Deutschland wird die gesamte Komturei Halberstadt verkauft, um der Geldnot Herr zu werden. Ein großer Teil des Reichtums bestand in Ländereien, Kirchengerät, Reliquien und von Nichtordensmitgliedern deponierten Geldern und Wertgegenständen, von denen einige auch bei der Inventarisierung der Güter im Zuge des Prozesses sichergestellt wurden.

1308 behauptete ein vor der päpstlichen Kommission in Poitiers verhörter Servient und Komtur von Namur - Johannes der Katalane- , dass Gerard de Villiers, damals Provinzmeister von Frankreich, sich mit 50 Pferden und sodann 18 Schiffen davongemacht habe und ein gewisser Hugo von Châlons den "Schatz Hugues de Pairauds" in Sicherheit gebracht habe. Diverse populärwissenschaftliche Autoren haben diese Aussage gern spektakular verkürzt, so dass ein enormer Schatz mit Hilfe von 50 Pferden und 18 Schiffen in Sicherheit gebracht worden sei. Der Zeuge spricht aber eindeutig von zwei verschiedenen Ereignissen: der Flucht von einem Ordensoberen mit Gefährten und der Sicherstellung eines Schatzes durch eine andere Person. Die Suche nach letzterem dürfte müßig sein: 1321 stellten Mitarbeiter des königlichen Rechnungshofes in Paris einen erheblichen Geldbetrag sicher, der von Hugues de Pairaud einem Mann des Vertrauens zur Verwahrung übergeben worden war. Der Schatz enthielt 1189 Goldmünzen und 5010 Silbermünzen. Auch in Aragon, wo die Ordensbrüder den Beginn des Prozesses in Frankreich aus zunächst relativer Sicherheit miterleben konnten und Zeit hatten, Verfügungen zu treffen, deponierten die Templer Bargeld in vermeintlich sicheren Händen - in diesem Fall auf der Johanniterburg Villafamés. Auch in Aragon landeten die Gelder und Wertgegenstände letztlich in den Händen des Königs.

1312 überschrieb der Papst mit der Bulle „Ad Providendam“ den Großteil der Besitzungen und Rechte den Johannitern; König Philipp erhielt 200.000 Livres für die Güter und 60.000 Livres als Unkostenentschädigung“ für die Haft und Verfahren.

Interessanterweise begann der Boom der Templerschatzsucher erst im 20. Jahrhundert. Heutzutage gehört quasi zu jeder touristisch erschlossenen tatsächlichen oder angeblichen Templerruine auch ein vermisster Schatz, bzw. ein Schatzversteck. Die berühmtesten Vertreter sind die Burg Gisors (allerdings nur wenige Jahre im 12. Jh. in Templerbesitz, zum Zeitpunkt des Prozesses in königlicher Hand), Rennes-le-Château in den Pyrenäen und der Forêt d'Orient in der Champagne. In Gisors wollte 1944 Roger Lhomoy ein unterirdisches Gewölbe mit gewaltigen Schatzkisten entdeckt haben, was anschließend von der Regierung vertuscht worden sei. Lhomoy gab später zu, die Entdeckung frei erfunden zu haben. Dennoch wurde der "gesichtete Schatz" durch den Journalisten Gerard de Sède und den Betrüger Pierre Plantard - Begründer der "Prioré de Sion", die sich übrigens nicht vom Jerusalemer Zionsberg herleitete - werbewirksam und lukrativ ausgeschlachtet und gipfelte im Bestseller "Die Templer sind unter uns". Plantards hierfür beigesteuerte "Dokumente" sind lange schon als Fälschungen identifiziert.

Der Schatz in Rennes-le-Château verdankt seine Existenz der Phantasie eines Kriminalromanautors und Inhabers des örtlichen Hotels, der mehr Gäste anzulocken versuchte, indem er von einem sagenhaften Schatz erzählte, den im Jahre 1886 angeblich der damalige Pfarrer Saunière in der Ortskirche gefunden habe. Aus dem "Schatz der Blanka von Kastilien" wurde nach dem Zusammentreffen des Hoteliers mit Pierre Plantard der "Schatz der Templer", bzw. der Gral. In Wahrheit stammte der - sehr mäßige - Reichtum des Pyrenäenpfarres aus dem illegalen Verkauf kirchlicher Dienstleistungen und Spekulationen.

Der Forêt d'Orient verdankt seinen Ruhm als Schatzversteck seinem Namen und der Verbindung, die der Autor Charpentier in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zu Wolfram von Eschenbachs Gralsdichtung und den dort erwähnten "templeisen" zog.

s. auch: Geldwesen

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur

 

 

Scheikwitz (=Čejkovice, Komturei, Tschechien)

Es gibt mehrere gleichlautende Ortsbezeichnungen auf dem Gebiet es heutigen Tschechien. Die Templerniederlassung befand sich wahrscheinlich im heutigen Kreis Göding/Hodonin, östlich der Autobahn D2 (Brno - Bratislava).
Die Burganlage von Scheikwitz/Cejkovice (auch Schzaykowitz, Cheycowitz, Schakwicz) wurde 1269 erstmals im Rang einer Komturei (domus milicie templi de Schekwitz) erwähnt. Der erste Hinweis auf hier ansässige Templer ist aber bereits mehr als 20 Jahre älter und stammt aus einer Bulle Papst Innozenz IV. von 1246. Darin erteilte der Papst mehreren Prälaten den Auftrag, den Streit um den Zehnt im Dorfe Ceje zwischen den Klöstern Wehlerad (=Velehrad) und Thusnowicz (=Tisnov)einerseits und den Templern in Scheikwitz andererseits zu schlichten. Wahrscheinlich 1237 hatten die Templer ihre dortige Niederlassung gegründet.

Der Besitz wurde durch Schenkungen, aber auch durch Ankäufe erweitert. 1248 bekundete Ulrich (Sohn des Herzogs von Kärnten und von Ottokar mit der provinciam brczedslaviensem belehnt), den Templern von Scheikwitz (fratribus templariis residentibus in Schaeikwicz) Güter im Dorfe Rackowitz übertragen zu haben. 1292 erwarb die Komturei das Dorf Schönstraß (=Sczetrapie; Wssetrapi, nicht mehr existent) für 155 Mark Silber. 1297 verkaufte Ritter Protheba von Dobrovitz den größten Teil seiner Güter an die Templer. Die Ausstrahlung der Komturei und damit ihr Besitz erstreckte sich weit: In einer Urkunde vom 30.09.1302 bezeugen Komtur Ekko und die Ordensbrüder von Scheikwitz, dass sie vom Schottenkloster in Wien statt eines Hofzins einen Fischteich in der Ratstraz (=heutige Teinfaltstrasse?) erhalten haben.

Neben der mehr repräsentativen Niederlassung in Prag (der Sitz des Provinzmeisters lag unweit der ehemaligen Judith-Brücke bei St. Laurenzius/heute St. Anna) war die Komturei Scheikwitz/Cejkovice vor allem ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Lag er doch an traditionellen mitteleuropäischen Verkehrswegen und an einer wichtigen europäischen Schnittstelle. Von hier wurden die Geschäfte in den Ordensprovinzen Böhmen, Mähren und Österreich geführt. Und der letzte für diese Ordensgebiete zuständige Provinzmeister, Ekko (von Egerberg), sollte offensichtlich die zentrale Lage und die Wirtschaftskraft dieses riesigen Weinbaugebietes, das neben Mähren und Österreich wohl auch das angrenzende - aber zu einer anderen Ordensprovinz gehörende - Ungarn umfasste, für den Templerorden nutzbar machen.

Dass die Beziehungen zu den umliegenden geistlichen und weltlichen Mächten nicht immer ungetrübt blieben, zeigt der Streit der Komturei mit dem Cistercienserkloster Saar (=Žďár nad Sázavou) um Patronats- und Zehntrechte. Der letztlich 1269 als Schiedsrichter angerufene Bischof von Olmütz gesteht den Templern das patronatsrecht in Michelsdorf (=Wrbitz; Vrbice) und den Zehnten von 14 unter 20 Grundstücken zu; dem Kloster hingegen das Patronat über die Kirche in Cobelz (=Kobyli) und den Zehnt der restlichen 6 Grundstücke in Michelsdorf.

Unter dem Eindruck der Verhaftungen der Templer in den französischen Kronlanden im Herbst 1307, bemühten sich auch die Ordensbrüder in Scheikwitz, Grundbesitz in sichere Hände zu geben und so über turbolente Zeiten zu retten: Am 03.03.1308 geben die Templerbrüder und Provinzmeister Ekko, mit Erlaubnis des Ordensmeisters und mit Zustimmung des Herzogs Friedrich von Österreich und der Steiermark die Stadt Setteinz (=Vsetin) mit dem Schloss Freundsberg (=Vreuntspergk) sowie das Wasser Roknitz (Fluss Ruzdka ?)
bis zur Mitte des Wasser Bertsch (Fluss Becva oder Bystrice ?) an Bokko von Chrawar (=Vok von Kravare; Wok von Krawarn = eine der bedeutendsten Adelsfamilie von Mähren) für 31 Jahre in Erbpacht. Dabei bleiben den Templern die Mühle in Setteinz und die Kirchen, den Kirchen selbst ihre Einkünfte erhalten.
Nach Ablauf der 31 Jahre sollte unter der Voraussetzung, dass der Templerorden noch besteht, ein neuer Vertrag geschlossen werden. Die Komturei Scheikwitz wird zwar in diesem Vertrag namentlich nicht erwähnt, es ist jedoch davon auszugehen, dass diese die oben angeführten Güter in Erbpacht gab, da in der Urkunde ausdrücklich hervorgehoben wird, dass das Siegel des Konvents von Scheikwitz beigefügt ist.

Nach Auflösung des Templerordens gelangten auch die Besitztümer von Scheikwitz an die Johanniter. Rund 30 Jahre später gelangten Herrschaft und Festung an den mährischen Zweig der Sternbergs, die - wie zahlreiche Urkunden bezeugen - dem Orden eng verbunden waren. Heute ist die Burganlage ein Hotel.

Schlosshotel Scheikwitz. (Bildquelel/Copyright: Googlemaps)

Komture

~Ekko 1292 ~1302

Artikel von E. Hruby u. F. Sengstock, bearb. v. A. Napp

 

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Graf, Josef Wilhelm: Geschichte der Tempelherren in Böhmen und ihres Ordens überhaupt, Prag 1825
  • Horky, Joseph Edmund: Die Tempelherren in Mähren. Sagen, Untersuchungen, Geschichte, Znaim 1845 S. 70-73
  • Hruby, E. S.: Sie alle trugen das rote Tatzenkreuz. Die Tempelritter in Österreich, Böhmen und Mähren, Wien 2011
  • Schüpferling, Michael: Der Tempelherren- Orden in Deutschland, Bamberg 1915 S. 170-175
  • Stepanek, Vaclav, Libor, Jan: Cejkovice 1248-1998, Cejkovice 1999
  • Uhlirova, Jana Die Geschichte des Templerordens in Westeuropa, Böhmen und Mähren, Brünn 2008 (Diplomarbeit)
  • Urkunden: Beispiele zu den Arrondierungen unter Ekko von Egerberg zwischen 1292 und 1308 Narodni archiv Praha, RM 1887 (Grunderwerb in Schönstraß, abgekommenes Dorf bei Scheikwitz) Stiftsarchiv Schotten Wien, 1302 IX 30 (Tausch des Zinsrechtes am Regensburger Domvogtshof in Wien gegen einen Wirtschaftshof samt Bäckerei in der Wiener "Ratsraz" (heute Bäunerstraße)

 

 

Schiffe

s. Flotte

 

Schlesien

Im 12. Jhd. war das polnische Herzogtum Schlesien über familiäre Beziehungen mit dem deutschen König Konrad III. verbunden. Der damalige Herzog Władysław II. unterstellte sich schließlich auch lehensrechtlich dem deutschen König. Im 13. Jhd. kam es durch die auf die Mongoleneinfälle folgende Ostkolonisation zu einem starken Zuwachs deutscher Siedler und zahlreichen Städteneugründungen. 1289 nahm Herzog Kasimir II. die böhmische Lehenshoheit an. Seit dem II. Weltkrieg gehört der östlich der Neiße gelegene Teil von Schlesien zu Polen, Niederschlesien zu Deutschland (Bundesland Sachsen).

s. Polen u. Deutschland

 

Schottland

Über die Aktivitäten und Niederlassungen der Templer in Schottland ist relativ wenig bekannt. Für Verwirrung sorgt zuweilen, dass die Bezeichnung "Temple Land" seit dem 16. Jahrhundert für Besitzungen verwendet wurde, die ganz und gar nicht dem Templerorden, sondern anderen religiösen Institutionen gehörten.
Bekannt ist, dass die Templer etwa zur gleichen Zeit in Schottland auftauchten, als sie auch in England erste Schenkungen übereignet bekamen. König David I. lud Hugues de Payens ein und übereignete ihm Land in Balantrodoch, wo in der Folgezeit die erste Niederlassung auf schottischem Boden entstand. Der Cistercienserchronist Aelred de Rievaulx berichtet, David I. habe sich der Templer auch als Ratgeber bedient. Eine besondere Nähe der Templer zu den einheimischen Schotten ist jedoch nicht nachzuweisen; die meisten Schenkungen stammten von normannischen Familien und auch die Namen der bekannten Ordensbrüder verweisen auf normannische Ursprünge. Noch Mitte des 13. Jahrhunderts unterstanden die schottischen Ordenshäuser offenbar der englischen Provinz, denn auf einem in London 1234 abgehaltenen Generalkapitel wurden Güterangelegenheit schottischer Provenienz abgehandelt. 1291 war Schottland eine unabhängige Ordensprovinz mit einem eigenen Provinzmeister, in diesem Fall Brian de Jay. Da er gleichzeitig als Komtur von Balantrodoch amtierte, wurde die Komturei zum Hauptsitz.

Die päpstliche Bulle Pastoralis Praeeminentiae leitete auch in Schottland das inquisitorische Verfahren ex officio ein. Vor der in Holyrood tagenden Untersuchungskommission erschienen allerdings nur zwei Ordensbrüder, einer von ihnen war der derzeitige Provinzmeister Walter de Clifton. Beide machten keine belastenden Aussagen.
Der Templerorden fand nach dem Prozess auch in Schottland sein Ende. Die Teilnahme eines Templerkontingents an der Schlacht von Bannockburn 1314 von Robert Bruce gegen König Edward II. von England, die diese zugunsten der Schotten entschied, muss in das Reich der Legende verwiesen werden. Entstehungszeit dieses Mythos ist vermutlich das 18. Jh.; und sehr wahrscheinlich geht er auf die Imaginationskraft des schottischen Freimaurers Michael Ramsay zurück, wie Historiker aus Freimaurerkreisen selbst im 19. Jh. feststellten. Es gibt keine Beweise für die Annahme, dass es flüchtige Templer vom Festland oder aus England gewesen seien, die die schottischen Freiheitskämpfer ausgebildet hatten. Dagegen spricht bereits, dass es sich bei den in Europa befindlichen Templern hauptsächlich gerade nicht um kämpfende Ordensbrüder handelte (diese waren in der Endzeit des Ordens im Wesentlichen auf Zypern und Spanien konzentriert, wie aus den Prosopographien der Prozessakten ersichtlich ist), UND dass die Templer im schottisch-englischen Konflikt auf Seite der Engländer standen.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Lord, Evelyn: The Knights Templar in Britain, 2002.

 

 

Scott, Walter

Im 19. Jahrhundert gab es eine Anzahl von Romanen, Theaterstücken und Opern, die einen Templer zumindest unter den Antagonisten oder als Nebencharakter führten. Ausgelöst wurde dieses Interesse im Wesentlichen durch den Roman "Ivanhoe", verfasst von Walter Scott und 1819 publiziert. Das Hauptthema des Romans ist der Kampf der ehrenhaften Angelsachsen (personifiziert durch den enterbten Ritter Ivanhoe und Robin Hood) gegen die brutalen, gierigen normannischen Eroberer und ihr Rechtssystem (unter anderem personifiziert durch den Templer Brian de Bois-Gilbert). Trotz der historischen Fragwürdigkeit dieser Ansicht erlangte sie außerordentliche Beliebtheit, nicht zuletzt durch Scotts literarische Werke. Noch heute gehören auf dieser Grundlage entwickelte Geschichten à la Robin Hood zum Standartrepertoir von Film und Fernsehen.
Der Templer aus "Ivanhoe" wird vorgestellt als arrogant, hartherzig, grausam und gierig und illustriert so einige der bereits im Mittelalter von Matthew Paris gegen den Orden erhobenen Vorwürfe. Die Regel des Ordens ist zugunsten der größeren Dramatik vernachlässigt: so trägt Bois-Gilbert Gewänder aus Samt und Seide, verfügt über eigene sarazenische Sklaven, bewegt sich nach eigenem Gutdünken ausserhalb der Ordenshäuser, nimmt an Turnieren teil und entführt schließlich sogar eine Frau (die Jüdin Rebecca), die er unter seine Gewalt zwingen will.

Der Hintergrund für Scotts Charakterdarstellung ist zum einen seine Zugehörigkeit zur anglikanischen Kirche. Zum anderen nutzte er wohl Überlieferungen über Brian de Jay und die Templer von Balantrodoch, die den Orden und seine Angehörigen in  sehr negativem Licht zeigen.

Der Erfolg des Romans zeigt sich in den zahlreichen Theaterstücken und Opern, die auf seinem dramatischen Gerüst in den folgenden Jahrzehnten entstanden und sich interessanterweise weniger um Ivanhoe selbst, als um den 'Templer und die Jüdin' drehen.

Auch in weiteren Werken Scotts tauchen die Templer auf. In "Der Talisman", publiziert 1825, der während des 3. Kreuzzuges im Heiligen Land spielt, werden die Templer beschuldigt, geheime Verhandlungen mit den Muslimen zu führen und König Richard Löwenherz zu verraten. Richard seinerseits beschuldigt den Ordensmeister, ein Teufelsanbeter zu sein - hier scheinen die Anklagen aus dem Prozess auf.

 

Selbstverständnis

In Briefen und Urkunden aus dem 13. und Anfang des 14. Jh. wird deutlich, dass die Templer (und Johanniter) sich als auserwählte Instanzen zur Sicherung des Friedens und der Ordnungsahen, dem Schutz der Kirche und der Verteidigung des Glaubens besonders verpflichtet. Aragonesischen Quellen spiegeln auch eine starke Loyalität zum König wieder, folgend dem weltlichen Ritterideal. Ein Zusammenhang scheint auch zwischen der Höhe des Ranges und der Verwendung der humilis-Formel in Urkunden zu bestehen. In Briefen Jacques de Molays an seine Ordensbrüder wird auf das Heil in Christus und den ewigen Lohn verwiesen - in der Korrespondenz mit weltlichen Machthabern fehlt dieser spirituelle Bezug.

s. auch: Spiritualität

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Burgtorf, J.: Das Selbstverständnis der Templer und Johanniter im Spiegel von Briefen und Urkunden (12. und 13. Jh.), in: Selbstbild und Selbstverständnis der geistlichen Ritterorden (Acta Torunensia Bd. XIII), hrsg. v. Czaja, R., Sarnowsky, J., Torun 2005, S. 23-45.
  • Forey, A.: How the Aragonese Templars viewed themselves in the late thirteenth and early fourteenth centuries, in: Selbstbild und Selbstverständnis der geistlichen Ritterorden (Acta Torunensia Bd. XIII), hrsg. v. Czaja, R., Sarnowsky, J., Torun 2005, S. 59-68.

 

 

Servienten (=Sergeanten/ Dienende Brüder)

Die Servienten waren Mitbrüder nichtritterlichen Ranges. Bereits in der ersten lateinischen Regel und der Privilegienbulle Omne Datum Optimum von 1139 sind sowohl Ritterbrüder als auch Dienende Brüder angesprochen. Die Statuten, entstanden um 1160, unterscheiden zwischen Servienten des Konvents (kämpfende Servienten/Sergeanten) und Handwerker-Servienten. Beide rekrutierten sich aus einfachen Landarbeitern, aber auch reichen Bürgern oder illegitimen Adligen. Aus diesem Grund unterschied sich die Profeß leicht von der für Ritterbrüder vorgeschriebenen Zeremonie. Im Unterschied etwa zu den Konversen der Cistercienser waren die Servienten der Templer der selben Regel wie die Ritterbrüder unterworfen, sie wohnten im selben Haus mit ihnen, aßen mit ihnen und rezitierten das gleiche Offizium. Das Habit der Servienten sollte der Regel gemäß schwarz, braun oder grau sein, auf jeden Fall jedoch nicht weiß; dieses war den Ritterbrüdern vorbehalten. Hinweise auf große Konflikte zwischen Dienenden Brüdern und Rittern bei den Templern - wie etwa bei den Cisterciensermönchen und -laienbrüdern - gibt es nicht. Die Regel legt zwar fest, daß ein Servient niemals Ritter kommandieren dürfe (§ 328), doch sind Servienten als Haus-Komture vorgesehen. Die Protokolle des Prozesses Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnen mehrere Servienten im Rang eines Komturs, und dies nicht etwa nur in Häusern untergeordneter Bedeutung, sondern beispielsweise in Sommereux, dem Hauptsitz der Picardie oder in LaRochelle. Auch der Komtur von Paris war Servient. Es gibt keine Hinweise, daß innerhalb der französischem Provinz bestimmte Posten nur an Ritterbrüder vergeben werden konnten. Aus den Reihen der Servienten wurde der Unter-Marschall und der Gonfalonier bestimmt. Vier Servienten, acht Ritter und ein Kaplan mussten an der Wahl des Meisters teilnehmen. Der Meister selbst durfte allerdings kein Servient sein, dies war bereits in Omne Datum Optimum ausdrücklich festgelegt worden. Zur Zeit des Prozesses hatten die Dienenden Brüder im Orden eindeutig das Übergewicht, mit Ausnahme von Zypern, dem als militärischem Stützpunkt in den letzten Kreuzzugsplanungen allerdings eine besondere Bedeutung zukam.

Die Servienten - Ordensmitglieder - sind nicht zu verwechseln mit bezahlten Söldnern im Dienst des Ordens, die in den Quellen manchmal jedoch mit ähnlichen Termini bedacht werden.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Forey, A. J.:Rank and Authority in the Military Orders during the 12th and 13th centuries, in: Studia Monastica 40 (1998), 291-329.
  • Forey, A. J.: Recruitment to the Military Orders, in: Military Orders and Crusades, London 1994.
  • Hallinger, B.: Milites Templi. Der Dienende Bruder des Templerordens um 1190, München 2008.

 

 

Sidon (Burg, Komturei, Libanon)

Die Stadt Sidon und die auf einer vorgelagerten Insel liegende Burg wurde 1260 mit allem Besitz von ihrem letzten Herrn, der selbst dem Orden beitrat, an die Templer verkauft. Der Bischofssitz stand damit unter der lehnsrechtlichen Herrschaft des Ordens. Es gibt allerdings keine Hinweise, dass die Templer bei der Neubesetzung des Bischofsstuhls das Patronatsrecht oder das Recht einer Auswahl zwischen präsentierten Kandidaten ausübten. Wahrscheinlich musste der Bischof jedoch einen Eid an den Ordensmeister leisten - die Diözese wurde nicht automatisch mit einem Ordenskaplan besetzt, und auch im Kathedralkapitel ist kein Templer nachweisbar. Die Burg war nicht nur von moslemischen Angriffen bedroht: 1278 besetzte sie der christliche Graf von Tripolis und nahm die Besatzung gefangen.

Den Templern zugeschrieben wird die Erweiterung der im Wesentlichen aus zwei Türmen bestehenden Burganlage durch einen doppelgeschossigen Saalbau, einer gewölbten Galerie - die das Seetor schloss und das landseitige zum einzigen Eingang machte - und eine Kapelle auf einem der Türme. Es sind größere bauliche Artefakte zugänglich.

Sidon (Bildquelle/Copyright:Robysan, Wikimedia Commons)


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 90f. Hiestand, R.: Templer- und Johanniterbistümer und -bischöfe im Heiligen Land, in: Ritterorden und Kirche im Mittelalter (Acta Torunensia Bd. IX), hrsg. v. Nowak, Z. H., Torun 1997, S. 143-161

 

 

Siegel

Über hundert verschiedene Siegel von Templern sind an Urkunden überliefert. In den meisten Fällen, wie zum Beispiel auf den Siegeln des Provinzmeisters von England, findet sich ein Agnus Dei, ein Lamm Gottes als Symbol für das Opfer Christi, auf dem Siegel. Das Siegel der katalanischen Komturei Miravet zeigte einen Löwen. Ein Löwe (in diesem Fall das Braunschweiger Wappentier) befand sich auch auf dem Siegel Otto von Braunschweig, Komtur von Süpplingenburg Anfang des 14. Jahrhunderts.

Aufsehen erregten nur wenige Siegel. So zum Beispiel das des Komturs Berthold von Mainz aus dem Jahre 1218, welches 'einen bärtigen Männerkopf mit gesträubtem Haar' gezeigt habe -- ganz gewiß kein 'Baphomet', sondern eher das Haupt Johannes des Täufers! Das berühmteste Siegel des Ordens, das die beiden Ritter auf einem Pferd zeigt, ist in Wahrheit eine feierliche Bulle des Meisters. Das älteste erhaltene Exemplar der Bleibulle stammt aus dem Jahr 1167. Auf der Rückseite des Siegels ist die stilisierte Vorderfront der heutigen Al-Aksa-Moschee, des damaligen Sitzes der Templer und eine Marienkirche, zu sehen. Die gleiche Darstellung, nur architektonisch inexakter, findet sich auch auf dem Siegel des Provinzmeisters von Frankreich.

1274 in einem für das Konzil von Lyon vorbereiteten Schreiben beschwert sich ein Teilnehmer über die Gier der Ritterorden nach Land, ihren Hochmut und ihre ständigen Streitereien untereinander mit einem Verweis auf das bekannte Templersiegel: "Duo enim superbi in una sella equitare non possunt, et templarii et hospitalarii".

Li.: Bulle des Ordensmeisters, Avers mit den zwei Rittern und Revers mit der Al-Aksa-Moschee / Re: Siegel des Provinzmeisters von Frankreich, Avers mit der Al-Aksa-Moschee.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Fischer, M. C.: The idea of Christian chivalry in the chronicles of the Teutonic Order, 1984, S. 9.
  • Original einer Bleibulle: Amberg, Staatsarchiv, Inv. Nr. KU Waldsassen 7/1. Nachbildung: München BayHStArchiv.
  • Saint-Hilaire, P. de: Les sceaux templiers. Rheingauische Alterthümer, Abt. I, Mainz 1819, 186.
  • Wieczorek, A. u. a.: Saladin und die Kreuzfahrer (Ausstellungskatalog), 2006, S. 379 (zur Bleibulle des Ordensmeisters).

 

 

Siena (Komturei, Italien)

1260 fanden in der Templerniederlassung von Siena die Friedensverhandlungen zwischen den städtischen Vertretern und Graf Ildebrandino di Santa Fiora statt, der später die sieneser Truppen in der Schlacht von Montaperti führte, bei der sich die Ghibellinen unter Siena den Guelfen (Anhänger der staufischen Herrschaft) unter der Führung von Florenz gegenübertraten. An den Verhandlungen in der Templerkomturei nahmen sowohl Vertreter der Ghibellinen als auch der Guelfen teil.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Guzzo, C.: Milites Templi Hierosolimitani in Regno Siciliae : vecchi documenti, nuove acquisizioni, in: Bagnarini, N.: I Templari nell'Italia centro-meridionale, Viterbo 2008, S. 57-132.

 

 

Sizilien

s. Italien/Süd

 

Söldner

In einigen Fällen sind bezahlte Söldner im Dienst des Templerordens überliefert. In einer katalanischen Urkunde von 1282 beispielsweise werden auf dem Schiff eines Kaufmanns von Barcelona nicht nur der Statthalter des Provinzmeisters von Portugal und 4 weitere Ordensbrüder transportiert, sondern auch zwischen 45 und 50 Reittiere mit ihren zugehörigen Männern, in der Urkunde escuders = Knappen, genannt. Es handelte sich jedoch nicht um Knappen im Wortsinn eines ritterlichen Aspiranten oder auch um Dienende Brüder, sondern um Söldner, die mit Geld entlohnt wurden.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur

ARB (Arxiu Reial de Barcelona), Cancelleria, Pere II, perg. 292 (1282), zitiert bei: Sarobe i Huesca, Ramon: Història de Rosselló de Segria, Bd. I, Lleida 2011, S. 123.

 

 

Soldin (= Myslibórz, Komturei, Polen)

Soldin (poln. Myslibórz) ist heute eine polnische Kreisstadt im Südwesten der Woiwodschaft Westpommern und ist ca. 47 Kilometer von Schwedt entfernt.

Erstmalig in Erscheinung treten die Templerbrüder von Soldin in einer Urkunde vom 13. November (Dezember ?) 1260. So beurkundet Godekin von Schmagerow, Vogt von Pyritz, dass er auf Befehl Herzog Barnims I. von Pommern am Freitag und Samstag nach St. Katharina (26. bis 27. November) dem Kollegiatstift St. Maria in Coswig 150 Hufen am Fluß Mietzel hat ausmessen lassen. Unter den Zeugen befand sich ein frater Johannes Magister curie de Soldin. Aus einem Vergleich vom 31.12.1261 zwischen den Templern und den Markgrafen Johann und Otto unter Vermittlung von Provinzmeister Widekind von Alemannien und Slavien geht hervor, dass die Ordensbrüder neben mehreren Dörfern beiderseits der Mietzel auch den Hof und See Soldin an die Markgrafen abtraten. Im Gegenzug erhielten die Templer unter anderem Besitz/Güter in Quartschen und Tyscher zugesichert.

In einem Zinsprivileg der Markgrafen von Brandenburg zugunsten der Stadt Soldin aus dem Jahr 1281 wird auch ein "Mönchshof" (que fuerat monachorum) erwähnt. Hierbei könnte es sich um die ehemalige Templerniederlassung gehandelt haben.

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • "Brandenburgisches Klosterbuch" Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhundert Band II, Berlin-Brandenburg 2010, S. 1107.
  • Irgang, Winfried: Urkunden und Regesten zur Geschichte des Templerordens, Köln / Wien 1987, S. 45.
  • Lehmann, Gunther & Patzner, Christian: Die Templer im Osten Deutschlands, Erfurt 2005, S. 52.
  • Raumer Georg Wilhelm von: Die Neumark Brandenburg im Jahr 1337 oder Markgraf Ludwigs des Aelteren Neumärkisches Landbuch aus dieser Zeit, Berlin 1837, S. 24.
  • Spieker, Christian Wilhelm: Kirchen- und Reformationsgeschichte der Mark Brandenburg, I. Teil, Berlin 1839, S. 450.

 

 

Sonnac, Guillaume de (M)

Guillaume de Sonnac wird urkundlich genannt als Komtur von Auzon bei Poitiers im Jahre 1224. Von 1236 bis 1246 hatte er das Amt des Provinzmeisters von Aquitanien inne. 1247 wurde er zum Meister gewählt und kam mit dem Kreuzzug König Louis IX. in den Orient. Ein Brief des Meisters berichtet von der raschen und unvorhergesehenen Okkupation Damiettas. Als der Bruder des Königs Robert d'Artois im Februar 1250 versuchte, Mansourah einzunehmen, folgte ihm Guillaume de Sonnac mit seinen Ordensbrüdern. Fast alle Templer fielen in der Schlacht, und der Meister wurde schwer verwundet. Er starb bei einer anderen Schlacht am 3. Juli 1250 bei dem Versuch, Louis IX. zu schützen.

 

Spanien

Aragon/Katalonien

Das mittelalterliche Spanien teilte sich bis in die frühe Neuzeit in mehrere unabhängige Herrschaftsgebilde, zur Wirkungszeit der Templer waren dies: Kastilien (inklusive Léon), Aragon (ab den 70er Jahren des 12. Jhds. inklusive der Grafschaft Barcelona, ab 1230 Mallorca und ab den 1280er Jahren inklusive Süditalien und Sizilien), Navarra (ab 1286 bis ins 14. Jhd. unter der Regierung des französischen Königs). Der Süden der Halbinsel befand sich in moslemischer Hand.

Schon 1128 reisten einige Gefährten von Hugues de Payens durch die spanischen Lande. 1131 vermachte der aragonesische König Alfons I. sein Reich den Templern, Hospitalitern und den Kanonikern des Heiligen Grabes, doch die politischen Ereignisse nach dem Tod des Königs machten die Ausführung dieses Testaments unmöglich. Der katalanische Graf Raimond-Berengar IV. wurde schliesslich als legitimer Erbe des Königreichs Aragon anerkannt. Aber erst 1143 wurde im sogenannten Pakt von Girona die Frage des Testamentes von Alfons I. endgültig geklärt: der Templerorden erhielt grosse Schenkungen für das Abstehen von allen ihm im Testament zugedachten Rechten, zum Beispiel die Burgen von Monzón, Montgai, Xalamera, Barberà, weitere große Güter, den Zehnten von allem Land, was man von den Mauren zurückerobert hatte und weiterhin würde. Weiterhin verzichtete der Graf auf den fünften Teil der Ländereien, die man noch von den Muslimen erobern würde - Was diese Umsetzung betraf, wurden die Ordensbrüder je nach Sachlage auch mit beweglichen Gütern entschädigt. Der Pakt von Girona erlaubte den Templern auch, Burgen an der Grenze zu den Sarazenen zu errichten, sowohl die Ordensangehörigen als auch ihre Dienstleute und Pächter waren von Steuern und Zöllen befreit. Auch politisch sicherte sich der Orden Mitspracherecht: es durfte ohne Hinzuziehung der entsprechenden Ordenshierarchie kein Frieden mit den Muslimen geschlossen werden.Die Templer verrichteten jetzt offiziell in Spanien den gleichen Dienst wie im Heiligen Land.

Nach diesem Vertrag von 1143 konnte die Ordensprovinz Aragon/Katalonien geschaffen werden, die als ersten Provinzmeister Pierre de Rovera erhielt. Die Templer waren Teil des königlichen Heeres, unternahmen aber auch eigene Züge in die maurischen Gebiete. 1144 erklärte Raimond-Berengar IV., daß die Templer alle ihre Ländereien in vollständiger Freiheit besäßen und die ungeteilte Gerichtsbarkeit in ihnen. Der König gab ihnen das Recht, den Zehnten und verschiedene Arten des Zolls in ihren Länderein zu erheben. 1143 besaß der Orden bereits 10 Grenzfestungen in Katalonien; 23 weitere folgten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Ausserdem nannten sie Stadthäuser ihr Eigen, landwirtschaftliche Komtureien und Kirchen ihr Eigen. Die Templer wurden durch den König und den Adel unterstützt und gefördert. Unter denen, die den Orden mit Ländereien, Häusern und Rechten beschenkten, standen die Bischöfe besonders weit vorn, doch muss hinzu gefügt werden, dass mit diesen Schenkungen die Wiederbesiedlung der rückeroberten Gebiete durch Christen stimuliert werden sollte - und damit natürlich die Einkünfte der Bischöfe in den Diözesen.

Durch ihre Kolonisation und Neubesiedlung jüngst zurückeroberter Landstriche nahmen die Templer an der Reconquista-Politik des Königs teil. Die Neusiedler und der Orden schufen neue ökonomische und soziale Gefüge; der Landausbau wurde mit verbesserten Anbaumethoden, Bewässerungsanlagen und Mühlen voran getrieben.

1148 begleiteten die Templer den König bei der Einnahme von Tortosa, und 1153 bei der Einnahme von Fraga und Mequinenza. Dabei gehörten zu den Truppen unter dem Befehl der Templer immer auch Laien, die sich in den Dienst des Ordens gestellt hatten. Ein Dokument von 1149 spricht von "einigen Deutschen", die in der Burg Corbins dienten.

Aufgrund der geringen christlichen Population in den eroberten Gebieten waren die Templer gezwungen, auf maurische Lohnarbeiter und Sklaven zurückzugreifen. Ein Privileg des Königs aus dem Jahr 1146 regelte die Frage der maurischen Bediensteten, die die Irritation einiger Adliger hervorgerufen hatten. Die Bedeutung des Ordens wuchs, wie es die zahlreichen Mitglieder aus dem Hochadel beweisen. 1173 schliesslich erhielten die Templer juristische Gleichstellung mit anderen Geistlichen, was einen besonderen Schutz ihrer Güter und Personen beinhaltete. Zu einem weiteren Wachstum an Land und Mitgliedern führte auch die Eingliederung des aragonesischen Ordens von Montjoi (Hospiz des Heiligen Erlösers) im Jahre 1196. 250 Templer werden in den Urkunden des 12. Jahrhunderts erwähnt; davon ausgehend kann man etwa auf 500 Profess-Mitglieder des Ordens in Aragon/Katalonien schliessen. Sie kämpften an der Seite des Königs Pedro II. gegen die Mauren in Valencia, unterstützten ihn bei der Einnahme der Kastelle von Adamuz, Castielfabib und Sertella.

Während der Minderjährigkeit von Jayme I. übernahm der Provinzmeister der Templer, Guillaume de Montredon, die Vormundschaft über den Prinzen. Später begleiteten die Templer Jayme bei der Eroberung von Mallorca im Jahr 1229 und Valencia 1238. Auch hier erhielten sie bedeutende Schenkungen und gründeten eine Komturei. Der Orden griff zum Teil auch auf königliche Hilfe zurück bei Streitigkeiten mit seinen Vasallen und anderen Problemen. So halfen königliche Beamten 1282, einen flüchtigen Templer dingfest zu machen, der sich gegen den Orden gestellt hatte.

Nicht immer aber war die Zusammenarbeit zwischen Krone und Orden in Aragon-Katalonien ungetrübt. Für Mißstimmung sorgten vor allem die Forderungen nach Zahlung von Subsidien für königliche Unternehmungen gegen Ende des 13. Jahrhunderts. 1289 verlangte Alfons III. zum Beispiel einen Betrag von 20.000 B. für eine Gesandtschaft nach Rom und erhielt das Geld erst, nachdem er mit Landkonfiskation gedroht hatte. 1292 beklagte sich Jayme II., daß die Templer von Monzón eine Steuerforderung ignoriert hätten. Die päpstlichen und königlichen Privilegien früherer Jahre wurden mit diesen Forderungen ausgehöhlt, ganz abgesehen von der finanziellen Mehrbelastung des Ordens. Zu Konflikten mit dem Königshaus führten auch jurisdiktionelle Streitpunkte, vor allem über das merum imperium, die vermehrt nach dem Rückgriff auf altes römisches Recht durch die Krone in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. Dies brachte die Templer unter anderem dazu, sich ihrer Rechte und Besitzungen in Tortosa zu entledigen. Probleme brachte auch der vom König zu mehreren Gelegenheiten - wenn auch zögernd - gewünschte Einsatz von Truppen des Ordens gegen christliche Gegner mit sich, so etwa 1285 gegen einen drohenden französischen Angriff.

Konflikte gab es auch mit der kirchlichen Obrigkeit, zumeist um Einkünfte und Patronatsrechte, wie zum Beispiel mit dem Bischof von Lleida Mitte des 12. Jhs., ein Konflikt, der erst 1154 beigelegt werden konnte. In der entsprechenden Urkunde wird unter anderem festgelegt, dass die Templer den vollständigen Zehnten von Gardeny, Remolins und ihren Besitzungen in Pardinyes und Fontanet erhalten sollten.

Burg Peniscola

Die Templerburg von Peniscola (Bildquelle/Copyright: H. Walther)

Provinzmeister von Aragon:

~1128 - 1135 Hugues Rigald
~1135 - 1139 Arnaud de Bedocio
~1139 - 1158 Pierre de Rovera
~1158 - 1161 Guillaume d'Albais
1161 - 1163 Hugues de Barcelona
1163 - 1166 Hugues Gaufred
1166 - 1181 Arnaud de Torroja
~1179 -1184 Berengar d'Avinón
1184 - 1186 Raimon de Canet
1186 - 1189 Gilbert Erail
1189 -1195 Pons Rigault
~1196 Arnaud de Claramunt
~1200 Raymond de Gurb
~1202 Pons Rigault
~1207 Pere de Montagut
~1205 - 1210 Guillaume Cadeilh
~1214 Guillaume de Montredon
~1221 Guilhem d'Azylach
~1224 Rupert de Puig-Guigone
~1224 -1233 Folques de Montpézat
~1233 Raimond Patot
~1234 Hugues de Montlaur
~1239 Esteve Belmont
~1240 Raimond Serra
~1244 Guillaume de Cardona
~1254 Hugues de Jouy
~1258 Guillén de Montanana
~1266 Peire Queralt
~1266 Arnaud de Castelnau
~1279 Peire de Montcada
~1283 Berengar de St-Just
~1291 Berengar de Cardona
~1306 Simon de Lenda

Komtureien in Aragon-Katalonien:

Templerbesitz in Katalonien (Karte zum Vergrößern bitte anklicken)

Ordensbesitzungen im aragonesisch-katalanischen Gebiet (pdf-Liste, Stand: 2. 6. 2008)

s. auch: Miravet, Tortosa, Mas-Dieu, Gardeny, Monzón

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Atienza, J.G.: El legado templario, Barcelona 1991.
  • Aytagas, A.: La ermita templara de Ucero, Barcelona 1987.
  • Barreda i Edo, E.: Un recull documental sobre els ordes militars al castell de Culla 1213-1330, in: Actes de les primeres jornades sobre els ordes religioso militares als paisos Catalans, Zaragoza 1994, 188-199.
  • Biarnès i Biarnès, C.: La comanda templera d'Ascó, in: Actes de les primeres jornades sobre els ordes religioso militares als paisos Catalans, Zaragoza 1994, 121-131.
  • Biarnès i Biarnès, C.: La toponomia d'Ascó als documents de l'Ordre del Temple, in: Butlleti interior. Societat d'Onomastica 40 (1990), 70-75.
  • Bisson, Th. N.: Credit, prices and agrarian production in Catalonia. A Templar account (1180-88), in: Order and innovation in the Middle Ages, hrg. Jordan, W. London 1976, 87-102.
  • Castillón Cortada, F.: La población Templario-Hospitalaria de Chalamera y su monasterio de Santa Maria, in: Argensola 17, 65-70 (1968-1970), 19-86.
  • Castillón Cortada, F.: Notas sobre el Priorato de Santa Maria de Chalamera, Huesca, in: Argensola 18, 71-78 (1971-1974), 113-120.
  • Conte Cazcarro, A.: Aspectos sociales de la población altoaragonesa a través de la documentacion templaria da Huesca, in: Argensola 22, 90 (1980), 261-300.
  • Conte Cazcarro, A.: Dominios d'o Temple de Vesca sobre Lugares y ilesias d'o Alto Aragon, in: Argensola 19, 79-84 (1975-1977), 85-111.
  • Conte Cazcarro, A.: La casa Templera de Luna y su dependencia de la encomienda oscense, in: Argensola 21, 87 (1979), 5-42. Conte Cazcarro, A.: Trets precapitalistes en l'encomienda templera a la corona d'Aragó: L'exemple de Osca, in: L'Arenc 161 (1992), 51-55
  • Donato, M. B.: Historiografía e investigación sobre el Temple en la Corona de ARagón, in: Milites Templi. Il patrimonio monumentale e artistico dei Templari in Europa (TAgungsaktion von Perugia 2005), Perugia 2008, S. 39-87.
  • Forey, A. J.: A thirteenth century dispute between Templars and Hospitallers in Aragon, in: Durham University Journal 49, 80, 2 (1988), 181-192.
  • Forey, A. J.: Sources for the history of the Templars in Aragon, Catalonia and Valencia, in: Archives 21, 91 81994), 16-24.
  • Forey, A. J.: The Templars in the Corona of Aragon, London 1973. Online
  • Freedman, P. H.: Els Templers al castell de Granyena segons un document de l'Arxiu Episcopal de Vic, in: Ausa 11, 105 (1983), 1-5.
  • Fuguet Sans, J.: Els Templers a Barcelona, in: L'Avenc 133 (1990), 6-14.
  • Fuguet Sans, J.: La parroquial de Santa Maria de Barbèra, fundació templera? in: Acta historica et archeologica medievalia 10 (1989), 523-530.
  • Garcia, J., Gonzales, J.-R.: La comanda templera de Gardeny, in: Actes de les primeres jornades sobre els ordes religioso militares als paisos Catalans, Zaragoza 1994, 154-166. Gargallo
  • Gargallo Moya, A.: La Carta Puebla concedida por el Temple a los moros de Villastar 1267, in: Simposio internacional de mudejarismo, 209-220.
  • Ledesma Rubio, M.-L.: La colonización de Maestrazgo turolense por los templarios, in: Aragón en la Edad Media 5 (1983), 69-93.
  • Ledesma Rubio, M.-L.: La formación de un senorío templario y su organizacíon económica y social: la encomienda de Villel, in: Homenaje a José Maria Lacarra II, Pamplona 1986, 441-462.
  • Ledesma Rubio, M.-L.: Templarios y Hospitalarios en el reino de Aragon (Colleccion bàsica aragonesa 37), Zaragoza 1982.
  • Lourie, E.: The will of Alfonso I el Batallador, king of Aragon and Navarre. A reassessment, in: Speculum 50 (1975).
  • Miret y Sans, J.: Inventaris de les cases del Temple de la corona d'Arago en 1289, in: Boletín de la Real Academia de Buenas Letras de Barcelona VI (1911), 62-69.
  • Miret y Sans, J.: Les cases dels Templers y Hospitalers en Catalunya, Barcelona 1910. Online
  • Moxó Montoliu, F.: Los Templarios en la corona de Aragón, in: Aragón en la Edad Media X-XI, 661-671.
  • Pagarolas, L.: La comanda del Temple de Tortosa primer periode (1148-1213), Tortosa 1984.
  • Pagarolas i Sabatè, L.: Els senyorius templers de les terres de l'Ebre, in: Actes de les primeres jornades sobre els ordes religioso militares als paisos Catalans, Zaragoza 1994, 54-66.
  • Pujol Canalles, M.: Els Templers a l'Empordà. La comanda del Temple de Castelló d'Empúries I, in: Annals de l'Institut d'Estudis Empordanesos 17 (1984), 31-94.
  • Sans y Travé, J. M.: Alguns aspectes de l'establement dels Templers a Catalunya: Barberà, Quadernos d'historia tarragonense 1 (1977).
  • Sans y Travé, J. M.: La introduccio de l'ordre del Temple a Catalunya i la seva organització, in: Actes de les primeres jornades sobre els ordes religioso militares als paisos Catalans, Zaragoza 1994, 17-42.
  • Sarobe i Huesca, R.: Història de Rosseló de Segrià, Bd. 1: El temps dels templers (1149-1307), Lleida 2011.
  • Schickl, P.: Die Entstehung und Entwicklung des Templerordens in Katalonien und Aragon, in: Spanische Forschungen der Görresgesellschaft Reihe I, Gesammelte Aufsätze 28 (1975), 91-228.

 

Kastilien

Die Templer etablierten sich in Kastilien nur wenig später als in Aragon, und sie waren auch hier geschätzte Mitstreiter der christlichen Reconquista. 1176 unterstützten sie König Alfons VII. bei der Einnahme von Cuenca, und 1212 kämften sie an der Seite der christlichen Alliierten bei Las Navas de Tolosa. 1247 bei der Eroberung Sevillas befanden sich ebenfalls Templer im Heer des Königs Fernand III. Die Könige von Kastilien dankten dem Orden seine Hilfe mit großzügigen Schenkungen an Land und Festungen. Aber auch auf der politischen Bühne waren die Templer präsent und geschätzte Unterhändler. Von 1212 - 1288 wurde Kastilien zusammen mit der Provinz Portugal verwaltet und hatte einen gemeinsamen Provinzmeister.

Provinzmeister von Kastilien:

~1152 - 1177 Pedro Robera
~1178 -1183 Guido de Garda
1183 - 1206 Juan Fernandez
~1210-1212 Gomes Ramires
1212 - 1221 Pedro Alvares
1223 - 1224 Pedro Anes
1224 - 1229 Martim Sanche
1229 - 1237 Estevao Belmonte
1237 - 1242 Guilherme Fulcon
1242 - 1248 Martim Martins
1248 - 1250 Pedro Gomes
1250 - 1253 Paio Gomes
1253 - 1265 Martim Nunes
~1271 - 1283 García Fernandez
1283 - 1288 Joao Fernandez
~1288 Ferrand Perez
1289 - 1295 Gomez Garcia
1295 - 1296 Sancho Ibanez
~1296 Ruy Diaz
~1296 GonzaloYanez
~1296 - 1297 Pedro Yanez
1297 - 1309 Rodrigo Yanez

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Guera Guerra, A.: La orden militar de los Templarios en la Baja Extremadura, in: Actas del V Congreso de Estudios Extremenos, Badajoz 1975.
  • Lomax, D. W.: Las ordenes militares en León durante la edad media, in: León medieval, Doce Estudios", León, 1978, 84-93.
  • Martinez Diez, G.: Los Templarios en la Corona de Castilla, Burgos 1993.

 

Navarra

Das Königreich Navarra war in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts praktisch nicht existent, da König Sancho Garcia IV. ohne direkten Erben verstorben war und die Ländereien unter den Nachbarkönigreichen Kastilien und Aragon aufgeteilt. Erst nach dem Tode des aragonesischen Königs Alfonso I. wurde das Königreich Navarra restituiert.

Die erste nachweisbare Schenkung an den Templerorden stammt aus dem Jahre 1133.
Es folgten weitere, auch seitens des Königs Garcia Ramirez V., in diesem besonderen Fall weniger, um sich an der Reconquista zu beteiligen, sondern, um sich gegen etwaige Anvancen der großen Nachbarn zu sichern.

Die maximal drei Komtureien der Templer in Navarra unterstanden zunächst dem Provinzmeister von Provence und Spanien, und nach der Errichtung einer eigenen spanischen Provinz dem Meister von Aragon. Zu einem wichtigen Ordenshaus entwickelte sich das 1157 begründete Ribaforada und Puenta la Reina, letzteres eine Pilgerstation auf dem Weg nach Santiago de Compostela.

 

Spiritualität

Die religiösen Pflichten der einzelnen Ordensbrüder (-->Offizium) sind in der Regel spezifiziert. Aus der Liturgie kann geschlossen werden, daß die Spiritualität der Templer eher augustinisch geprägt ist, was in den Anfängen des Ordens als Assoziierte der Augustinerchorherren des Heiligen Grabes in Jerusalem begründet liegt. Die zweite spirituelle Wurzel bringt die benediktinisch-cisterciensische Religiosität. Die durch Bernhard von Clairvaux zelebrierte Ethik des Kreuzritters im allgemeinen und des Templers insbesondere drückt sich am Besten in seiner Schrift De Laude Novae Militiae aus, die das Martyrium im Kampf gegen die Ungläubigen und zum Schutz der Christen und ihrer Stätten feiert.

Einer einheitlichen ordensweiten Liturgie folgten die Templer nicht, sondern orientierten sich an den lokalen Gebräuchen der Diözesen. So folgten die Templer in Jerusalem und Akkon dem Ritus der Kanoniker vom Hl. Grab, in Europa aber nicht. Die meisten Templerkirchen sind der Heiligen Gottesmutter Maria geweiht, es folgen so traditionelle Kreuzfahrerheilige wie Maria Magdalena (deren Grab Anfang des 13. Jahrhunderts in der Provence 'entdeckt' wurde, und die Vorbild für Umkehr und Buße war) und Katherina,sowie einige lokale Heilige.

Die Inventare der Ordenshäuser, die im Zuge des Prozesses aufgenommen wurden, geben durch gefundene Missale, Rituale, Legendare und Martyrologien auch Hinweise auf die üblichen Riten. Hinzu gehörten Schriften, die wohl zur Lesung bei Tisch bestimmt waren, wie die "Vitae Patrum". Obwohl vermutlich keines der Templerhäuser ein eigenes Skriptorium besaß, befanden sich in einigen Niederlassungen eine größere Anzahl Bücher (so z. b. 41 in Arles und 25 in London), die meisten natürlich für den liturgischen Gebrauch.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Dondi, C.: Liturgies of the Military Reliqious Orders, in: Lang, U. W.: The Genius of the Roman Rite, 2010,S. 143-158.
  • Legras, A. - M.: Lemâitre, J. - L. La pratique liturgique des Templiers et des Hospitaliers de Saint-Jean de Jérusalem", in: C. Bourlet, A. Dufour (Hg.):L'écrit dans la société médiévale. Divers aspects de sa pratique du XIe au XVe siècle, Paris : CNRS, 1991, p. 77-13.

Quellen:

  • Rom, Bibl. Vat., MS Barb. 659 (Templer-Missale, 12. Jh.)
  • Paris, Bibl. Nat., MS lat. 10478 (Brevier, 13. Jh.)
  • Modena, Bibl. Cap., MS O II 13 (Sakramentar, 12./13. Jh.)
  • London, Brit.Lib., MS Cotton Cleopatra B III (Kalendarium)

 

Stella, Isaak von

s. Ètoile, Isaac de l'

St-Merri (Kirche, Paris)

Ein Portalschmuck der gotischen Kirche St-Merri in Paris, der eine geflügelte Teufelfigur zeigt, wird in pseudowissenschaftlicher Literatur (z.B. Louis Charpentier, Les mystères Templiers, 1967) immer wieder als "Baphomet der Templer" angeführt. Die pittoreske kleine Figur wurde erst bei der Restaurierung der Kirche in den 1840er Jahren dort angebracht. St-Merri hat übrigens keine Beziehungen zum Templerorden.

"Baphomet" aus dem 19. Jhd. am Portal der Kirche St-Merri. (Bildquelle/Copyright: Wikimedia Commons.)

 

Strafen

Die Abstufungen der einzelnen Vergehen und ihrer zugehörigen Strafen ist den Egards der Regel aufgeführt. Die schwerste Strafe ist der "Verlust des Hauses" -- der Ausschluss aus dem Orden unter der Verpflichtung, innerhalb der folgenden 40 Tage in einen strengeren Orden (in Frage kamen damit nur die Cistercienser oder Karthäuser) einzutreten. Griff man den ausgeschlossenen Bruder irgendwo vagabundierend auf, drohte ihm Einkerkerung. Eine spezielle Übereinkunft untersagte den Eintritt in den Orden der Johanniter. Der definitive Ausschluß von den Templern trat ein, falls die Ordensaufnahme durch Simonie, also Bestechung erfolgt war, und wurde ferner für das Ausplaudern der bei Kapitelsitzungen besprochenen Dinge, für direkten oder indirekten Mord an einem Christen, für Diebstahl und Verschleuderung von Gütern, für das heimliche Verlassen des Ordenshauses bei Abwesenheit über eine Nacht, für die Desertion und die Flucht zu den Sarazenen während der Schlacht, für Häresie, homosexuelle Handlungen, Verschwörung ausgesprochen, aber auch, wenn der Novize bei seiner Profess an einem wichtigen Punkt gelogen hatte. Aber in diesem Fall bestand die Möglichkeit einer zweiten Aufnahme, falls die Hindernisse beseitigt werden konnten.

Die zweite Strafe war der "Verlust des Habits". Der "Verlust des Habits" konnte bis auf ein Jahr ausgedeht werden und mit anderen Strafen, wie dem Fasten oder Gefängnis einhergehen. Der Betroffene musste mit den Sklaven arbeiten, die Geißelung ertragen und sogar auf dem Boden hockend essen. Hatte ein Templer einmal diese Strafe erlitten, konnte er niemals mehr andere Brüder kommandieren, die Ordensstandarte tragen oder das Siegel verwahren, sowie an der Wahl des Meisters teilnehmen. Er hatte also für immer mehrere Rechte verloren. Diese Strafe wurde ausgesprochen bei hartnäckiger Befehlsverweigerung, Tätlichkeiten, Unkeuschheit, Verleumdung von anderen oder falschen Angaben über sich selbst, für die Androhung, man wolle zu den Sarazenen überlaufen, für das unerlaubte Senken der Standarte während des Kampfes, für das Kämpfen ohne Erlaubnis (einzige Ausnahme der Beistand für einen Christen in Todesnot), wenn einem reisenden Mitbruder der Einlaß in ein Haus oder die Teilnahme an den Mahlzeiten verweigert wurde, bei der Verleihung des Ordensgewandes ohne Authorisation, bei der Brechung des Siegels des Meisters oder eines Truhenriegels ohne Erlaubnis, Veräußerung von Land, Verleihung von im Ordenshaus niedergelegten Gütern oder Vermengen dieser Deposita mit dem Ordensvermögen. Ausser dem für den Mord an Sklaven oder an einem Tier, bzw. deren Verletzung, für den Bau von neuen Gebäuden ohne Authorisation, Teilnahme an einer Jagd, das Verlassen des Ordenshauses, die Rückgabe oder unehrenhafte Behandlung des Habits.

Die leichteren Strafen bestanden aus Bußen von drei Tagen, zwei Tagen oder einem Tag, begleitet von Geißelungen und Fasten. Ähnliche Strafen existierten in allen Ritterorden und auch in den monastischen Orden. Auch die Cistercienser kannten den "Verlust des Habits", die Einkerkerung und Degradierung, die Geißelungen und das Essen auf dem Boden.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Curzon, H. de: La règle du Temple, Paris 1886. Schnürer, G.: Die ursprüngliche Templerregel, Freiburg 1903.
  • Forey, A. J.: Rank and Authority in the Military Orders, dans: Studia Monastica 40 (1998), 291-329.
  • Krüger, A.: Monastische Observanz und Ordensstruktur bei Templern und Johannitern, dans: Cistercienserchronik 107 (2000), 193-215.
  • Vogel, Chr.: Das Recht der Templer, 2007. Online

 

 

Strikte Observanz

Diese deutsche Geheimgesellschaft freimaurerischer Filiation wurde durch den deutschen Adligen Karl Gotthelf von Hund um 1750 begründet. Hund behauptete, Weisungen durch "unbekannte Obere" in England zu bekommen. Die "Strikte Observanz", die sich als Nachfolger des mittelalterlichen Ordens und einzig wahre Freimaurergesellschaft sah, verlieh den Grad eines 'Templers'. Die Gesellschaft zeigte sich nach außen mit großem barocken Pomp und machte vor allem durch öffentliche Umzüge von sich reden. Karl von Hund starb 1764 und ließ sich im Templerhabit mit großer Zeremonie bestatten. Sehr bald traten Betrüger auf, die das maurerische Hochgradsystem zum Zweck des Gelderwerbs ausnutzten. Im Jahre 1772 vereinigte sich die "Strikte Observanz" mit dem "Klerikat der Tempelherren". Auf dem "Wiesbadener Konvent" 1782 wurde dem System wie der Annahme einer historischen Filiation von den Templern jedoch eine Absage erteilt.

Die in der älteren Forschung vertretene Idee, die "Strikte Observanz" sei das Produkt einer päpstlich-jesuitischen Intrige zugunsten des katholischen Trohnanwärters Jakob Stuart, mit der die Freimaurerei als Kämpfer für die katholische Kirche gewonnen werden sollten, entspringt der Verschwörungstheorie des protestantischen Aufklärers Johann J. C. Bode.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Begemann, Wilhelm: Die Tempelherren und die Freimaurer, Berlrin 1906.
  • Klausnitzer, Ralf: Poesie und Konspiration. Beziehungssinn und Zeichenökonomie von Verschwörungsszenarien in Publizistik, Literatur und Wissenschaft, 1750-1850, Berlin-New York 2007.
  • Napp, Anke: Die Templer in Deutschland. Von der Geschichte zu Sage und Mythos (Reihe: Südthüringer Forschungen), geplant 2018.
  • Reitzenstein, Albin von: Die Strikte Observanz, Berlin 1907.
  • Runkel, Ferdinand: Geschichte der Freimaurerei in Deutschland, 3 Bde. Berlin 1932, Bd. 1.

 

 

Süpplingenburg (Komturei, Deutschland)

Süpplingenburg ist heute ein Dorf im Landkreis Helmstedt, Bundesland Niedersachsen. Auf Grund seiner Lage an der sogenannten "Salzstraße", hatte Süpplingenburg eine bedeutende strategische und wirtschaftliche Stellung inne.

Möglicherweise handelt es sich um eine der ältesten Niederlassungen der Templer in deutschem Raum, denn bereits Lothar III. soll im Jahr 1130 die grundlegende Schenkung getätigt haben. Urkundlich belegt ist allerdings erst eine weitere Donation im Jahre 1173. Süpplingenburg entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der bedeutendsten Ordenshäuser. Die Ursache dafür lag unter anderem darin, dass verschiedene Mitglieder der herzoglich braunschweigischen Familie dem Templerorden beitraten und somit den Orden besonders bedachten. Nachweislich tätigte Herzog Heinrich der Löwe, Herzog von Sachsen, dessen Großvater Lothar von Süpplingenburg war, nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land 1173 mehrere Schenkungen (Chron. Riddagshus. ap. Pistor. III. 347). Als Dank für die Unterstützung des Ordens auf seiner Heilig-Land-Fahrt 1172 kaufte er unter anderem Waffen und schenkte 1.000 Mark in Silber an die Templer. Die Erträge daraus sollten zur Unterhaltung von Knappen für den Kampf gegen die Ungläubigen dienen. Teil der Schenkungen Heinrichs d. Löwen war auch der durch Lothar III. 1130 gegründete St. Johannes-Kollegiatstift und die Burg Süpplingenburg selbst, sowie die St. Matthäus-Kirche in Braunschweig. Im Jahr 1173 wurde das Stift so in die Templerniederlassung "S. Mariae in Süpplingenburg" umgewandelt. Im Jahr 1300 bedachte die Adelsfamilie derer von Wenden die Templer von Süpplingenburg mit Gütern in Hohenzüplingen.

Noch 1245 ist Süpplingenburg aber kein Ordenshaus mit der rechtlichen Stellung einer Komturei: Eine Urkunde kennt einen gewissen Friedrich Graf von Kirchberg nur als provisor
domus Supplingeburch
. Auch eine Urkunde vom 17.03.1272, die in der Komturei Halberstadt ausgefertigt wurde, nennt den Vorsteher des Hauses Süpplingenburg lediglich provisor
(Quelle: Schmidt, Gustav "Urkundenbuch der Stadt Halberstadt" Bd. I, Teil I Seite 117 Nr. 136). In einem weiteren Dokument vom 30.06.1288, in dem Friedrich Wildgraf,
Provinzmeister in Deutschland und Slavien, eine jährliche Lieferung der Dorfbewohner von Brozitz an das Templerhaus in Klein Öls festlegt, wird unter den Zeugen auch ein Frater Albertus dictus de Suppelingheborch genannt. Im Amt des Provinzmeisters folgte Friedrich von Alvensleben, der in einer Urkunde vom 09.04.1301 auch als Komtur
von Süpplingenburg genannt wird - möglicherweise war die Komturei also vakant gelassen worden, damit deren Einkünfte der Camera des Provinzmeisters direkt zufielen. Ähnliche Fälle sind in der gleichen Zeitperiode aus Aragon überliefert. Damit war Süpplingenburg Haupthaus der deutschen Ordensprovinz, bis Friedrich von Alvensleben nach Zielenzig übersiedelte. Alvensleben wurde als Komtur von Süpplingenburg von Herzog Otto von Braunschweig abgelöst, der in dieser Eigenschaft 1304 urkundete.

Zum Zeitpunkt der Aufhebung des Templerordens im Jahr 1312 unterstand die Komturei noch immer Herzog Otto von Braunschweig. Er war das letzte Hausoberhaupt von Süpplingenburg und ist bis 1328 urkundlich nachweisbar.

Der Wirtschaftshof der Komturei umfasste ca. 20 Hufen Land. Weiterhin zugehörig waren in der Altstadt die Kirche "St. Johannes der Täufer und der Evangelist". Aus dem Degedingsbuch (Stadtbuch) der Altstadt (I, S. 74 und 150) ist zu erfahren, dass die zwischen der Dammbrücke, der langen Brücke und dem Lauenturm gelegenen Häuser im Kattreppeln, Hutfiltern und auf dem westlichen Teil des Dammes zum Pfarrbezirk der Kirche gehörten. Sie waren gegenüber der Kirche zu Zinszahlungen verpflichtet. Auch das Terrain hinter dem Johannishof bis an die Südmühle war Eigentum des Templerordens. Die Südmühle hat noch bis 1312 einen Zins an die Templer gezahlt und wurde 1328 an Johann von Ilsede verkauft. Noch im Jahr 1301 verkaufte Herzog Albrecht von Braunschweig den Tempelherren seinen Gerichtsbann und sonstige Rechte zu Süpplingenburg. Die Johanniter übernahmen diese Rechte nach der Aufhebung des Ordens und hielten sie bis in das Jahr 1807.

Allerdings konnten die Johanniter nicht sofort nach der päpstlichen Verfügung den ehemaligen Templerbesitz von Süpplingenburg übernehmen. Herzog Otto von Braunschweig bewog nämlich den regierenden Herzog Magnus, den Sohn seines Bruders, die Süpplingenburg und den Hof in Braunschweig zu besetzten, um somit seine Ansprüche zu schützen. Die Johanniter hingegen brachten durch Gebhard von Bortfelde, Komtur zu Braunschweig und Vertreter des Meisters Paul von Mutina Verhandlungen mit dem Herzog Magnus auf den Weg. Diese Verhandlungen endeten in einem Vergleich, in dem Herzog Otto von Braunschweig die Einkünfte von Süpplingenburg und den Hof zu Braunschweig als Wohnsitz auf Lebzeit erhält. Um diesen Vergleich kümmerte sich Herzog Magnus nach dem Tod von Herzog Otto recht wenig. Er behielt vorerst die Burg, verpfändete sie aber schließlich an seinen Vetter Herzog Wilhelm zu Lüneburg. Dieser händigte sie dem Johanniterorden gegen eine Entschädigung von 500 Mark Silber Braunschweiger Währung aus. Dies wurde für Herzog Magnus zum Anlass, am 28.12.1357 gegen eine Summe von 400 Mark Braunschweiger Silber nicht nur seine Zustimmung zu geben, sondern den Templerhof in Braunschweig ebenfalls zu übergeben.

Die Konventsgebäude inklusive der Johannes-Kirche, dem ehemaligen Kollegiatsstift verblieben bis 1820 im Besitz des Johanniterordens. Bauliche Veränderungen, Restaurierungsmaßnahmen sowie Renovierungen waren im Laufe der Jahrhunderte mehrfach notwendig. Heute wird das Gebäude als Gemeindekirche genutzt.

Komture von Süpplingenburg:

~1245 Friedrich von Kirchberg (provisor)
~1272 Johannes Saul (provisor)
~1297 bis ~1301 Friedrich von Nigrip
~1301 Friedrich von Alvensleben
~1304 Otto von Braunschweig

Innenraum der St. Johannes-Kirche (Bildquelle/Copyright: Dia-Archiv, KGS Hamburg)

Die St. Johannes-Kirche in Süpplingenburg im 17. Jh. nach Merian (Bildquelle/Copyright: Wikipedia)

Artikel von F. Sengstock, Bearbeitung von A. Napp

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Bucholz, S.: Geschichte der Churmark Brandenburg, Band II Teil I Berlin 1767, S. 326.
  • Das Chron. Riddagshus. ap. Pistor. III. 347, aus Wilcke, Ferdinand Seite 390 entnommen.
  • Dürre, H.: Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter, 1861.
  • Gebhardi, J. J.: Der mit dem Matthäusstift verbundene Caland zum Heiligen Geist, Braunschweig 1739, bes. S. 44, 65, 66, u. 100f.
  • Ledebur, L. v.: Die Tempelherren und ihre Besitzungen im Preußischen Staate - ein Beitrag zur Geschichte und Statistik des Ordens, in: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preußischen Staates 16 (1835), S. 254.
  • Schüpferling, M.: Der Tempelherren-Orden in Deutschland Bamberg 1915, Seite 8 -93.
  • Weber, M.: Die Süpplingburger Dorfchronik, erschienen 10/2002 in Süpplingenburg.
  • Wohlbrück, S. W.: Geschichtliche Nachrichten von dem Geschlecht von Alvensleben und dessen Güter, Erster Teil, Berlin 1819, S. 210 - 219, Zitiert nach: Wilcke
  • Wilcke, F.: Die Geschichte des Ordens der Tempelherren, Halle 1860, Neudruck Wiesbaden 2005.

 

 

Symbolik

Es gibt keine eigens für den Templerorden dingfest zu machende Symbolik an oder in ihren Bauwerken. Alle Elemente fügen sich problemlos in den mittelalterlichen katholischen Kosmos der Welterklärung ein. Dies gilt auch für die Kreiselemente in den Wandmalereien von San Bevignate und Montsaunes. Diese können in Verbindung gebracht werden mit den Kreis-Schemata der 4-Elemente-Lehre, die in zahlreichen Handschriften Isidors von Sevilla verbreitet wurde. Diese Welterklärung hat ihren Ursprung bereits in den Überlegungen der griechischen Philosophen Platon und Aristoteles und geht von einer komplexen, ineinander verwobenen Einheit von Makrokosmos (Kosmos, Natur) und Mikrokosmos (Mensch) aus. Die Eigenschaften der Elemente (z.B. Wasser= kalt und feucht / Erde = trocken und kalt) bestimmten die Jahreszeiten, die Stimmungen des Menschen, die Lebensalter. Der Gelehrte und Bischof Hrabanus Maurus setzte im 8. Jahrhundert die Elementenlehre mit den vier Enden des Kreuzes in Beziehung und schuf so einen tiefen spirituellen Kontext der Naturauslegung.

Li. und Re.: Kreis-und Rosettenornamente in der Templer-Kirche von San Bevignate (Bildquelle/Copyright: Milites Templi, Perugia 2008)

 

 

 

   
Deckenfresko der Kirche von Montsaunes, 12. Jh. Eines der der zahlreichen Kreisdiagramme aus der Elementenlehre Isidors v. Sevilla. (HS 83 II Universitätsbibl. Köln, Bildquelle: Fontaine, J.: Isidore de Séville - Traité de la nature. Bordeaux 1960)

 

Die sechsstrahlige, sogenannte "Templerrosette" ist ein bis in die Antike reichendes Bildgut und wurde weder ausschließlich von den Templern benutzt, noch von ihnen aus dem Orient importiert. Sie findet sich bereits im Bauschmuck der koptischen Christen aus dem 4. Jh., bei den spanischen Westgoten im 7. Jh., aber auch im Bodenmosaik der Kathedralen von Pisa, Die und Westminster Abbey, wo sie mit anderen Stern- und Kreisornamenten die Vielgestaltigkeit der Schöpfung und den Sternenhimmel symbolisiert und als Hintergrundschmuckelement eingesetzt wird.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Hrabanus Maurus, In honorem S. Crucis C. 7, ed. V. Perrin, M. in: Corpus Christianorum Continuatio Medievalis, Bd. 100, Turnholt 1997.
  • Napp, A.: Templermythen - und was dahinter steckt, München 2010.
  • Scarpelli, P.: La decorazione pittorica di San Bevignate e la pittura perugina del Duecento, in: Milites Templi, Perugia 2008, S. 205-285.