Tartus (=Tortosa, Komturei, Syrien)

Tartus wurde 1102 während des Ersten Kreuzzuges durch Raimond de Toulouse, den späteren Grafen von Tripolis, mit Hilfe der genuesischen Flotte erobert. 1152 wurde die Stadt von Nuredin erobert, bereits drei Jahre darauf jedoch durch König Baudoin III. von Jerusalem wieder zurückgewonnen. 1157 übereignete der Bischof von Tartus dem Templerorden die Stadt, und es wurde mit dem Ausbau der Befestigungen begonnen. Die direkt an der Küste liegende Festung bestand aus einem Bergfried mit quadratischem Grundriß (Westfassade mit Seitenlänge von 40 Metern), einer Kapelle, Wirtschaftsgebäuden und ein 44 Meter langer Rittersaal. Ein doppelter Mauerring mit mehreren Türmen, zwischen denen sich ein mit Meerwasser gefüllter Graben entlangzog, umschloß die Zitadelle. Die unterhalb der Burg liegende Stadt war mit einer eigenen Mauer befestigt. Im Juli 1188 gelang es Saladin, die Stadtmauern zu überwinden und in Stadt und Kathedrale schwere Zerstörungen anzurichten. Die von den Verteidigern in der Templer-Zitadelle installierten Steinschleudern brachten die Belagerer aber schließlich zur Aufgabe. Mitte des 13. Jahrhunderts war das strategisch und ökonomisch bestens gelegene Tartus mit seinen umliegenden Ländereien eine der bedeutendsten Besitzungen des Ordens in der Region. Die in der Stadt gelegene Marienkathedrale, der Legende nach der erste noch durch den Apostel Petrus der Heiligen Jungfrau geweihte Kirchenbau, war im Besitz eines wundertätigen Marienbildes und das Ziel zahlreicher Pilger. 1253 begab sich unter anderem der Kreuzritter und Chronist Jean de Joinville in die Kathedrale von Tartus.

Im August 1291 wurde Tartus von muslimischen Truppen endgültig zurückerobert. Um 1300 machten die Templer einen letzten Versuch, über die Tartus vorgelagerte Insel Ruad wieder im Orient Fuß zu fassen, bestärkt durch die Kreuzzugsbemühungen des aragonesischen Königs, der sich eine Allianz mit den Mongolen erhoffte. Im April 1300 traf der aragonesische Provinzmeister Berengar der Cardona Vorbereitungen für einen Transfer größerer Kontingente des Ordens Richtung Syrien. Im November des Jahres machten der Bruder des Königs von Zypern, die Johanniter unter ihrem Meister Guillaume de Villaret und die Templer unter Jacques de Molay einen ersten Vorstoß, installierten sich auf der dem syrischen Festland vorgelagerten Insel Ruad und wagten einige kleinere Aktionen auf dem Festland. Das kleine Kreuzfahrerheer überwinterte auf Ruad. Im Frühjahr 1301 erreichte sie allerdings die Nachricht, daß die geplante Hilfe des Mongolenkhans Ghazan nicht zustande kommen könne. Daraufhin zogen sich bis auf eine Templergarnison alle von der Insel zurück. November 1301 berichtet Jacques de Molay in einem Brief an den König von Aragon von neuerlichen Anstrengungen der syrischen Christen, allen voran König Hethoums von Armenien, ein militärisches Bündnis mit den Mongolen gegen die Muslime zu schmieden. Beeindruckt von dem Eifer der Templer schenkte ihnen Papst Bonifatius VIII. die der Kirche von Tortosa gehörigen Besitzungen auf Ruad. Trotz aller hier errichteten Befestigungsanlagen war die Insel letztlich nicht zu halten, nachdem die konzertierte Aktion mit den Mongolen nicht realisiert werden konnte. Im September 1303 wurde Ruad nach heftigen Abwehrkämpfen durch ein mamelukisches Kontingent erobert. Unter anderem der Marschall des Ordens Barthelemy de Chinsi fand hierbei den Tod. Ein Ordensritter namens Hugues d'Empurias übernahm das Kommando und handelte mit den Siegern schließlich freien Abzug aus. Entgegen des Versprechens wurden die syrischen Hilfstruppen der Templer hingerichtet, die überlebenden Ordensbrüder selbst nach Ägypten gebracht und dort eingekerkert. Alle Nichtkombattanten fanden sich auf den Sklavenmärkten wieder. Die letzten inhaftierten Templer kamen nach langen Anstrengungen ihrer Familien und Freunde, die sich um den Loskauf bemüht hatten, erst frei, als der Orden bereits aufgelöst war.

Reste der Burganlage sind heute noch zu finden, allerdings überbaut und in anderen Gebäuden verbaut. Der alte Torbau wurde zum Beispiel in eine Moschee umfunktioniert. Die Ruine der Burgkapelle zeigt schöne gotische Rippen.

 

 

Tartus mit der vorgelagerten Insel Ruad, links im Bild, Anfang des 21. Jahrhunderts.
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 73-77.
  • Claverie, Pierre-Vincent: "La cristiandat en mayor peril" ou la perception de la question d'Orient dans la Catalogne de la fin du XIIIe siècle, in: Les Templiers en pays catalan, hrsg. v. Vinas, R., Verdon, L. u.a., Perpignan 1998, 81-123.
  • Deschamps, P.: Romanik im Heiligen Land. Burgen und Kirchen der Kreuzfahrer, Würzburg 1992.
  • Nicole, D.: Crusader Castles in the Holy Land 1192-1302, New York 2005.

 

Tempelachim (Komturei, Deutschland)

Der Ort Tempelachim ist nicht identisch mit dem heutigen Ort Achim in Niedersachsen (im Mittelalter geläufig unter der Bezeichnung 'Osterachem'), sondern mit dem heutigen Ortsteil 'Tempelhof' des nahegelegenen Hornburg. Eine Niederlassung der Templer bestand hier seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wie sich aus dem Urkundenbestand des Staatsarchivs Wolfenbüttel ergibt: So ist in einer Urkunde aus dem Jahr 1231 nachzulesen, dass Probst Walter und der Konvent des Klosters Dorstadt die Villa Ricmiderode im Steinfelde (jetzt Tempelhof genannt, bei Achim südlich von Böhrsum) mit Genehmigung des Bischofs Hartbert von Hildesheim, des Grafen Heinrich von Schladen und des Voigts Dietrich von Vlote in Heiningen vor dem Konvent des dortigen Klosters an die Brüder vom Templerorden verkauften. Durch eine Urkunde aus dem Jahr 1257 wird bekannt, dass Burggraf Burchard zu Querfurt dem Haus der Templer eine Hufe zu Tempelachim und eine halbe Hufe zu Osterachem (jetzt Achim) übergibt. Für das Jahr 1261 ist die Übereignung von zwei weiteren Hufen in Osterachem durch Bischof Volrad von Halberstadt belegt. 1263 schenkt Bischof Volrad von Halberstadt mit Zustimmung des Kapitels schließlich den Templern den gesamten Zenten zu Osterachem.

Artikel v. F. Sengstock

Komture:

~ 1303 Friedrich von Meyendorf

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Hoogeweg, Hermann: Verzeichnis der Stifter und Klöster Niedersachsens vor der Reformation umfassend die Provinz Hannover, die Herzogtümer Braunschweig und Oldenburg, die Fürstentümer Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe, die freien Städte Bremen und Hamburg und Hessisch-Schaumburg, Hannover und Leipzig 1908, unveränderter Nachdruck 1986.
  • Niedersächsisches Staatsarchiv, Wolfenbütteler Urk. 33/2.
  • Regesten und Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertum; XXIII. Jahrgang 1890, S. 251
  • Urkundenburch der Stadt Braunschweig II, n. 515 Urkundenbuch des Hochstifts Halberstadt, hrsg. von G. Schmidt Bd. II, S. 247 und folgende sowie S. 276
  • Heutger, N.: Die Templer in Niedersachsen, in: Die Ritterorden im Mittelalter, Greifswald 1996, 97-109.

 

 

Tempelburg (=Czaplinek, Komturei, Polen)

Tempelburg (auch: Czaplin, Czaplinko, Czaplinek) befindet sich in Westpommern, zwischen dem Fluss Drage und Kuddow.

Die Niederlassung entstand nach einer Landschenkung durch Herzog Przemyslaw III. im Jahr 1286. Auf diesem Grundbesitz am Dratzigsee errichtete der Orden eine hölzerne Wehranlage, die später unter dem Namen "Tempelborch" erwähnt wurde. Nach Röhrchen (=Rurka) entwickelte sich bis 1290 Tempelburg zur zweiten Komturei in Pommern. In einer Urkunde von 1291 erhielt der damalige Provinzmeister Bernhard von Eberstein vom Bischof von Posen die Erlaubnis, auf dem Tempelburger Land Kolonisten aus dem Westen anzusiedeln. Nach der Aufhebung des Ordens ging der Tempelburger Besitz zunächst nicht an die Johanniter, sondern wurde von Markgraf Waldemar von Brandenburg in Beschlag genommen und an Vasallen weiter verlehnt. Erst im Jahr 1345 erhielt der Johanniterorden das ihnen zu stehende Land, jedoch als brandenburgisches Lehen. 1366 wurde Tempelburg von den Johannitern zwecks Schuldentilgung verkauft.

1965-66 fanden archäologische Untersuchungen in Tempelburg statt, bei der Steinfundamente in der Umgebung der heutigen Dreifaltigkeitskirche entdeckt wurden, deren templerischer Ursprung aber nicht zweifelsfrei festgestellt werden kann. Ein dort befindliches befestigtes Haus (castrum), wird erst in einem Dokument aus dem Jahr 1345 erwähnt.

Komture:

~1303 Nicolaus


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates, 16. Band - 1. Heft Berlin, Posen und Bromberg 1835
  • Breitsprecher, Albert: Die Komturei Rörchen - Wildenbruch / Geschichte des Landes Bahn und Wildenbruch, 1940
  • Kratz, Gustav: Die Städte der Provinz Pommern. Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden, Berlin 1865
  • Lehmann, Gunther & Patzner, Christian: Die Templer im Osten Deutschlands, Erfurt 2005
  • Spieker, Christian Wilhelm: Kirchen- und Reformations- Geschichte der Mark Brandenburg I. Teil, Berlin 1839

 

 

Tempelhof b. Berlin (Komturei?, Deutschland)

Keine Urkunde aus Templerzeit zeigt das Dorf Tempelhof und die umliegenden weiteren Dörfer Mariendorf und Marienfelde im Besitz des Ordens. Erst im 14. Jahrhundert sind sie als Niederlassungen und Güter der Johanniter verzeichnet, 1344 Tempelhof als Komturei der Johanniter. Dies und der Name des Dorfes führten zum Rückschluß, daß es sich um alten Besitz der Templer handele. Geologischen Untersuchungen zufolge war der Bereich um Tempelhof vor 1200 nicht besiedelt. Erst Mitte des 13. Jahrhunderts lassen sich deutsche Siedlungsspuren finden. Dementsprechend war eine Aufgabe des Templerordens die Urbarmachung und Neubesiedlung der Ländereien und Christianisierung der Slawen, woraus sich die Anwesenheit der Templer auf frühestens Anfang des 13. Jahrhunderts schließen lässt.

Ein päpstliches Privileg von 1247 erwähnt Tempelhof allerdings noch nicht, wohl aber die östlich in der Nähe gelegenen Komtureien Lietzen und Quartschen. Einen ersten möglichen Hinweis für die Existenz des Ordenshofes der Templer in Tempelhof findet sich in einer Walkenrieder Urkunde vom 29.04.1247. In dieser überträgt der Bischof Routger von Brandenburg dem Kloster Walkenried die Abgabe des Zehnten von 100 Hufen in der Uckermark. Als Zeugen für diese Schenkung wird nach den Äbten der Klöster Zinna und Lehnin auch ein "Magister Hermannus de Templo" genannt. Es könnte sich dabei aber auch um die Herkunftsbezeichnung aus 'Templow' handeln.

1288 erhielt der Orden vermutlich durch eine Schenkung der Markgrafen von Brandenburg, Otto V. und Albert, das Patronatsrecht über eine Kirche in Berlin. Ein urkundlicher Nachweis darüber existiert leider nicht mehr und somit kann die "Berliner Kirche" nicht näher definiert werden.

Die erste überlieferte namentliche Erwähnung des Ortes Tempelhof, immer noch ohne Bezug zu den Templern, stammt erst aus dem Jahre 1290: es handelt sich um eine Wandinschrift im Franziskanerkonvent zu Berlin. Die Forschung ging lange Zeit davon aus, daß es sich bei Tempelhof um eine Gründung des Fürstengeschlechts der Askanier gehandelt habe, mit der Absicht der Grenzsicherung des Teltower Raums gegen die Wettiner. Allerdings lassen sich keine Bindungen der Askanier an den Templerorden nachweisen, wohl aber bei den Wettinern und den Grafen von Brehna. Man wird also eher davon ausgehen können, daß Tempelhof durch eine Schenkung von dieser Seite ins Leben gerufen wurde. Die Niederlassung lag in der Nähe der Straße nach Teltow, aber zu weit entfernt, um etwa effektive Kontrolle ausüben zu können.

Der Umfang des Tempelhofer Ordensbesitzes betrug rund 175 Hufen Land. Dazu
gehörten die Orte Tempelhof, Marienfelde, Mariendorf und Rixdorf. Nach einem kurzen Interim im Besitz des Markgrafen Woldemar gingen die ehemaligen Templergüter von Brandenburg, darunter auch Tempelhof, 1318 an die Johanniter über.

(Quelle: Adriaan von Müller: Berlin im Mittelalter, 1979, S. 317, Wikipedia)

Architektonisch glich die Komturei vermutlich einer kleinen Wasserburganlage, die von Osten über eine Brücke mit Torhaus zu erreichen war. Die ursprünglich spätromanisch-frühgotische Kirche von Tempelhof wurde im 18. und 19. Jahrhundert stark verändert (u. a. durch den Einbruch neuer Fenster). Archäologische Grabungen konnten den Beweis für einen mit Westturm ausgestatteten Vorgängerbau, entstanden vielleicht gegen 1220, erbringen, der einen ersten hölzernen Kirchenbau ersetzte. Um 1235 begann man mit einem Neubau, der zwischen 1239 und 1245 kurz vor seiner Fertigstellung abbrannte. Ab Mitte des 13. Jhs. fand der Wiederaufbau - diesmal ohne Turm - statt. Schwere Zerstörungen im II. Weltkrieg sorgten dafür, daß heute nur noch Reste der Außenmauern aus mittelalterlicher Zeit erhalten sind, die übrige Kirche ist eine Rekonstruktion aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Rekonstruktionsversuch von W. Hensel, 1875, Umsetzung v. 1951 (Quelle: www.templer-berlin.de)

Wie fast mit jeder den Templern gehörigen oder ihnen nur zugeschriebenen Niederlassung knüpfen sich auch an Tempelhof Sagen. Die angebliche Templergruft unter der Kirche entpuppte sich bei Untersuchungen allerdings als Kellergewölbe aus dem 18. Jahrhundert, und auch die meisten gefundenen Bestattungen stammen aus dem 19. Jh.. Innerhalb der Kirche (Westteil und Apsisraum) wurden ältere Grablegen entdeckt, datierbar in das 13. bis in das 17. Jh. Keine von ihnen konnte als eindeutige Templerbestattung identifiziert werden. Möglicherweise handelt es sich bei den mittelalterlichen Bestattungen, unter ihnen das Skelett einer älteren Frau, um Wohltäter der Niederlassung.

 

 

Die rekonstruierte Kirche von Tempelhof (Bildquelle/Copyright: H. Walther) Apsis, um 1930 (Bildquelle/Copyright: Bundesarchiv, Wikipedia)
Artikel v. F. Sengstock u. A. Napp

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Feustel Jan: Mit dem Kreuz auf der Rüstung. Ordensritter in Brandenburg, Berlin 2005
  • Gebuhr, R.: Templer und Machtpolitik. Bemerkungen zur Kommende Tempelhof im Süden Berlins, in: Gahlbeck, Chr., Heimann, H.-D., Schumann, D. (Hrsg.): Regionalität und Transfergeschichte. Ritterordenskommenden der Templer und Johanniter im nord­östlichen Deutschland und in Polen, 2014, S. 121-139.
  • Heimann, H.-D., Neitmann, K. u.a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, 2 Bde., Berlin 2007, Bd. 2, S. 1275 - 1287. (mit ausgiebigen Quellenangaben)
  • Hoppe, Marion (Hrsg.): Berlin. Die Dorfkirche Alt-Tempelhof, 2012
  • Metz, Heiko: Hermannus de Templo und Tempelhof: eine Untersuchung zur Ersterwähnung des gleichnamigen Dorfes auf dem Teltow, in: Mitteilungsblatt der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg 102 ( 2001 ) S. 73 - 87
  • Riedel, Adolf Friedrich ( Hrsg ): Geschichte der geistlichen Stiftungen, der adligen Familien, so wie der Städte und Burgen der Mark Brandenburg = Codex diplomaticus Brandenburgensis - Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten I. Hauptteil 13. Band Berlin 1857, S. 316.

 

 

Tempelstein (=Templštejn, Komturei, Tchesch. Republik)

Seit wann sich die Burg im Besitz der Templer befand, ist unbekannt, spätere Autoren nennen die Mitte des 13. Jhs. Urkundlich erwähnt wird sie erstmalig am Ende des 13. Jhs., im Jahre 1298. Es handelte sich um eine turmlose sogenannte "Mantelmauerburg" auf einem Felssporn über dem Fluss Iglau. Vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. wurde die Komturei aus dem nahegelegenen Gemoliz (=Jamolice) auf die Burg verlegt. Zu Tempelstein gehörten mehrere Dörfer: Dobrzinsko, Petrowitz und Popowitz, sowie ein Teil von Swatoslau, außerdem die Patronatsrechte über Kirchen in Ober-Dubnian, Dobrzinsko, Dukowan und Gemoliz. Laut Horky gehörte zur Burg ein an deren Fus gelegenes Dorf namens Tempelstein.

Nach dem Ende des Ordens gelangte die Burg nacheinander in den Besitz lokaler weltlicher Herren und wurde mehrfach umgebaut und erweitert. Nach einem Brand im 16. Jhd. verkam sie zur Ruine.

Burgruine Tempelstein (Bildquelle/Copyright: Melichar, Templer)

Karte

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Horky, Joseph, Edmund: Die Tempelherren in Mähren. Sagen, Untersuchungen, Geschichte, Zuaim 1845, S. 145, 173ff. Online
  • Melichar, J. alias Böhmischer Templer : "Templáří v zemích českých králů - ČECHY / Die Templer in den Ländern der tschechischen Könige – Böhmen", Beroun 2009

 

 

Templecombe, Templecombe-Kopf

In Templecombe, einem Dorf im englischen Somerset, befand sich seit 1185 eine Niederlassung des Templerordens, hervorgegangen aus der Schenkung eines Serlo Fitz Odo. Die Konventkirche der Templer diente gleichzeitig als Pfarrkirche für die Dorfbewohner.
Aus dem Jahr 1256 ist ein Streitfall der Templer mit einem gewissen William de Stures of Worle überliefert, in dem William die Templer von Combe anklagt, ihn zur Besiegelung einer großen Schenkung an den Orden gezwungen zuu haben. Der Rechtsspruch erging in diesem Fall zugunsten der Templer, die das strittige Land behalten durften (Somerset Rec. Soc. XI, 400).
Anfang 1308 wurden die Mitglieder der Komturei wie die übrigen Brüder im Herrschaftsbereich des englischen Königs verhaftet und nach London gebracht. Der letzte Komtur von Templecombe, William de Burton, und zwei Ritter der Komturei wurden wurden nach Aufhebung des Ordens zu lebenslänglicher Einkerkerung im Tower verurteilt.
1332 ging Templecombe mit seinen Besitzungen an die Johanniter und verblieb dort bis zur Säkularisierung unter Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert.

Berühmtheit erlangte Templecombe wegen des gegen Ende des II. Weltkrieges dort in einem Schuppen gefundene 'Templecombe-Portrait', eine Kopfdarstellung auf einem Holzpanel, in welchem einige Forscher das Abbild des Grabtuchs von Turin zu erkennen glaubten. Unter anderem Baima Bollone (1985) und Frale (2009) behaupteten, dass der Fundort der hölzernen Tafel zur ehemaligen Komturei, bzw. der Kirche der Templer gehört habe. In Wahrheit lag die Templerniederlassung jedoch - archäologisch nachgewiesen - an einem anderen Platz etwa 300 Meter entfernt. Der Schuppen mit dem Bild lag außerhalb der Umfassungsmauer der Komturei und mit Sicherheit außerhalb der Kirche, die übrigens noch im 18. Jh. stand.

Ob das Templecombe-Portrait in irgendeiner Beziehung zu den Templern oder ihren Rechtsnachfolgern, den Johannitern, stand, kann anhand der Örtlichkeit nicht geklärt werden. Das Holz des Panels zumindest wurde mit der
Radiocarbonmethode auf einen Intervall zwischen 1280 und 1440 datiert, wobei das Gemälde noch später angebracht worden sein kann. Ikonographisch gesehen gibt es keine Anhaltspunkte, den Templecombe-Kopf als Darstellung Christi oder noch genauer des Grabtuchs von Turin zu interpretieren.


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • 'House of Knights Templar: The preceptory of Templecombe', in: A history of the county of Somerset, Vol. II (1911), S. 146f.
  • Napp, A.: Templermythen - und was dahinter steckt, München 2010, S. 88ff.
  • Nicolotti, A.: I Templari e la Sindone, storia di un falso, Rom 2011, S. 78-85.
  • Wilkins, D.: Concilia Magnae Britanniae et Hiberniae, ab anno 1268-1349, Bd. II, London 1737, 329-348.

 

Templerinnen

Die Assoziierung von Frauen als Mitschwestern untersagte bereits die lateinische Fassung der Ordensregel der Templer. Dort heisst es in Paragraph 56 (53 der französischen Übersetzung):
"Sorores quidem amplius periculosum est coadunare, quia antiquus hostis faemineo consortio complures expulit ex recto tramite Paradisi. Itaque Fratres charissimi, ut integritatis flos inter vos semper appareat, hac consuetudine amodo uti non liceat." (Sich weiterhin Schwestern beizugesellen betrachten wir als gefährlich, denn der alte Feind hat über die Gesellschaft der Frauen schon Viele vom rechten Weg ins Paradies abgebracht. Daher, geliebte Brüder, soll dieser Brauch von jetzt an nicht mehr erlaubt sein, damit die Blume der Reinheit vollkommen unter euch blühe.)
Aus dem Grunde, weibliche Gesellschaft zu meiden erklärt sich auch der Passus der Regel über Patenschaften, der in dieser Form aber auch in anderen Mönchsorden geübt wurde.

Nichtsdestoweniger kennt man einige Ehepaare oder alleinstehende Frauen, die 'Donaten' der Templer wurden und als solche bei den Ordenshäusern wohnten. Aber es gibt auch einige wirkliche Ordensschwestern, die die monastischen Gelübde ablegten! Die Templerkomturei von Rourell in Katalonien beispielsweise wurde von einer Schwester geleitet (Ermengard d'Oluja)-- ein einzigartiger Fall in der Geschichte des Ordens, zumal Rourell kein unbedeutendes Haus war. Reine Frauenklöster, die sich den Templern angeschlossen hatten, existierten in Perugia in Norditalien, und in Mühlen in Deutschland. Die Templerschwestern von Mühlen wurden 1272 aus dem Cistercienserorden gelöst und den Templern unterstellt. Noch 1324, 12 Jahre nach der Aufhebung des Ordens, weigerten sie sich, zu den Johannitern überzutreten.

So wie auf diesem modernen romantisierenden Gemälde sah es nicht aus: Die 'Templerinnen' trugen nicht die weiße Ordenstracht, diese war den Rittern vorbehalten, und sie zogen auch nicht mit in den Kampf.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Cerrini, S.: Le sorores Templi, in: DIP 7, Sp. 896-898.
  • Forey, A. J.: Women and the Military Orders in the twelfth and thirteenth centuries, in: Studia monastica XXIX (1987), 63-92.
  • Sans y Travé, J. M.: El Rourel, una preceptoria del Temple, in: Boletín Arqueologico 4 (1976/77), 133-201.
  • Tommasi, F.: Il monastero femminile di San Bevignate, in: Templari e Ospitalieri in Italia. La chiesa di San Bevignate a Perugia, Milano 1987, 53-78.
  • Tommasi, F.: Uomini e donne negli ordini militari di Terra Santa. Per il problema delle case doppie e miste negli ordine Giovannita, Templare e Teutonico, in: Doppelklöster und andere Formen der Symbiose männlicher und weiblicher Religiosen im Mittelalter, ed. Elm, K., Berlin 1992, 177-202.

 

 

"Templer aus Tyrus"

Mit diesem Namen bezeichnet man den anonymen Autor einer Chronik, die die letzten Jahrzehnte der Lateiner im Heiligen Land beschreibt. Sein Bericht setzt um 1240 ein, aber aus eigener Erfahrung spricht er erst ab dem Jahr 1269. 1273 befand er sich in Akkon und erzählt die Wahl Guillaumes de Beaujeu zum Meister des Templerordens. 1285 spätestens ist der Autor Sekretär dieses Meisters geworden und damit Mitglied seines persönlichen Gefolges. Wahrscheinlich ist er selbst ein Servient des Ordens, aber es ist auch möglich, daß es sich um einen Affiliierten oder einen auf Zeit Dienenden handelt. Auf jeden Fall ist der "Templer aus Tyrus" voller Lob für Guillaume de Beaujeu. Er beschreibt die Einnahme von Tripolis und die letzten Anstrengungen der Templer 1291, Akkon gegen die Truppen von Sultan Baibars zu halten. Mit bewegenden Worten schildert er den Tod von Guillaume de Beaujeu und den Fall von Akkon.
Danach suchte der Autor Zuflucht in Zypern. Er berichtet noch den Feldzug gegen Ägypten im Jahre 1300 und die Eroberung der Insel Rouad durch die Templer. Nichts Konkretes sagt der Chronist über den Prozess gegen den Orden: nichts über die Anklagepunkte, nichts über irgendein Verfahren auf Zypern oder in Frankreich. Nichtsdestoweniger nennt er das nackte Datum, an dem der Orden aufgehoben wurde und die Tatsache, daß man 37 Brüder und den Meister Jacques de Molay, sowie den 'Komtur der Gascogne' in Paris verbrannt habe. Er endet mit den Worten, daß der Allmächtige Gott wisse, daß sie unschuldig und Martyrer seien. Hatte der Chronist zu diesem Zeitpunkt den Orden bereits verlassen und konnte daher nichts genaueres zu den Ereignissen sagen? Oder schwieg er aus Vorsicht? Man weiß nicht, wo und unter welchen Umständen sein Leben endete.

Vollständige Textquelle auf Altfranzösisch

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Les Gestes des Chiprois. Recueil de Chroniques françaises écrites en Orient, ed. Raynaud, G., Paris 1887, 141-334 (Edition).

 

Thors (Komturei, Frankreich)

Urkundlich belegt ist der Orden hier seit 1178. Zu den Donatoren gehört auch Gottfried IV von Joinville, der die Templer 1189 bedachte. Die große Komturei hatte Besitzungen in Beurville, Fresnay, Lévigny, Arrentières, Bar-sur-Aube und Ville-sur-Terre sowie Wassy. Die Gebäude wurden ab dem 16. Jh. zerstört.

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Leroy, Thierry: Hugues de Payns, chevalier Champenois, Fondateur de l'Ordre des Templiers, Troyes 2001.

 

 

Tirol

s. Italien, Nord und Österreich

 

Tomar (Komturei, Portugal)

Diese ab 1160 erbaute Burg in Portugal wurde zum Hauptsitz des portugiesischen Ordenszweiges und später weiter ausgebaut durch die von König Dinis I. gegründete Nachfolgeorganisation der Christusritter. Die ursprüngliche Kernburg mit Wehrturm auf rechteckigem Grundriss und Ringmauer ist noch in Teilen erhalten. Tomars Prunkstück ist noch immer die alte Rundkirche (Ende des 12. Jhs.-Anfang 13. Jhs.), die im Inneren einen weiteren oktogonalen Bau beherbergt: ein achteckiger Kernbau mit sechzehneckigem Umgang. Vorbild für den Bau war, wie anhand der verwendeten Zahlenkombinationen festzustellen ist, eindeutig die Heilig-Grab-Rotunde in Jerusalem. Innerhalb der Burgmauern gab es vermutlich Ende des 13. Jahrhunderts auch eine kleine Gemeinschaft weiblicher Templer namens Santa Maria do Castelho. Das heutige Tomar ist geprägt vom manuelinischen Stil und stellt ein eindrucksvolles Wehr-Kloster dar. Auch die Fresken der Rotunde stammen aus dem 16. Jahrhundert.

O.: Die Rotunde von Tomar mit den Zubauten aus der Christusritterzeit. U.: Befestigungsmauern von Tomar - Zustand 1994. (Bildquelle/Copyright: A. Napp)

Die Aussenmauern der Rotunde (Bildquelle/Copyright: H. Walther). Gut sichtbar die beiden Bauetappen vor und nach der moslemischen Belagerung von 1190.

 

Innenansicht der Rundkirche von Tomar mit dem inneren Oktogon. Freskendekoration und Stuckverzierungen aus Christusritterzeit (Bildquelle/Copyright: Alvesgaspar, Wikimedia Commons)

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 120f.
  • Pedrosa dos Santos Graca, L. M.: Convento de Cristo, Lissabon 1991.

 

Film aus der Reihe "Schätze der Welt" HIER

 

Topfstedt

siehe Obertopfstedt

 

Toron des Chevaliers (=Latrun, Burg, Israel)

Die Burg wurde an der Kreuzung der Straßen von Jaffa, bzw. Askalon nach Jerusalem, etwa 15 km westlich der Heiligen Stadt errichtet. Wann genau der Bau begonnen wurde, ist nicht überliefert. Erstmalig erwähnt wird Toron des Chevaliers um 1170 im Reisebericht Benjamin von Tudelas. Die Burg befand sich unter den Lösegeldforderungen für die Freilassung des Ordensmeisters Gerard de Ridefort, der nach der Schlacht von Hattin von Saladin gefangen genommen worden war. 1191 räumen die muslimischen Truppen die Burg vor dem heran nahenden Kampfverband Richard Löwenherz', zerstören diese aber vorher weitgehend. Während der folgenden Jahre wechselt die Burg, bzw. der Burghügel, mehrfach den Besitzer und wird erst nach dem zwischen Friedrich II. und Sultan Al-Kamil 1229 geschlossenen Vertrag den Templern zurück gegeben. 1244 geht der Platz endgültig in muslimische Hand über.

Der älteste Teil der Burg bestand aus einem nahezu quadratischen Wehrturms mit je 14 m Seitenlänge und 3 m starken Mauern. Das noch erhaltene Untergeschoss ist tonnengewölbt. Den Turm umgab ein Hof von 55x72 m mit ebenfalls tonnengewölbten Laubengängen, die vermutlich ein zweites Geschoss trugen. Nach den baulichen Überresten zu urteilen, war der Hauptturm durch einen Zwinger geschützt. Die Kernburg war von einer äußeren Ringmauer mit Türmen umgeben. In einem der Türme der Umfassungsmauer befand sich vielleicht eine Kapelle.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Kessler, H. W., Kessler, K.: Ritter im Heiligen Land. Kreuzfahrerstätten in Israel, Mainz, 2013

 

 

Torricella Verzate (Komturei, Italien)

Die Niederlassung befand sich auf der Straße nach Rom, zwischen Voghera und Stradella. 1227 sandte die Komturei ihr Oberhaupt zum Provinzialkapitel nach Cabriolo - dies ist die erste urkundliche Erwähnung der Niederlassung.

Die Kirche der Komturei - später im Besitz der Johanniter, war der Hl. Maria geweiht und hatte noch Ende des 18. Jh.s ein einzelnes Schiff und eine flache Holzdecke.

Komture (nach Bellomo):

~1227 Guido di Parma
~1268-1271 Oviliero
~1281 Bianco da Pigazzano


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bellomo, Elena: The Templar Order in North-West Italy, 2007, S. 327ff.

 

 

Torroja, Arnaud de (M)

Arnaud de Torroja entstammte dem katalanischen Adel und war mit dem aragonesischen Königshaus verwandt. Bevor seiner Wahl zum Ordensmeister hatte er bereits 13 Jahre lang Erfahrung als Provinzmeister der Provence und Kataloniens gesammelt. Seine Amtsführung ist in einem großen Kartular überliefert. Er wurde in Abwesenheit gewählt, ein Verfahren, daß durch die schweren Verluste des Ordens in den Einsätzen gegen Saladin 1179 und 1180 notwendig geworden war: Im Orient fand sich kein geeigneter Mann mehr für dieses Amt. Erst 1181 kam Arnaud de Torroja ins Heilige Land, aber schon 1184 wurde er nach Europa gesandt, um Hilfe für das bedrohte Königreich Jerusalem anzuwerben. Er starb noch im selben Jahr in Verona.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bulst-Thiele, M. L.: Sacrae Domus Militiae Templi Hierosolymitani Magistri, Göttingen 1974, S. 99-105.

 

 

Tortona (Komturei, Italien)

Bereits im 12. Jh. gibt es Hinweise auf die Anwesenheit von Templern in der Region. Die Niederlassung von Tortona wurde jedoch erst im Jahr 1252 gestiftet, als der Ortsbischof ein Hospital und eine Kirche unter dem Titel des Hl. Jakobus außerhalb der Stadtmauern, dem Komtur von Pavia, Enrico di Ponzone, übereignete. Im Gegenzug hatten die Templer eine jährliche Pacht zu bezahlen, sowie im Falle von in der Stadt verhängten Kirchenstrafen dem Bischof Gehorsam zu leisten - eine Ausnahmeregelung innerhalb der Exemtion des Ordens.

Eine delikate Situation ergab sich zur Zeit des Prozesses, als die Komturei unter inquisitorische Verwaltung gelangte, denn der beauftragte Steuereintreiber war ausgerechnet der Komtur der Johanniterniederlassung von Tortona. Die Stadtbevölkerung stand auf Seiten der Templer und schützte den Komtur. Der Inquisitor beschwerte sich, welche Probleme man ihm bei der Erfüllung seiner Pflicht bereitete, und dass er sogar mit dem Tode bedroht worden sei.

Die Niederlassung wurde zum Teil zusammen mit den Häusern von Pavia und Casei Gerola verwaltet. Das während der Inquisitionsverwaltung aufgestellte Inventar zeigt, dass die Niederlassung ungefähr 40 Häuser in der näheren Umgebung besaß, und auch Pachtgelder für Gemüsefelder und Weinberge empfing. Weitere Einkünfte kamen aus dem Verkauf von Getreide, Heu und Wein. Leider geben die Dokumente aus der Zeit des Prozesses keinen Hinweis darauf, ob das Hospital noch existierte. Nach dem Prozess kamen sämtliche Besitzungen der Templer in Tortona an die lokale Johanniterkomturei.

Komture (nach Bellomo):

~1268 Giacomino di Tortona

 


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bellomo, Elena: The Templar Order in North-West Italy, 2007, S. 338ff.

 

Tortosa (Komturei, Spanien)

1148 wurde die Stadt von den Christen zurückerobert und schon wenig später erhielten die Templer hier erste Schenkungen, die 1175 von königlicher Seite weiter ausgebaut wurden. 1182 übereignete der König dem Provinzmeister von Aragon-Katalonien schließlich die gesamte Stadt Tortosa, inklusive aller Rechte und Einnahmen und der Festung über der Stadt - mit Ausnahme derer, die sich die Krone reservierte, und jener, die der Familie Moncada gehörten. Zunächst aber behielt die Königinmutter Sancha Tortosa auf Lebenszeit, denn die Stadt war ihr als Teil der Mitgift zugesprochen worden, über die sie nach ihrer Witwenschaft verfügen konnte. Auch nach ihrem Tod 1208 erhielt der Orden die Stadt nicht zurück, denn König Pere I. 1208 gab sie seinem Gefolgsman Guillem de Cervera, was infolge zu Konflikten führte. Diese wurden 1210 dahingehend gelöst, dass Cervera den Templern den Lehenseid leistete und überdies die Herrschaft nach Aussterben seines Hauses wieder dem Orden zufalle. Auch die Co-Herrschaft der Familie Moncada wandelte sich im Laufe des 13. Jahrhunderts eher in ein lehensrechtliches Verhältnis, so dass über die faktischen Herren Tortosas kein Zweifel bestehen kann.

Infolgedessen entwickelte sich die Komturei von Tortosa zu einer der Bedeutendsten in Katalonien. Zur Hochzeit der Komturei befanden sich ungefähr 20 Brüder in Tortosa, davon etwa 10 Ritter. Donati, unter ihnen auch einige Frauen, gehörten ebenfalls noch zur Gemeinschaft.
1294 sahen sich die Templer durch wachsende Eingriffe seitens des Königshauses und dem Emanzipationswillen der Städter veranlaßt, ihre Herrschaft über Stadt und Gebiet an Jayme II. abzutreten. In der zu diesem Anlaß ausgefertigten Urkunde erklärt der Provinzmeister Berengar de Cardona, dass keine Herrschaft einer beständig weiter ausgehöhlten vorzuziehen sei. Die Entscheidung blieb innerhalb des Ordens nicht unumstritten und Berengar de Cardona holte sich schließlich die ausdrückliche Erlaubnis des Meisters Jacques de Molay ein, so dass die Transaktion stattfinden konnte. Im Austausch erhielten die Templer unter anderem Peniscola.
Auch nach der Aufgabe der Herrschaftsrechte über die Stadt blieb die Komturei bestehen, verlor allerdings an Bedeutung und Mitgliederzahl. Im Dezember 1307 wurden die Brüder von Tortosa auf königlichen Befehl in ihrem Haus festgesetzt, und in den folgenden Wochen einige weitere Templer ebenfalls hier untergebracht. Nach dem Prozess und der Aufhebung des Ordens lebten ebenfalls einige Brüder in der Komturei von Tortosa, mit Pension durch die Johanniter.

Die heute touristisch gut erschlossene Burganlage von Tortosa ist NICHT der alte Templersitz - dieser ist nicht erhalten!

Siegel von Tortosa: (erhalten vom Ende des 13. Jh.s) zeigte ein Kreuz.

Komture von Tortosa:

~1216 Pere Aldabert
~1216-1219 Ramon d'Avinyo
~1219-1225 Rastany de Coms
~1226 Guillem de Sant Pastor
~1227-1228 Ponç der Cervera
~1228-1229 Dalmai de Fonollar
~1230-1234 Arnau de Curçavell
~1234 Ramon de Llunell
~1234 Pere de Molina
~1235-1236 Ramon de Serra
~1237 Guillem d'Aguiló
~1238-1239 Bernat de Llunell
~1239-1240 Rastany de Coms
~1240-1242 Ponç de Voltrera
~1242 Gascó
~1243 Ponç de Voltrera
~1243 Pere de Montpalau
~1244-1245 Bernat d'Altariba
~1245 Ramon de Serra
~1246 Ponç de Voltrera
~1248-1249 Pere de Montpalau
~1250-1258 Guillem de Montgrí
~1258 Ramon de Villalba
~1259-1260 Bernat d'Altariba
~1260-1264 Dalmai de Fonollar
~1265 Bernat d'Altariba
~1268-1272 Dalmai de Seró
~1272-1274 Gallard de Josa
~1275 Dalmai de Seró
~1276-1277 Guillem de Benages
~1278 Bernat de Rocamora
~1279-1281 Guillem d'Abellars
~1285 Bernat de Montoliu
~1286-1287 Ramon Oliver
~1289 Bernat de Rocamora
~1290-1292 Ramon Oliver
~1292-1295 Ramon de Belloc
~1295-1298 Berengar Guamir
~1304 Berengar de Gelida


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur

Pagarolas i Sabaté, L.: Els Templers de les terres de l'Ebre (Tortosa), Tarragona 1999 (2 Bde.)

s. auch: Aragon


Trapessac (= Darbsak, Burg, Türkei)

Trapessac, das wie das in der Nähe gelegene Gaston den Weg nach Syrien schützen sollte, hat eine abenteuerliche Geschichte. Ende des 11. Jahrhunderts auf dem 1. Kreuzzug erobert, wurde die Burg bald durch den Fürst von Antiochien an die Templer übergeben. 1168 wurde es von einem armenischen ehemaligen Templer im Dienst des Sultans Nur-ad-Din erobert. Erst nach seinem Tod 1175 konnten die Ordensritter wieder einziehen. Bereits 1188 fiel die Anlage nach einer harten Belagerung an Saladin, wechselte zwar noch einmal in armenische Hand, kam aber trotz heldenhafter Rückeroberungsversuche nicht mehr an die Templer zurück.

Von der Burganlage sind heute nur noch spärliche Reste erhalten.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Biller, T.: Templerburgen, Darmstadt 2014, S. 68-72.

 

 

Tremelay, Bernard de (M)

Bernard de Tremelay kam aus dem mittleren Adel Burgunds und wurde 1152 zum Meister gewählt, ohne daß er zuvor irgendein Amt im Orden innegehabt hätte. Der Grund seiner Wahl ist vermutlich darin zu sehen, einen ausgleichenden Faktor zwischen dem König von Jerusalem Baudoin III. und seiner Mutter Melisande zu finden, die sich einen erbitterten Krieg lieferten und so die Stabilität des Heiligen Landes gefährdeten. Möglicherweise war er am Bau der Burg Gaza beteiligt, die in dieser Zeit zum Schutz gegen Einfälle aus Ägypten errichtet wurde. Bernard de Tremelay fiel beim Angriff auf Askalon 1153, doch ermöglichte der Einsatz seiner selbst und seiner Ordensbrüder die Eroberung der Stadt, auch wenn Wilhelm von Tyrus ein halbes Jahrhundert später 'Habgier' als Grund für diese Aktion Tremelays nennt.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bulst-Thiele, M. L.: Sacrae Domus Militiae Templi Hierosolymitani Magistri, Göttingen 1974, S. 53-56.

 

 

Trier (Komturei, Deutschland)

Die Komturei von Trier wird erstmalig in zwei Urkunden aus dem Jahr 1228 erwähnt. Der Hof soll sich in der Nähe der alten römischen Moselbrücke befunden haben. Die eine der beiden erhaltenen Urkunden, ausgestellt am 14.07.1228, beleuchtet das Verhältnis der Templer zur Ortsgeistlichkeit: sie behandelt einen Streitfall zwischen dem Domkapitel von Trier und dem Templerhaus. Gegenstand der Zwistigkeiten war eine Wiese in der Nähe einer Brücke zu "Wavere", auf die zum einen das Domkapitel, zum anderen die Templer Anspruch erhoben. Der mit der Untersuchung des Sachverhalts beauftragte erzbischöfliche Beamte Thimar gab dem Antrag des Domkapitels auf Zeugenverhöre in Trier statt, insofern auch der Provinzmeister der Templer von Lothringen (die deutsche Provinz der Templer war gerade in der Gründung begriffen, dennoch blieb der Provinzmeister von Lothringen der Komturei von Trier vorgesetzt) seine Zustimmung gäbe. Hierzu wurde die Anhörung um vierzehn Tage verschoben (Mittelrheinische Regesten II, S. 498, Nr. 1868 - Original in Koblenz. Gedr. Mittelrhein Urkundenbuch 3,277). In der zweiten Urkunde vom 22.08. 1228, ist die Entscheidung über diesen Streitfall dokumentiert: Thimar sprach die umstrittene Wiese dem Domkapitel zu. Dabei hatten sich die Parteien in Gegenwart des Provinzmeisters von Lothringen vorab auf eben diesen Thimar als Schiedsrichter geeinigt. Vor diesem Urteilsspruch wurde jedoch eine Ortsbesichtigung unter Teilnahme des Abtes von Villers und dem Ritter Ludwig durchgeführt. Weiterhin erfolgten Zeugenvernehmungen, welche jedoch wegen mangelhafter Ausführungen ergebnislos blieben (Mittelrheinische Regesten II. Teil Seite 499 Nummer 187 - Original in Koblenz Gedr. Mittelrhein Urkundenbuch 3,278).

Am 17.04.1242 verbanden sich die sieben Hauptkirchen zu Trier, um gemeinsame Maßnahmen gegen die Angreifer und Räuber von kirchlichen Personen bzw. Institutionen zu treffen. In der hierüber ausgestellten Urkunde werden neben anderen religiösen Genossenschaften auch die Templer zur Mitwirkung eingeladen. Die nächste Nachricht über die Komturei von Trier findet sich erst in einer Urkunde vom 07.11.1273 erwähnt. Nach dieser Urkunde bestätigt ein Bruder Martin, Provinzmeister der Templer von Lothringen(!), dass seine Ordensbrüder durch die Bezahlung von 40 Pfund Heller an die Stadt Trier einen Schaden als beglichen erachten, welchen sie bei der Stadtbefestigung verursacht hatten. Dazu versprachen die Templerbrüder von Trier die Bestätigung dieser Zahlung vom Provinzmeister von Frankreich(!) zu erwirken.

Es ist davon auszugehen, dass die Niederlassung von Trier wie durch Papst Clemens V. angeordnet an den Johanniterorden übergegangen ist. Grundlage für die Vermutung ist eine Festsetzung vom 04.05.1338, aus der zu ersehen ist, dass die Johanniter zu Trier in einem Streit mit dem Domkapitel, auf eine Wiese, welche ehemaliges Templergut war, Anspruch geltend machten und zu diesem Zweck Erhebungen veranlassten. Bauliche Überreste sind von der Komturei nicht erhalten.

Artikel v. F. Sengstock 

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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Görz Adam: Mittelrheinische Regesten II. Teil, S. 498 Nr. 1868 - Original in Koblenz, Gedr. Mittelrhein Urkundenbuch 3,277 / ibid. S. 499, Nr. 1870 - Original in Koblenz, Gedr. Mittelrhein Urkundenbuch 3,278 / ibid. IV. Teil, S. 03 Nr. 14IV - Original in Trier / ibid. IV. Teil S. 258, Nr. 1139 - Original in Trier / ibid. IV. Teil S. 634, Nr. 2846 - Original in Koblenz.
  • Hirschmann, Freiherr von: Die Tempelherren in Deutschland, in: Historisch-Politische Blätter für das katholische Deutschland, hrsg. von Georg Tochner, Band 159, München 1917, S. 131 - 135.
  • Hontheim, Johann Nikolaus von: Historia Trevirensis diplomatica et pragmatica, I. Kapitel CCCCXCI, S. 727 - 728.
  • Schüpferling, Michael: Der Tempelherren-Orden in Deutschland, Bamberg 1915, S. 74 - 76.

 

 

Trefols (Komturei, Frankreich)

Bereits 1209 existierte dort ein Bauernhof im Besitz des Ordens. Im Laufe des 13. Jahrhunderts erlangte der Hof den Rang einer Komturei, der durch eine Schenkungsurkunde von 1263, ausgestellt von Graf Thibaud IV., schriftlich festgehalten wird. Eine dem Heiligen Johannes geweihte Kapelle und eine Mühle gehörten zu diesem Ordenshaus.

Komture:

~ 1307 Jean


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Les Commanderies de Champagne et de Brie, in: Templiers. De Jérusalem aux commanderies de Champagne, Paris 2012, S. 202.

 

 

Troyes (Komturei, Frankreich)

Troyes war Sitz des Grafen der Champagne und Versammlungsort mehrerer Kirchensynoden, unter anderen von jener, auf dem 1129 die Templer ihre Regel und Anerkennung verliehen bekamen. Eine Niederlassung des Ordens bestand in der Stadt seit dem selben Datum, beschenkt unter anderem durch die Grafen der Champagne Thibaud II und Thibaud IV. 1171 überschrieb Clarembaud IV. de Chappes jährliche Einkünfte aus der Vizegrafschaft Troyes im Wert von 100 Livres tournoises. Die Komturei besaß mehrere Häuser in Troyes selbst - das erste wurde ihnen 1186 in der Rue Composte geschenkt und wurde zum Sitz der Komturei- , sowie Ländereien, Waldstücke, Weiden und Höfe in Preize, Vassaules, Chapelle-Saint-Luc und Laines-aux-bois. Quelle von Einkünften waren auch die beiden jährlichen in Troyes gehaltenen großen Märkte

Der Standort der Gebäude war in der heutigen Rue Général Saussier. Die Kapelle und das Komturslogis wurden allerdings im 18. Jh. durch die Johanniter völlig neu gestaltet.

Komture:

~Pierre de Cercellis,

~Nicolas de Serre

~Jean Bruart

 
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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Leroy, Thierry: Hugues de Payns, chevalier Champenois, Fondateur de l'Ordre des Templiers, Troyes 2001.

 

 

Tschechische Republik

Der heutige geographische Raum der Tschechischen Republik umfasste im Mittelalter mehrere Herrschaftsgebiete unterschiedlicher Zugehörigkeit: Das Königreich Böhmen inklusive der Markgrafschaft Mähren, welches im 14. Jhd. Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches wurde, und die Oberlausitz bis in die Mitte des 13. Jhds.

Die Ordenshäuser in diesem Gebiet gehörten im Mittelalter zur deutschen Ordensprovinz, es gab aber zum Teil eine slawische bzw. bömisch-mährische Unterprovinz. Der Hauptsitz befand sich in Prag.

Liste der Besitzungen auf tschechischem Gebiet

Unterprovinzmeister Mähren:

~1244 Friedrich

Unterprovinzmeister Böhmen/Mähren:

~1294-1309 Ekko

 

Turin (Komturei, Italien)

Eine Templerniederlassung in Turin wird 1203 erstmalig erwähnt. Die Komturei hatte enge Beziehungen zum Ortsbischof. Zu ihren Besitzungen gehörten Liegenschaften in Vanchiglia und Val Favillera, Padisio.

1251 wurden die Turiner Templer gemeinsam mit Vertretern anderer Orden zum Konflikt des Bischofs von Turin mit Thomas II. von Savoyen befragt und nahmen wie die Übrigen eine vorsichtige Position ein.

Die Lage des Templerhauses ist bisher nicht geklärt. Die Gebäude wurden bei der Erweiterung der Stadtmauer im 16. Jh. zerstört. Die Kirche war der Hl. Margarita geweiht. Einige Dokumente aus späterer Zeit sprechen dafür, dass die Niederlassung sich im südöstlichen Teil der Stadt befand, zwischen der Porta Fibellona und der Porta Marmorea - damit wäre die Templerkirche auf keinen Fall an dem Platz zu suchen, an dem sich die heutige S. Margherita - Kirche in der Stadt befindet, nämlich am gegenüberliegenden Ufer des Po.

Komture (nach Bellomo):

~1203 Rolando Bergognino

~1216 Guido di Trana

~1273 Ogerio


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Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
Bellomo, Elena: The Templar Order in North-West Italy, 2007, S. 307ff.

 

 

Tyrus, Wilhem von (Chronist)

Wilhelm wurde um 1130 in Jerusalem geboren und war einer der gelehrtesten Menschen seiner Zeit. Ausser Französisch sprach er Arabisch, Griechisch und Hebräisch, und selbstverständlich, Latein. Noch während er Kanoniker an der Kathedrale von Tyrus war, begann er seine Historia rerum in partibus transmarinis gestarum zu schreiben, ein historisches Werk über die Kreuzzüge. 1174 wurde er Kanzler des Königs Baudoin IV. von Jerusalem, und 1175 Bischof von Tyrus. Zweifellos war er ein begabter Historiker, jedoch nicht unparteilich. Als Mitglied des 'traditionellen' Klerus betrachtete er mit einem gewissen Mißbehagen die 'neuen Orden' und unter ihnen die Ritterorden. So reiste er zum Beispiel nach Rom, um einen Prozess gegen die Johanniter anzustrengen. In seiner Historia räumt der Bischof weiten Raum ein um zu zeigen, wie die Templer und Johanniter sich der Autorität des Patriarchen entzogen, und welche üblen Konsequenzen dies für das Königreich und die Kirche seiner Meinung nach hatte. Wilhelm von Tyrus stand den Templern feindlich gegenüber, und in dieser Beziehung vernachlässigte er zuweilen die historische Warscheinlichkeit. In besonders negativem Licht sah er den Ordensmeister Odo de Saint-Amand. Heute kann man nur spekulieren, was die Gründe dieser Antipathie waren. Doch das Werk Wilhelms von Tyrus' verbreitete sich weit, und mit ihm die Anekdoten über die Templer. Zum Beispiel Walter Map benutzte die Historia als Grundlage seines eigenen Werkes.

Quellen für diesen Artikel und weiterführende Literatur
  • Lundgreen, F.: Wilhelm von Tyrus und der Templerorden, Berlin 1911.
  • Nicholson, H.: Before William of Tyre: European Reports on the Military-Orders' Deeds in the East 1150-1185, in: The Military Orders II, ed. Nicholson, H., Aldershot 1998, 111-118.